Newsticker

Spahn mit Corona infiziert - Kabinett muss nicht in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. Corona-Demo: Jubel über angeblichen Söder-Rücktritt

Königsbrunn

15.10.2020

Corona-Demo: Jubel über angeblichen Söder-Rücktritt

Michaela Königsberger leitete die Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen von Regierung und Behörden auf dem Königsbrunner Marktplatz.
Bild: Hermann Schmid

Plus Bei der Königsbrunner Kundgebung gegen Corona-Maßnahmen wird um Spenden für Obdachlose geworben und für den Verzicht auf Masken.

Etwa 80 Menschen kamen am Mittwochabend auf dem Königsbrunner Marktplatz zu einer Kundgebung gegen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zusammen. Seit Anfang Juni finden diese Treffen wöchentlich dort statt, inzwischen werden sie vom kürzlich gegründeten „Bürgerforum Schwaben“ organisiert. Dessen Vorsitzende, die Königsbrunnerin Michaela Königsberger, nennt gegenüber unserer Zeitung als Ziel, man wolle Bürgern und Menschen helfen, die unter den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie leiden.

Gegen Ende der Kundgebung wird sie die Obdachlosen als besonders Betroffene hervorheben. In Augsburg erhalten sie ihre Verpflegung im Freien, weil Geld fehle für Hygienemaßnahmen in ihrem Treffpunktraum. Sie bittet um Spenden von Schlafsäcken, Isomatten und Jacken. Man könne aber auch Geld und Einkaufsgutscheine spenden.

Bei der Königsbrunner Corona-Demo gibt es keine Maskenauflage

„Wir sind keine Verschwörer, wir sind keine Maskenverweigerer“, betont Michaela Königsberger vor den 80 Zuhörern, von denen, soweit auf dem spärlich beleuchteten Platz zu erkennen, keiner einen Mund-Nasen-Schutz trägt. Im Bescheid des Landratsamts zur Kundgebung, so sagen die beiden anwesenden Polizeibeamten auf Nachfrage unserer Redaktion, sind die Teilnehmer zwar„angehalten, Masken zu tragen, das ist aber keine Auflage“. Das Thema „Maske“ wird an diesem Abend ganz unterschiedlich angesprochen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Michaela Königsberger appelliert, in Geschäften sollten auch Menschen bedient werden, „die aus gesundheitlichen Gründen keinen Maskenschutz tragen können“. Heilpraktiker Robert Gilg aus Schwabmünchen macht Werbung für die Parole „Maske – ohne Sinn und Verstand“. Kinderarzt Dr. Rolf Kron aus Kaufering, der zum Abschluss spricht, nennt die Masken „jetzt so unsinnig wie im April“.

Masken seien für viele „ein Problem für die Psyche“, vor allem Kinder würden darunter leiden. Er appelliert: „Hört auf mit dem Masken-Tragen! Derjenige, der mitmacht, macht sich schuldig an Verbrechen!“ Die aktuell steigenden Corona-Zahlen seien allein auf die „unsäglich falschen PCR-Tests“ zurückzuführen, sagt Kron.

Kritik an der Corona-Teststrategie der Regierung

Die Teststrategie bringt Michaela Königsberger – durchaus im Einklang mit gängigen Verschwörungstheorien – in Verbindung mit einem leichten Rückgang der Arbeitslosenzahlen im September: „Anscheinend haben die positiven Zahlen der Regierung nicht gefallen. Seit Oktober testen wir und testen wir …“ Auf die massiv angestiegenen Ansteckungszahlen in vielen europäischen Ländern geht keiner der Redner ein.

Den größten Applaus des Abends gibt es gleich zum Auftakt für eine Ankündigung von Michaela Königsberger. Aus vertraulicher Quelle habe sie erfahren: Wegen Unstimmigkeiten bei der Konferenz der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Merkel am gleichen Abend sei Markus Söder spontan zurückgetreten. Das wird quittiert mit Jubel und Schreien. „I spinn!“, ist zu hören und „Des wär der Hammer!“. Doch etwa eine Viertelstunde später nimmt Königsberger die Meldung zurück.

Appell: Auch den eigenen Nachrichten-Mainstream hinterfragen

Sie habe ihre Zuhörer bewusst aufs Glatteis geführt, um eine Botschaft rüberzubringen: Es sei wichtig, auch Meldungen und Aktionen innerhalb der Gegner der offiziellen Anti-Corona-Maßnahmen kritisch zu prüfen. Schließlich werfe man den „Schlafschafen“ – womit im Duktus der "Querdenker" Menschen gemeint sind, die der Anti-Corona-Linie von Behörden und Regierung vertrauen – vor, „dass sie dem Mainstream glauben, dass sie nur in eine Richtung blicken“. Das gelte aber auch im eigenen Lager.

„Auch wir glauben unserem Mainstream, auch wir teilen blind, wir lesen nicht mehr, wir hinterfragen nicht mehr, auch wir sind auf einem Scheuklappen-Weg“, sagt Königsberger. Als Beleg führte sie unter anderem an, dass ein mit dem Namen von Schlagerstar Michael Wendler angelegter falscher Account im Internet innerhalb von vier Stunden mehr Zuspruch hatte als dessen offizielle Seite auf Instagram.

Oder dass eine vom Corona-Maßnahmen-Kritiker Professor Sucharit Bhakdi initiierte Petition erst massenhaft geteilt wurde, Stunden später aber die ersten Vetos und Rückzieher eingingen. Der Autor habe dann selbst eingeräumt, dass man die deutsche Übersetzung überarbeiten müsse. Das Fazit von Michaela Königsberger: „Immer mehr Menschen rennen einfach los und hinterfragen nicht mehr. Bleibt in eurer eigenen Mitte! Wir müssen nicht alle einer Meinung sein. Übt euren Geist – den werden wir in den nächsten Jahren noch sehr brauchen.“

Lesen Sie auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

16.10.2020

Herr Kron ist Arzt, kein Dr.
Es war ein spannender Abend mit tollen Gesprächen. Das die anfänglichen „news“ fake waren, bedaure ich sehr....

Permalink
15.10.2020

Wird langsam langweilig, oder? Immer die gleichen dumpfen Meldungen.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren