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Türkei-Krise

21.06.2017

Nach G20-Gipfel: Erdogan will wohl in Deutschland auftreten

Archivbilder vom Erdogan-Auftritt in der Kölner Lanxess-Arena im Mai 2014. Jetzt haben dem türkischen Präsidenten zwei Hallen abgesagt.
Bild: Oliver Berg (dpa)

Im Streit um Auftritte türkischer Regierungsvertreter wirft Präsident Erdogan der Bundeskanzlerin "Nazi-Methoden" vor. Nach dem G20-Gipfel will er wohl noch eine Rede halten.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will seine Teilnahme am G20-Gipfel im Juli in Deutschland möglicherweise auch für einen Auftritt vor seinen Anhängern nutzen. Anscheinend gibt es aber Probleme, einen geeigneten Ort zu finden: Gleich mehrere Betreiber großer Hallen in Nordrhein-Westfalen berichteten von Anfragen für eine Veranstaltung und von ihrer Absage. Erdogan nimmt am 7. und 8. Juli am G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Wirtschaftsmächte in Hamburg teil.

Hallen lehnen ab: Erdogan wollte in Dortmund, Düsseldorf, Oberhausen oder Köln auftreten

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Mittwoch: "Bislang haben wir von der türkischen Seite keine förmliche Anfrage erhalten." Auch die türkische Botschaft in Berlin konnte Pläne für einen Erdogan-Auftritt nicht bestätigen. "Darüber haben wir keine Informationen", sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Im Streit um Auftritte türkischer Regierungsvertreter in Deutschland, die teilweise verhindert worden waren, hatte Erdogan Bundeskanzlerin Angela Merkel im vergangenen März die Anwendung von "Nazi-Methoden" vorgeworfen.

Die Dortmunder Westfalenhallen hätten am Dienstag eine Anfrage für eine Veranstaltung am 9. Juli erhalten, an der Erdogan teilnehmen solle, sagte ein Sprecher des Veranstaltungszentrums am Mittwoch. In der Halle liefen am 9. Juli aber Aufbauarbeiten für eine andere Veranstaltung. Wer die Anfrage gestellt habe, wollte der Sprecher nicht sagen. Nach einem Bericht der "Ruhr Nachrichten" soll es sich um ein Event-Unternehmen aus Ankara handeln. Die Bild-Zeitung berichtete, ein Veranstalter habe mit dem Wunschtermin 9. Juli bei der Dortmunder Stadttochter angeklopft.   

Nach G20-Gipfel: Erdogan will wohl in Deutschland auftreten

Nach Informationen des Kölner Stadt-Anzeigers war auch ein Auftritt Erdogans in Köln im Gespräch. Stefan Löcher, Geschäftsführer der Kölner Lanxess-Arena, bestätigte laut Zeitungsbericht (Donnerstag) eine Anfrage von türkischer Seite. Einen Auftritt des türkischen Staatspräsidenten in der Lanxess-Arena werde es aber einstweilen nicht geben. "Für Herrn Erdogan haben wir momentan keinen Platz frei", sagte Löcher der Zeitung weiter.

Auftritte türkischer Politiker haben im April 2017 zu politischer Krise geführt

Der Düsseldorfer ISS-Dome lehnte laut Rheinischer Post einen Auftritt Erdogans ab. Dieser habe dort am 9. Juli nach seinem Besuch des G20-Gipfels vor 10 000 seiner Anhänger sprechen wollen, "Wir haben eine Anfrage für einen Auftritt von Erdogan am 9. Juli für den ISS Dome erhalten", sagte Julia Kaballo, Sprecherin der Düsseldorfer Arena, der Zeitung. "Die Arena steht aufgrund der in den Sommerwochen jährlich stattfindenden Sanierungsarbeiten nicht zur Verfügung." 

Auch die König-Pilsner-Arena in Oberhausen erteilte einer Anfrage für eine Veranstaltung mit Erdogan eine Absage. In der Sommerpause könne die Halle wegen Renovierungs- und Umbauarbeiten nicht genutzt werden, sagte ein Sprecher. Vor dem türkischen Verfassungsreferendum im April hatten Auftritte türkischer Regierungsvertreter in Deutschland zu einer schweren Krise zwischen Ankara und Berlin geführt.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen forderte die Bundesregierung auf, einzugreifen, falls ein Erdogan-Auftritt im Anschluss an den G20-Gipfel geplant sein sollte. "Während deutsche Staatsbürger und Journalisten wie Deniz Yücel in der Türkei weiter in Haft sitzen, darf die Bundesregierung dem türkischen Despoten Erdogan in Deutschland nicht den roten Teppich ausrollen", sagte sie. Ein solcher Auftritt müsste untersagt werden.

Der letzte Auftritt Erdogans vor Anhängern in Deutschland fand im Mai 2015 in Karlsruhe statt. Es war zugleich Erdogans erster öffentlicher Auftritt in Deutschland als Staatspräsident. dpa

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22.06.2017

Wenn er das wirklich will ... ok. Bin mal gespannt wie weit es in der BRD mit der Meinungs- ud Redefreiheit geht. Ich gebe einen Tipp ab: nicht sehr weit.

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