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Corona-Pandemie

08.04.2020

Russland: Wie das Coronavirus Wladimir Putin ausgebremst hat

Russlands Präsident Wladimir Putin im Schutzanzug in einer Moskauer Infektionsklinik.
Bild: Alexei Druzhinin, dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin wollte in diesen Tagen eigentlich seine Macht bis 2036 sichern. Dann kam das Virus – und Putin wirkt hilflos.

Wenn Russlands Präsident Wladimir Putin Gouverneure, Minister oder Bürgermeister empfängt in seinen Arbeitszimmern, die quer übers Land verteilt sind, dann ist er es, der redet, die Richtung vorgibt und Anweisungen erteilt – normalerweise. Die Gouverneure, Minister oder Bürgermeister wirken dann wie kleine Schuljungen an seinem Pult, die zu allem nicken und sich zu sagen beeilen, dass alles so erfolgen werde, wie der Präsident das wünsche – normalerweise. An einem Nachmittag im späten März aber geschah etwas Außergewöhnliches in Russland.

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin widerspricht Putin bei Corona-Prognose

Ein Rollentausch, wie es ihn kaum sonst gegeben hatte in der jüngeren Geschichte des riesigen Reiches: Auch an diesem Tag saßen sich der Präsident und ein Bürgermeister gegenüber. Diesmal aber redete der Bürgermeister, Moskaus Stadtherr Sergej Sobjanin. Und er sprach das aus, was viele im Land längst dachten: Der Statistik zu den in Russland Corona-Infizierten sei nicht zu trauen, die Lage sei ernst.

Bis dahin hatte die Führung des Landes stets vermittelt und keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie das „chinesische Virus“, wie sie das Coronavirus nannte, im Griff habe. Russland, das bereits im Januar die Grenze zu China geschlossen hatte und jeden chinesischen Bürger im Land streng überwachte, sei besser gewappnet als andere Staaten, die Gefahren seien minimal. Bürgermeister Sobjanin, sonst ein loyaler Apparatschik, aber bezweifelte das öffentlich – und Putin nickte.

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Corona-Krise in Russland: Präsident Wladimir Putin handelt zaghaft

Nur wenige Zeit später sendeten die Fernsehsender Bilder des Präsidenten, wie dieser in einem kanariengelben Schutzanzug und mit einer Gasmaske ein Infektionskrankenhaus im Südwesten Moskaus besuchte. Der Chefarzt der Klinik – mittlerweile ist auch dieser an Covid-19 erkrankt – warnte Putin dabei vor einem „italienischen Szenario“. Die Corona-Pandemie wurde mit diesen Bildern in Russland zur Chefsache – so wirkte es zumindest. Zwei Reden an die Nation hat Putin seitdem gehalten. Zwei Reden, in denen er merkwürdig entrückt wirkte.

Er versprach Staatsgarantien für Unternehmen, Steueraufschübe, Stundungen von Verbraucherkrediten – und er ordnete „arbeitsfreie Tage“ bis Ende April an. Ab auf die Datscha zum Schaschlik-grillen, ab in die Ferien nach Sotschi, hatten sich da viele Menschen gedacht. Es seien schließlich „bezahlte Ferien“! Aufrütteln und zur Vorsicht mahnen sieht anders aus.

 

In der unübersichtlichen Situation überlässt Putin das Handeln anderen, da er schon in der Vergangenheit Unpopuläres möglichst anderen überlassen hat. Das Kalkül: Das Verkünden schlechter Nachrichten schadet der Popularität des Präsidenten. Also sollen es andere tun. Laufen die harten Einschnitte dennoch gut, kann sich der Präsident immer noch an die Spitze setzen, schließlich war er es ja, der Bürgermeister und Gouverneure mit Vollmachten ausstattete. In seiner Rede am Mittwoch an die Regionalverantwortlichen wirkte er zupackend. „Wir werden auch diese Prüfung überstehen“, sagte er und delegierte die Aufgaben an die Regionen.

Russland: Präsident Putin wirkt in Corona-Krise blass

Putin will Macht. Er will sie bis 2036. Alles war vorbereitet für seinen Coup, durch die Änderung der Verfassung sich diese Macht dauerhaft zu sichern. Noch bis zu seinem Treffen mit Sobjanin hatte der Kreml am Abstimmungstermin 22. April festgehalten und sah keinen Grund, diese zu verschieben. Wie er bis jetzt keinen Grund dafür sieht, die Parade am 9. Mai – der Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland ist identitätsstiftend für das Land – abzusagen. Putin ist der größte Gegner harter Maßnahmen im Land und überlässt die Initiative den Regionen. So als wäre er nicht der Präsident, der sich in den vergangenen 20 Jahren zum Zentrum eines Systems gemacht hätte, die auf einer Machtvertikale beruht. In Krisen aber, die er nicht steuern kann, wirkt Putin seit jeher schwach. Das war bereits zu Beginn seiner Karriere so, als das U-Boot Kursk mit Überlebenden an Bord sank. Auch das Coronavirus lässt Putin blass aussehen.

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