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Porträt

12.02.2015

Umstrittener Kirchendiplomat Karl-Josef Rauber wird Kardinal

Karl-Josef Rauber wird mit über 80 Jahren zum Kardinal ernannt.
Bild: Daniel Naupold (dpa)

Der deutsche Erzbischof Karl-Josef Rauber wird Kardinal. Die späte Rehabilitierung eines päpstlichen Diplomaten, der den konservativen Kräften im Vatikan lange ein Dorn im Auge war.

Karl-Josef Rauber wohnt in diesen Tagen im Collegio Teutonico, dem deutschen Priesterseminar auf Vatikanboden. Ein paar Meter weiter links ist Papst Franziskus sein Nachbar im Gästehaus Santa Marta, einen kleinen Spaziergang den Vatikanhügel nach oben wohnt der emeritierte Papst Benedikt XVI. im Kloster Mater Ecclesiae. Erzbischof Rauber residiert zwischen den Päpsten, und in ihrem Spannungsfeld bewegt sich auch seine Nominierung in das höchste Beratergremium des Papstes. Am Samstag kürt Franziskus den 1934 geborenen Nürnberger mit anderen 19 Bischöfen im Petersdom zum Kardinal. Weil er bereits über 80 Jahre alt ist, hätte Rauber kein Wahlrecht beim nächsten Konklave. Die Nominierung ist in erster Linie eine Ehre.

Späte Ehre für einen Gesandten des Papstes

Rauber war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2010 jahrzehntelang im Dienst der Kurie, vor allem als päpstlicher Diplomat. Franziskus räumt der Diplomatie in seinem Pontifikat wieder eine stärkere Rolle ein, aber das ist nur einer der Gründe, warum Rauber ab Samstag zur katholischen Elite gehören wird. „In gewissem Sinn ist seine Nominierung eine Rehabilitierung“, sagt der emeritierte deutsche Kurienkardinal Walter Kasper, ein Intimus des jetzigen Papstes.

Rauber war lange als Apostolischer Nuntius, also als Botschafter, tätig, etwa in der Schweiz, in Ungarn und in Belgien. Aber anstatt ein simpler Erfüllungsgehilfe Roms zu sein, gab er den Anliegen der Ortskirchen und Gläubigen viel Gewicht. Seine Haltung umschreibt er salopp mit „mehr Lächeln als Zeigefinger“. Und darin ist Rauber Papst Franziskus durchaus ähnlich.

Raubers offene Art sorgte oft für Ärger im konservativen Vatikan

Doch im Vatikan gab es immer wieder Kritik an Raubers Verständnis von Diplomatie. Nachdem er unter Johannes Paul II. 1991 als Sondergesandter in das Schweizer Bistum Chur geschickt wurde, wo der konservative Bischof Wolfgang Haas die Gläubigen gegen sich aufgebracht hatte, wurde Rauber mehrmals vom damaligen Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano und dem Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, gerügt. Rauber stehe nicht hinter dem Rom-treuen Bischof, sondern arbeite gegen ihn, hieß es. „Aus Rom wurde ich damals nicht besonders unterstützt“, erzählt Rauber heute.

Als Nuntius in Belgien (2003–2009) wiederholte sich der Zwist. Jetzt war Benedikt XVI. Papst mit einer Vorliebe für theologisch präparierte, führungskräftige Kirchenmänner. Als es zur Neubesetzung des wichtigen Bischofssitzes von Mechelen-Brüssel kam, setzte sich der Vatikan über Raubers Vorschläge hinweg. Neuer Bischof wurde der konservative Theologe André-Joseph Léonard, dem Rauber Defizite in der Seelsorge nachsagte. Theologen sollten nicht in die Diözesen, sondern an die Universität, forderte Franziskus vor kurzem. Nicht nur darin sind sich Rauber und Jorge Mario Bergoglio einig. Nach den Feierlichkeiten in Rom wird der Neu-Kardinal dann wieder zurückkehren ins Schönstatt-Kloster in Ergenzingen bei Rottenburg. Er sei immer noch als Seelsorger aktiv. Vielleicht habe auch das bei seiner Nominierung eine Rolle gespielt, vermutet Rauber.

Papst Franziskus setzt auf die Kirche in der "Peripherie"

Unter den Kardinälen, die Franziskus zusammen mit Rauber ernennt, sind vor allem unbekanntere Kandidaten. Er setzt auf die Männer der „Peripherie“ und nominierte Bischöfe aus Äthiopien, Neuseeland, Vietnam, Myanmar, Panama, Kap Verde im Atlantik und Tonga im Südpazifik. Die Kirche müsse, um nicht selbstreferenziell zu werden, an die „geografischen und existenziellen Ränder“ gehen, hatte Kardinal Jorge Mario Bergoglio in den Beratungen vor dem Konklave 2013 gefordert. Als Papst löst er diese Forderung nun ein.

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