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Porträt
30.08.2018

Jan Philipp Albrecht zieht von Brüssel zu den Bauern im Norden

Grünen-Politiker Jan Philipp Albrecht hat sich mit dem Thema Digitalisierung einen Namen gemacht.
Foto: Markus Scholz, dpa

Grünen-Politiker Jan Philipp Albrecht hat sich mit dem Thema Digitalisierung einen Namen gemacht. Jetzt beerbt er seinen Parteichef Habeck in Kiel.

Als Jan Philipp Albrecht 2009 ins Europäische Parlament gewählt wurde, war das iPhone erst eineinhalb Jahre alt. Twitter gab es nicht, Facebook hatte nicht einmal ein Zehntel der User-Zahlen von heute. Das größte soziale Netzwerk in Deutschland hieß StudiVZ. Albrecht, damals 26 Jahre jung, übernahm für die Grünen einen der Sitze im Innen-, Justiz- und Rechtsausschuss. Er ahnte die Bedeutung der Digitalisierung, die gravierenden Herausforderungen, die noch nicht einmal absehbar waren.

Heute, neun Jahre später, ist er 35. Und er verlässt Brüssel als Datenschutz-Star, um in Schleswig-Holstein „einen unheimlich spannenden Job“ als Minister für Umwelt, Landwirtschaft, Energiewende und Digitalisierung anzutreten. „Er ist ein sehr netter Kollege. Ich setze große Hoffnungen in ihn“, sagt seine Parteikollegin und EU-Parlamentarierin Helga Trüpel.

Jan Philipp Albrecht bezeichnet neue DSGVO als "Zumutung"

Dass die Datenschutzgrundverordnung, die mit seinem Namen häufig in Verbindung gebracht wird, nicht gerade ein Meisterwerk volksnaher Politikvermittlung ist, weiß der studierte Jurist Albrecht, der in Braunschweig geboren wurde, selbst. Sie sei „zunächst einmal eine Zumutung“, räumt er ein. „Aber sie zwingt dazu, sich sofort tatsächlich an den Datenschutz zu halten“. Auf Dauer sei sie „für die Gesellschaft ein großer Gewinn“. Albrecht: „Wichtig ist, dass wir uns an die Regeln, die wir gemeinsam demokratisch aufgestellt haben, auch halten müssen.“

Albrecht ist in der Brüsseler Welt eine Ausnahmeerscheinung. Schon optisch fällt der Freund von Ringel-Pullovern unter lässig-legeren, nicht selten verknitterten Jacketts auf. Es ist seine Form des Understatements. Viele Gesprächspartner aus den Regierungen der Mitgliedstaaten, aus den Führungsetagen der großen Internet-Konzerne dürften ihn unterschätzt haben – seinen Sachverstand, seine kraftvollen Argumente, seine Kenntnisse sowohl der Politik als auch der Netzwelt.

Warum geht so einer von der großen EU-Bühne zum Kieler „Landestheater“? Er schwärmt von den Zukunftsthemen, bei denen die Digitalisierung wichtiger wird. Von einer Landwirtschaft, bei der Programme helfen können, „Düngemittel viel gezielter einzusetzen“. Dass Albrecht auch schon mal als künftiger deutscher EU-Kommissar gehandelt wird, weiß er. Und lacht darüber – noch.

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Der Grünen-Politiker ersetzt ab September in Kiel Grünen-Bundeschef Robert Habeck – und muss seinen Weg innerhalb der CDU-geführten schleswig-holsteinischen Koalition mit FDP und Grünen finden. Es ist eine neue Welt für den verheirateten Vater eines zweieinhalb Jahre alten Sohnes. Während er in Brüssel ab und zu eine Beratungspause nutzen konnte, um ein paar Jogging-Runden in einem Park nahe des EU-Parlamentes zu drehen, dürfte ihm in Kiel die Zeit dafür fehlen. Andererseits kommt Albrecht seinem geliebten Fußball-Verein, dem Zweitligisten FC St. Pauli, ein großes Stück näher.

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