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Porträt

23.02.2021

Kate Bingham ist die Heldin des britischen Impf-Wunders

Kate Bingham (Zweite von links) ist maßgeblich für den Impferfolg in Großbitannien verantwortlich.
Bild: Mike Coppola, Getty Images

Das britische Impfprogramm ist eine echte Erfolgsgeschichte. Zu verantworten hat das zu großen Teilen die Finanzexpertin Kate Bingham.

Es war am 6. Mai vergangenen Jahres, als auf Kate Binghams Handy eine Textnachricht von Premierminister Boris Johnson einging. Ob er sie anrufen dürfe, fragte der britische Regierungschef. Nur wenig später hatte Bingham einen neuen, wenn auch ehrenamtlichen Job mit einem Auftrag von Johnson höchstpersönlich: So schnell wie möglich so viele Menschenleben wie möglich zu retten. „Wir hatten also ein sehr klares Ziel“, sagt Bingham. Bis Dezember leitete die 55-jährige Britin die „UK Vaccine Taskforce“, jene von der Regierung gegründeten Gruppe, die für die Impfstoffbeschaffung zuständig war.

Damit steht Catherine Elizabeth Bingham zu einem großen Teil hinter dem Erfolg des Programms auf der Insel, oder legte zumindest die wichtige Grundlage für den jetzigen „Impftriumph“, wie Medien gerne schreiben. Kein Land in Europa impft schneller und effizienter als Großbritannien. Fast 18 Millionen Menschen haben bis Montagnachmittag die erste Dosis gegen das Coronavirus erhalten.

Die Erfolgsstrategie: 400 Millionen Impfdosen verschiedener Hersteller

Bingham trägt mittlerweile den Titel „Impf-Zarin“. Die Daily Mail lobte sie als „brillant verrückte Heldin“ dieser Geschichte. Denn die Venturecapital-Unternehmerin hat es mit ihrem Team und in einem Rund-um-die-Uhr-Einsatz geschafft, mithilfe von Daten und wissenschaftlichen Studien sehr früh sieben vielversprechende Vakzine zu identifizieren, die die besten Chancen auf eine schnelle Zulassung hatten. Diese haben sie dann in großen Mengen bestellt. Statt sich in Verhandlungen um Preise zu verlieren, wurde beherzt zugegriffen.

 

So orderte Großbritannien insgesamt rund 400 Millionen Impfdosen von sieben Impfstoffkandidaten, darunter Pfizer/Biontech, Oxford/AstraZeneca und Moderna. „Wir hatten einen klaren Nachteil bezüglich Größe und Kaufkraft, deshalb haben wir entschieden, flink zu agieren, und so kooperativ und unterstützend wie möglich zu sein“, sagt die Britin, die sich mittlerweile wieder mit Risikokapitalanlagen beschäftigt.

Bingham ist keine Expertin für Impfstoffe - aber gut vernetzt

Dabei herrschte zunächst viel Lärm um ihre Ernennung, vor allem aufgrund ihrer Nähe zur konservativen Partei. Die Mutter von drei Kindern ist mit dem Tory-Abgeordneten Jesse Norman verheiratet und kennt Premierminister Johnson aus gemeinsamen Uni-Tagen in Oxford. Kritiker warfen der Regierung deshalb Vetternwirtschaft vor.

 

Hinzu kommt, dass die Biomechanikerin keine Expertin für Impfstoffe ist. Sie beschäftigte sich in den letzten drei Jahrzehnten hauptsächlich mit Investitionen in medizinische Technologien, weshalb sie sogar selbst Zweifel hegte, ob sie für die Rolle geeignet sei. Doch ein Vorteil bestand darin, dass sie und ihre Mitarbeiter gute Kontakte in die Pharma-Industrie genossen. So habe man „bestehende Beziehungen“ und Erfahrungen im Privatsektor genutzt. Aus Regierungskreisen heißt es, sie sei „sehr talentiert, sagt ihre Meinung und kommt direkt zum Punkt“. Bingham sei es gewohnt, die Dinge schnell zu erledigen und ohne den „bürokratischen Blödsinn“, wie ein Mitarbeiter es nannte.

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