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Energiewende: Kraftanstrengung gegen die Abhängigkeit von Putins Gas

Kommentar Von Bernhard Junginger
03.03.2022

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine muss Deutschland sich im Energiesektor viel breiter aufstellen. Die Zukunft ist erneuerbar, doch im Moment sind Kompromisse nötig.

Es ist kaum zu ertragen: Putins entsetzlicher Ukraine-Krieg wird zu einem erheblichen Teil von deutschen Gas-, Sprit- und Stromkunden mitfinanziert. Jetzt geht es darum, die gefährliche Abhängigkeit schnell zu reduzieren - ohne dass das die Verbraucher ruiniert. In jedem Fall ist es richtig, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen. Denn die Verbrennung von fossilen Energieträgern ist es, die den Anstieg der Temperaturen auf der Erde befeuert und die Zukunft kommender Generationen gefährdet.

Die harte Wahrheit aber bleibt: Bis genügend Strom aus Wind und Sonne verfügbar ist, wird es noch Jahre dauern, die vielen Gasheizungen lassen sich ebenfalls nicht so einfach ersetzen. So muss die gesamte Energieversorgung schnell von wenigen auf möglichst viele Säulen gestellt werden. Doch das wird leider nicht ohne Zugeständnisse an die reine Lehre von Klimaschutz und Ethik gehen. Alternative Lieferanten von Öl, Kohle und Gas sind nicht immer lupenreine Demokratien, es könnte nötig sein, Atomkraftwerke und Kohlemeiler etwas länger laufen zu lassen.

Dilemma: Deutschland ist für die Energiewende auf russische Energie angewiesen

Dezentralisierung hilft im nationalen wie im regionalen Maßstab. Wo Landwirte sinnvoll Energie erzeugen können, etwa in Form von Biogas, soll der Staat das fördern. Es wäre zudem völlig falsch, würde die Bundesregierung vielen Deutschen ausgerechnet jetzt auch noch die Möglichkeit nehmen, im eigenen Ofen mit Holz aus heimischen Wäldern und nachhaltiger Forstwirtschaft zu heizen.

Trotz allem wird sich das Dilemma, auf russische Energie schlichtweg angewiesen zu sein, nicht so schnell auflösen lassen. Es wäre auch unsinnig, für alle Ewigkeit jede Kooperation mit Russland auf dem Energiesektor auszuschließen. Kein Regime währt ewig. In Russland - wie in der Ukraine - gäbe es ein riesiges Potenzial, mit Wind, Sonne oder Wasserkraft grünen Strom oder Wasserstoff zu erzeugen.

Klar muss aber sein: Wer Nachbarländer überfällt und mit Raketen und Panzern unsägliches Leid über die Bevölkerung bringt, muss damit rechnen, dass selbst die treuesten Energiekunden abspringen.

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Alle Informationen zur Eskalation erfahren Sie jederzeit in unserem Live-Blog zum Krieg in der Ukraine.

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