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EU-Kommissionschef

27.09.2019

Juncker: Briten sind schuld, wenn es keine Brexit-Einigung gibt

Aus Sicht von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker wäre es die Schuld der Briten, wenn es beim Brexit nicht zu einer Einigung käme.
Bild: Jean-Francois Badias/AP/dpa

Exklusiv Jean-Claude Juncker warnt die Briten vor einem Scheitern der Brexit-Verhandlungen. Ein Freihandelsabkommen mit der EU würde kompliziert werden.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker glaubt nach wie vor an eine Einigung im Brexit-Streit mit Großbritannien in letzter Minute. „Wir arbeiten intensiv an einem Deal“, sagte der Kommissionspräsident unserer Redaktion. „Unser Chefunterhändler Michel Barnier und ich tun alles, damit es zu einer Vereinbarung kommt“, betonte Juncker. „Wenn das am Ende nicht gelingt, liegt die Verantwortung dafür alleine auf der britischen Seite“, fügte er mit Blick auf den britischen Premier Boris Johnson hinzu.

Juncker: Brexit ohne Deal wäre eine Katastrophe

Juncker warnte Johnson vor einem Scheitern der Verhandlungen: „Ein Ausstieg der Briten aus der EU ohne Abkommen wäre eine Katastrophe für das Vereinigte Königreich und für den europäischen Kontinent“, betonte der scheidende Kommissionschef. Selbst Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Großbritannien nach einem Brexit  würden komplizierter, als bei früheren Vereinbarungen. „Denn bei den anderen Partnern ging es darum, sich aufeinander zu bewegen“, betonte Juncker, „im Falle Großbritanniens geht es hingegen um eine Trennung“, fügte er hinzu.

„Wir werden ein Freihandelsabkommen abschließen wollen und müssen“, betonte der EU-Kommissionschef. „Das geht aber nicht Hoppla-Hopp, wie sich das einige in Großbritannien vorstellen.“ Die letzten von der EU abgeschlossenen Handelsverträge hätten viele Jahre Zeit gekostet. „Es ist nicht erkennbar, warum das mit Großbritannien schneller gehen könnte.“

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Juncker zufrieden über ökonomische Bilanz: So viele Europäer mit Job wie noch nie

EU-Kommissionschef Juncker zieht eine gemischte Bilanz seiner Amtszeit-„ Ich bin traurig darüber, dass wir die Wiedervereinigung Zyperns nicht hingekriegt haben“, sagte der scheidende Kommissionspräsident unserer Redaktion. „Den zyprischen Freunden habe ich gesagt: Ihr findet vermutlich nicht noch einmal jemanden, der sich so um euch bemüht“, fügte er hinzu.  Stolz zeigte sich Juncker über ökonomische Bilanz, seiner Kommission,  die er sich nicht alleine zuschreibe: „Dass wir die Arbeitslosigkeit senken konnten, ist ein Erfolg“, betonte Juncker.

Die Arbeitslosenquote sei von 10,6 auf 6,3 Prozent zurückgegangen. „Das ist besser als noch vor der Finanzkrise“, sagte der Kommissionschef. Zudem sei die Beschäftigungsquote um über vier auf 73,8 Prozent gestiegen: „241,4 Millionen Europäer haben einen Job - das sind so viele wie nie zuvor“, betonte Juncker. „Und dazu hat, das möchte ich hinzufügen dürfen, auch der Investitionsplan, den alle nur „Juncker-Plan“ nennen, erheblich beigetragen.“

Juncker: „Ich werde schreiben und reden – über den großen Friedenstraum Europa.“

Auf die Frage was er nach dem Ende seiner Amtszeit machen wolle, antworte Juncker: „Politik. Aber auf eine andere Weise. Keine Ämter mehr, aber ich werde schreiben und reden – über den großen Friedenstraum Europa.“ Sein Satz, wer an Europa zweifele, sollte öfter Soldatenfriedhöfe besuchen, sei unverändert aktuell: „Europa bleibt ein Friedensprojekt. Wer das vergisst, begeht einen schweren historischen Fehler“, betonte Juncker. „Deshalb rede ich weiter über den Krieg, seine Opfer und das, was uns Frieden gebracht hat. Die jungen Menschen verstehen das.“

Lesen Sie hier unser ausführliches Interview: Jean-Claude Juncker über Europa: "Man liebt sich nicht mehr genug"

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