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Vorwurf von Versäumnissen

19.04.2020

Trump greift China in Corona-Krise an

US-Präsident Trump zeigt sich überzeugt, dass China und nicht die USA die meisten Todesfälle in der Pandemie zu verzeichnen haben.
Bild: Patrick Semansky/AP/dpa

Erst die WHO, jetzt China: US-Präsident Trump sucht in der Corona-Krise nach Schuldigen. Kritiker werfen ihm vor, damit im Wahljahr von eigenen Versäumnissen ablenken zu wollen.

US-Präsident Donald Trump hat China für die weltweite Verbreitung des Coronavirus verantwortlich gemacht und seine eigene Regierung gegen jegliche Kritik verteidigt.

"Es hätte in China gestoppt werden können", sagte Trump bei seiner täglichen Pressekonferenz im Weißen Haus. "Das ist nicht geschehen und die ganze Welt leidet deswegen."

Trump machte deutlich, dass es um eine entscheidende Frage gehe: "War es ein Fehler, der außer Kontrolle geriet, oder wurde es absichtlich getan?" Das mache einen großen Unterschied. In letzterem Fall "sollte es Konsequenzen geben", sagte er. In jedem Fall müsse die Regierung in Peking US-Experten erlauben, die Vorgänge vor Ort zu untersuchen. "Sie wollten uns nicht dort haben. Ich denke, dass sie beschämt waren. Ich denke, sie wussten, dass es etwas Schlechtes ist."

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In US-Medienberichten wird China unterstellt, die internationale Gemeinschaft über Tage hinweg nicht über das Virus informiert zu haben. Außerdem gibt es in den USA Berichte unter Berufung auf amerikanische Geheimdiensterkenntnisse, wonach das Virus aus einem Forschungslabor in China stammen könnte. Dieser These zufolge soll das Virus im Institut für Virologie in Wuhan versehentlich von einem Mitarbeiter in die Stadt gebracht worden sein. Die Pandemie hatte in Wuhan ihren Ursprung.

Der Chef des besagten Instituts wies die Vorwürfe zurück. "Das Virus ist auf keinen Fall von uns gekommen", sagte Yuan Zhiming in einem am Sonntag in chinesischen Medien verbreiteten Interview des Staatsfernsehens. "Wir wissen genau, welche Virus-Forschung in dem Institut vorgeht und wie mit Viren und Proben umgegangen wird", sagte er. In seinem Labor habe sich niemand mit Sars-CoV-2-Virus infiziert.

Nach den bisherigen Erkenntnissen ging das neuartige Corona-Virus in Wuhan - wie schon 2002 das Sars-Virus - von einem Tiermarkt aus, wo erste Erkrankungen aufgetreten waren. Experten gehen davon aus, dass es von Fledermäusen stammt und auch über ein anderes Tier als Wirt verbreitet worden sein könnte.

In den USA schaukelt sich unterdessen der Streit zwischen Trump und Gouverneuren einiger Bundesstaaten immer weiter hoch. Sowohl republikanische als auch demokratische Gouverneure beklagen einen Mangel an flächendeckenden Tests, die Voraussetzung für die von Trump angestrebte schrittweise Wiedereröffnung der Wirtschaft sind.

Das Fehlen von Tests sei von Anfang an das Problem Nummer eins gewesen, sagte der republikanische Gouverneur von Maryland, Larry Hogan, am Sonntag dem Sender CNN. Jeder Gouverneur kämpfe dafür, mehr Tests zu bekommen. Die Kapazitäten in Maryland seien nicht annähernd da, wo sie sein müssten. Am Samstag hatte Floridas Gouverneur Ron DeSantis - ein loyaler Anhänger Trumps, gesagt: "Testen wird weiterhin ein Thema sein." US-Vizepräsident Mike Pence versprach am Sonntag bei NBC News, dass die Testkapazitäten in den kommenden Wochen und Monaten ausgeweitet würden.

Kritiker werfen Trump in der Corona-Krise vor, vor der Präsidentenwahl im November von eigenen Versäumnissen ablenken zu wollen und daher Sündenböcke zu suchen. Am Dienstag hatte Trump einen vorübergehenden Stopp der US-Beitragszahlungen an die WHO veranlasst. Er machte die Organisation für die vielen Toten mitverantwortlich und warf ihr vor, die Pandemie mit Missmanagement und Vertrauen auf Angaben aus China verschlimmert zu haben. Dabei hatte Trump Anfang des Jahres China selbst mehrfach für den Umgang mit dem Ausbruch gelobt. Am Samstag meldete Trump Zweifel an der von China gemeldeten Todeszahl in der Pandemie an.

Die Kritik an seiner Regierung in der Krise verglich Trump mit den Russland-Ermittlungen der Bundespolizei FBI, bei denen es darum ging, ob sein Wahlkampfteam Geheimabsprachen mit Russland getroffen hatte. Die Ermittler fanden in ihrem im vergangenen Jahr vorgestellten Bericht keine Beweise dafür. "Das sollte keine parteiische Hexenjagd wie die Russland-Hexenjagd sein", sagte Trump am Samstagabend.

Trump wehrte sich zudem gegen Kritik, dass er Proteste gegen Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in demokratisch regierten US-Bundesstaaten angeheizt habe. "Einige haben es völlig übertrieben", sagte Trump mit Blick auf die Gouverneure. Am Freitag hatte Trump auf Twitter in Großbuchstaben "Befreit Michigan!", "Befreit Minnesota!" und "Befreit Virginia!" geschrieben. Am Samstag kam es in mehreren - demokratisch wie auch republikanisch regierten - Bundesstaaten erneut zu Demonstrationen gegen die Schutzmaßnahmen.

So wurde am Samstag etwa in Marylands Hauptstadt Annapolis mit einem Autokonvoi protestiert. Gouverneur Hogan lehnt eine Lockerung der Schutzmaßnahmen angesichts steigender Infektionszahlen ab - was den Richtlinien des Weißen Hauses entspricht. Der Demonstrant Charles Rex sagte dem Sender Fox News: "Das ist absolut lächerlich. Menschen müssen zur Arbeit zurückkehren." Die Demonstrantin Janet Baker sagte: "Ich will, dass die Verfassung wieder geschützt und gewürdigt wird."

Die Demonstranten bekommen zwar in konservativen US-Sendern wie Fox News viel Sendezeit, sind aber eine verschwindend geringe Minderheit - in den einzelnen Bundesstaaten meist nur ein paar Dutzend Menschen. Nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Forschungsinstituts Pew sorgen sich 66 Prozent der Amerikaner, dass die Bundesstaaten Schutzmaßnahmen zu früh aufheben könnten. Rund 73 Prozent befürchten, dass den USA das Schlimmste noch bevorsteht. Und 65 Prozent meinen, Trump habe zu spät auf die Bedrohung reagiert. (dpa)

Pew-Umfrage

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