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Parteianhänger

25.03.2009

Rechte unterwandern die Freien Wähler

Gabriele Pauli und die Freien Wähler.

Die Freien Wähler befinden sich im Aufwind. Doch die Partei wird von Rechten unterwandert. Von Karin Seibold

Augsburg. Die Begeisterung scheint von Bayern auch auf die anderen Bundesländer überzuschwappen: 28 Prozent der Deutschen können sich nach einer neuen Forsa-Umfrage vorstellen, ihr Wahlkreuzlein bei den Freien Wählern zu machen.

Nach dem Überraschungserfolg im Freistaat treten sie bei der Europawahl jetzt zum ersten Mal bundesweit an. Doch der Erfolg beim Stimmenfang lockt auch Rechtspopulisten: In Bremen besetzen nach Recherchen des Politikmagazins Report München ehemalige Anhänger der Schill-Partei die Spitzenpositionen des Landesverbandes.

Alle Vorstandsmitglieder waren laut Weser-Kurier früher in rechten Splitterparteien tätig: Der Landesvorsitzende Friedhelm Altvater etwa, erst Anhänger der Schill-Partei "Rechtsstaatliche Offensive", kandidierte bei der Bundestagswahl 2005 für die europafeindliche "Pro DM". In dieser Zeit verfasste er auch einen offenen Brief an Bremens Oberbürgermeister Jens Böhrnsen: Staatliche Unterstützung für einen jüdischen Friedhof sei reine "Geldverschwendung", schreibt er da.

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Die bayerische Spitze der Freien Wähler stört das offenbar wenig. "Das sind Einzelgänger", sagt Spitzenkandidatin Gabriele Pauli auf Nachfrage unserer Zeitung, "ich persönlich habe mit Rechts- oder Linksradikalen nichts zu tun." Und: "Das muss der Bundesverband in Ordnung bringen."

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, war trotz mehrfacher Nachfrage zu dem Thema gestern nicht zu erreichen. Vor der Kamera von Report München hatte er sich noch vage ausgedrückt: Dass auch frühere Mitglieder der rechten Gruppierung "Bremen muss leben" unter dem Namen der Freien Wähler ihre Meinungen kundtun, sei ihm "jetzt nicht bekannt", hatte er gesagt. Aber: "Ich gehe davon aus, dass die Personen, das muss man noch mal recherchieren, nicht bei uns Fuß gefasst haben."

Immerhin scheint der Bundesverband mittlerweile in Teilen eingegriffen zu haben: Noch bis vor zwei Wochen handelten die Freien Wähler Bremen die Lebensgefährtin Altvaters und frühere Schill-Anhängerin Maria-Ilona Könnecke als Spitzenkandidatin für die Europawahl. Ihr Name ist jetzt von der Liste verschwunden. Stattdessen lächelt auch für die Freien Wähler Bremen jetzt wieder nur Gabriele Pauli.

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