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Prozess in Augsburg

15.02.2019

Das verlockende Geschäft mit Tausenden Red-Bull-Dosen

Mehrere Männer haben aus einem Lechfelder Logistikzentrum palettenweise Getränke gestohlen. Beim sechsten Mal flogen sie auf. Jetzt wurden sie verurteilt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Mehrere Männer haben aus einem Lechfelder Logistikzentrum palettenweise Getränke gestohlen. Beim sechsten Mal flogen sie auf. Jetzt wurden sie verurteilt.

Sechs Männer im Alter zwischen 22 und 48 Jahren sitzen auf der Anklagebank am Amtsgericht Augsburg. Fast alle sind Familienväter, sie alle haben einen festen Job und mit dem Gesetz ist bisher nur einer von ihnen in Konflikt gekommen – als Jugendlicher. Und doch haben die sechs Deutschen ein großes Ding auf dem Lechfeld im Jahr 2017 gedreht.

Die Angeklagten stahlen Getränkedosen aus dem Logistikzentrum eines dortigen Lebensmitteldiscounters. Es waren aber nicht nur ein paar wenige Energy-Drinks, die sich die Gruppe einverleibte; es waren sieben Paletten voll damit. Das entspricht knapp 7000 Dosen im Wert von insgesamt 12600 Euro. Deswegen mussten sich die Männer unter anderen wegen schweren Bandendiebstahls und gewerbsmäßiger Bandenhehlerei beziehungsweise deren Beihilfe vor dem Augsburger Schöffengericht verantworten – das Strafmaß für die Delikte beträgt bis zu zehn Jahre.

Fast 7000 Red-Bull-Dosen aus Logistikzentrum gestohlen

Und so lief jeweils der Diebstahl, in wechselnder Beteiligung, ab: Einer der Angeklagten, ein Lkw-Fahrer, rief bei einem Mitarbeiter des Auslieferungslagers an und orderte eine oder zwei Paletten mit Red-Bull-Dosen. Die Menge wurden an einem fest ausgemachten Ort innerhalb des Lagers abgestellt, die dann von einem weiteren Lkw-Fahrer abgeholt und zu einer Privatgarage transportiert wurde. Ein dritter Lkw-Fahrer kaufte die Palette samt Dosen – Wert 1800 Euro – dann für jeweils 500 Euro ab und verkaufte sie selbst wiederum für 800 Euro an den 48-jährigen Angeklagten. Die beiden involvierten Mitarbeiter des Auslieferungslagers wurden für ihre Hilfe bei der Bereitstellung der Getränke bezahlt.

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Dieser Ablauf ging insgesamt fünf Mal gut, doch beim sechsten Versuch lief nicht mehr alls nach Plan. Zwei unbeteiligte Mitarbeiter des Logistikzentrums schöpften Verdacht. Als die Paletten abgeholt werden sollten war die Lkw-Ausfahrt geschlossen und der versuchte Diebstahl flog auf.

Rechtsgespräch verhindert zwei Verhandlungstage

Die sechs Verteidiger, die Staatsanwältin und das Schöffengericht hielten zwei bis zu fast einer Stunde lange Rechtsgespräche, um das Verfahren, für das zwei Verhandlungstage angesetzt waren, zu beschleunigen. Deshalb blieben weitere Hintergründe zu der Tat vor Gericht unbeantwortet. Die finanzielle Motivation war aufgrund des geringen Gewinns wenig lukrativ. Außerdem verdienten die Angeklagten nicht gerade schlecht – die Nettogehälter beliefen sie zwischen 1700 und 2500 Euro.

Wegen der Rechtsgespräche wurde auch nicht bekannt, was der Käufer der Paletten mit den tausenden Getränkedosen weiter vor hatte. Das Verfahren gegen diesen 48-jährigen Angeklagten (Verteidiger Felix Dimpfl) wurde gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 700 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung vorläufig eingestellt.

Bis zu 22 Monate Bewährungsstrafe für schweren Bandendiebstahl

Die weiteren fünf Angeklagten erhielten Freiheitsstrafen zwischen zehn und 22 Monaten, die jeweils zur Bewährung ausgesetzt sind. Hintergrund der Taten sei laut eines Anwalts wohl die verführerische wirtschaftliche Situation gewesen. Außerdem müssen sie Geldauflagen zwischen 2000 und 3500 Euro bezahlen. Richter Thomas Müller-Froehlich berücksichtigte dabei das Geständnis zugunsten der Angeklagten. Er sagte aber auch: „Der Schaden ist nicht unerheblich; er ist aber auch nicht im oberen Rahmen.“

Zudem wurde die Einziehung von Wertersatz bezüglich drei der Angeklagten in Höhe von 2448 Euro und die Einziehung von Wertersatz von weiteren 3264 Euro bezüglich zwei der Angeklagten als Gesamtschuldner angeordnet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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