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Grundsteuer

26.11.2018

Wird das Wohnen in den Ballungsräumen noch teurer?

Das Konzept von Scholz führe laut Finanzexperten dazu, dass in Ballungsräumen das Wohnen noch teurer werden wird.
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Das Konzept von Scholz führe laut Finanzexperten dazu, dass in Ballungsräumen das Wohnen noch teurer werden wird.
Bild: Frank Rumpenhorst

Die angeblichen Pläne von Finanzminister Olaf Scholz stoßen auf Kritik. Mitunter weil Bundestagsmitglieder davon aus der Bild-Zeitung erfahren.

Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass die grünen Finanzministerinnen aus Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Bremen, Edith Sitzmann, Monika Heinold und Karoline Linnert, einen Brief an Finanzminister Olaf Scholz von der SPD schrieben und wissen wollten, ob es in seinem Hause schon Pläne für eine Reform der Grundsteuer gebe. Doch auf eine Antwort aus Berlin warteten die drei Ressortkolleginnen in Stuttgart, Kiel und Bremen nach Informationen unserer Zeitung vergebens.

Den Abgeordneten des Bundestags erging es nicht viel besser. Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts am 10. April, das die Berechnungsgrundlage der Grundsteuer als verfassungswidrig verworfen und vom Gesetzgeber umfassende Änderungen verlangt hatte, hüllte sich der SPD-Finanzminister in Schweigen. Sehr zum Ärger der Fachpolitiker im Finanzausschuss. „Das, was bisher von Scholz gekommen ist, ist an Transparenz nicht mehr unterbieten“, höhnt der Grünen-Finanzexperte Stefan Schmidt aus Regensburg, Sprecher für Kommunalfinanzen, im Gespräch mit unserer Redaktion. Nur auf ausdrückliche Nachfrage habe es im Ausschuss Antworten gegeben, doch diese seien stets „sehr oberflächlich“ ausgefallen.

Finanzminister der Länder erfuhren aus der Bild von Scholz‘ Plänen

Immerhin, seit Montag wissen die Finanzexperten des Bundestags wie die Finanzminister der Länder, in welche Richtung Scholz denkt. Allerdings erfuhren sie es nicht aus erster Hand von ihm, sondern von der Bild-Zeitung, die unter Berufung auf das Ministerium sein Konzept veröffentlichte. Zwar ließ Scholz selber dem Bericht unverzüglich ein halbherziges Dementi folgen und kritisierte, da habe wohl jemand etwas „aufgeschnappt“ und daraus „voreilige Schlüsse“ gezogen, da intern noch über das Vorhaben „intensiv diskutiert“ werde. Doch da sich Scholz am Mittwoch mit seinen Ressortkollegen aus den Ländern treffen will, um über die Reform zu sprechen, dürften die Pläne in seinem Hause bereits weit gediehen sein. Scholz selber zeigte sich zuversichtlich: „Das kriegen wir hin.“

Nach dem Bericht soll die Grundsteuer für jede einzelne Wohnung in Deutschland individuell berechnet werden. Entscheidend für die Berechnung sollen die Fläche und das Alter der Immobilie sowie die Höhe der aktuellen Miete sein. Das würde bedeuten: Je höher die Miete, desto höher auch die Grundsteuer, die als umlagefähige Kosten von den Mietern zu bezahlen ist. Bei selbstgenutzten Häusern oder Wohnungen soll die Höhe der Steuer anhand der Wohngeldtabelle ermittelt werden. In der SPD heißt es, dieses Verfahren wäre zwar aufwendig und kompliziert, könne aber für mehr Gerechtigkeit sorgen und zusätzliche Anreize für günstigere Mieten schaffen.

Das Berechnungsverfahren der Grundsteuer sei „ziemlich kompliziert“

Die Oppositionsparteien und der Bund der Steuerzahler übten dagegen massive Kritik. Das Berechnungsverfahren werde „ziemlich kompliziert“, bemängelte der Grünen-Finanzexperte Stefan Schmidt gegenüber unserer Zeitung. Vor allem führe das Konzept dazu, dass in Ballungsräumen, in denen schon jetzt extreme Knappheit an bezahlbarem Wohnraum herrsche und die Mieten explodieren, das Wohnen noch teurer werden wird. Aus Sicht der Grünen sollte daher der Gesetzgeber tätig werden, „dass die Vermieter die Grundsteuer nicht länger auf die Mieterinnen und Mieter abwälzen können“.

Auch der stellvertretende FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte, das Konzept sei ein „staatlicher Mietenturbo“. Scholz schaffe ein „neues Bürokratiemonster“, das Wohnen noch teurer machen könnte, als es ohnehin schon sei.

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