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Landkreis Augsburg

03.02.2017

Chaos bei Kursen für Asylbewerber

Viele Asylbewerber sitzen offenbar in den falschen Kursen.
Bild: Peter Endig, dpa (Symbolfoto)

Kreispolitik beklagt „Wirrwarr von Angeboten“. Die Folge: Viele Menschen sind in den falschen Kursen. Und manche kommen irgendwann gar nicht mehr.

Seit Herbst arbeiten für den Landkreis zwei Koordinatorinnen, sie sollen die Bildungsangebote für Migranten verbessern. Als Erstes nahmen sie Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge unter die Lupe. Ergebnis: Angebot und Bedarf passen oft hinten und vorne nicht zusammen.

Von einem „Drunter und Drüber“ sprach Christine Hagen, Stellvertreterin des Landrats im Amt. In ihrem Bereich ist das Thema angesiedelt. Es gebe zwar eine Vielzahl von Maßnahmen, doch diese seien oftmals unpassend. „Viele sind in den falschen Kursen“, verdeutlichte Landrat Martin Sailer (CSU). So säßen immer wieder Analphabeten, die erst einmal Lesen und Schreiben lernen müssten, in Sprachkursen, in denen sie aufrund der fehlenden Voraussetzungen dann überfordert sind. Sailer: „Wir brauchen jemanden, der dafür sorgt, dass die Leute in den richtigen Kurs kommen.“

Der Landkreis will nun einen weiteren Koordinator einstellen. Er soll dafür sorgen, dass die Menschen in die für sie passenden Kurse gehen. Eine solche Beratung gebe es bislang nicht. Zudem scheint ein Überblick über alle Angebote zu fehlen, die von einer Vielzahl von Anbietern organisiert werden.

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Ein Wirrwarr von Angeboten

SPD-Fraktionschef Harald Güller wies bei der Diskussion im Kreisausschuss auf die vielen Auftraggeber hin, die inzwischen mit unterschiedlichsten Partnern mitmischen. Bund, Land und Arbeitsagentur seien zugange. „Jeder meint es gut und macht seinen eigenen Stiefel. Das Ergebnis ist ein Wirrwarr von Angeboten.“ Das Landratsamt müsse auch die Ministerien in München regelmäßig über seine Erkenntnisse informieren, forderte der Abgeordnete. Im Zuge ihrer Recherchen im Dschungel der Bildungsangebote führten die Landratsamtsmitarbeiterinnen an die 30 Interviews.

Ein Partner war der Meitinger Bürgermeister Michael Higl. Der CSU-Politiker hatte schon im Herbst gegenüber unserer Zeitung von einem kaum noch überschaubaren Kursangebot gesprochen. Im Kreisausschuss wies er nun darauf hin, dass es Sanktionen geben müsse für Menschen, die sich nicht um ihre Integration bemühen. Higl: „Da ist die Autorität vom Amt gefragt.“

Ein Problem ist die Größe der Zielgruppe

Diesen Punkt sprach auch Albert Lettinger (Freie Wähler) an. Er wollte wissen: „Wer überwacht, ob die Menschen hingehen?“ Lettinger wies auf Berichte hin, wonach immer wieder Flüchtlinge den Besuch ihrer Kurse einstellen. Das sei in der Tat ein Problem, räumte die Spitzenbeamtin Hagen ein und verwies zugleich auf die Größe der Zielgruppe. 2015 verordnete allein das Ausländeramt im Landkreis 270 Menschen einen Integrationskurs, 2016 waren es 640.

Einig waren sich die Vertreter aller Fraktionen, dass die zusätzliche Stelle nötig sei. Ursula Jung (Grüne) sprach vom nächsten Schritt zu mehr Integration, Markus Brem (FW) unterstrich die hohe Bedeutung der Deutschkurse: „Die Sprache öffnet Türen. Wenn sie nicht beherrscht wird, bleiben sie verschlossen.“ Die jetzigen Probleme hätte man schon vor zwei Jahren diskutieren müssen, kritisierte Brem. Seine Fraktion habe dies auch gefordert. „Aber damals hieß es, wir sind nicht zuständig.“

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