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Bundeswehrflugzeug

29.03.2019

Der A400M ist am Lechfeld schon im Anflug

Die Start- und Landebahn muss am Fliegerhorst Lechfeld verbreitert werden. Das ist nur ein Teil der nötigen Baumaßnahmen für den Ausbau zur Airbus-Basis des A400M.
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Die Start- und Landebahn muss am Fliegerhorst Lechfeld verbreitert werden. Das ist nur ein Teil der nötigen Baumaßnahmen für den Ausbau zur Airbus-Basis des A400M.
Bild: Holger Hollemann, dpa

Plus Die Luftwaffe erklärt, warum der Flugplatz am Lechfeld bis zu 18 Stunden am Tag offen sein wird und wann es auch Nachtflüge des Airbus A400M geben kann.

Bis das erste Transportflugzeug vom Typ A400M auf dem Fliegerhorst Lechfeld stationiert wird, vergehen noch sechs Jahre. Doch schon jetzt landen und starten hier immer wieder neue Maschinen dieses Militär-Airbus. Teils im Rahmen von Transportaufgaben der Bundeswehr, teils zur sogenannten Einsatzerprobung, bei der die neuen Flugzeuge ihre Eignung in der Praxis nachweisen müssen. Weit mehr Flüge werden es freilich ab 2025 sein, wenn der Flugplatz Lechfeld zur Drehscheibe für Transporte in den Süden und Osten Europas sowie nach Afrika und Asien wird. Dann sind auch Starts und Landungen an Wochenenden und nachts möglich.

Zehn von 53 Transporter kommen auf den Lechfeld-Flugplatz

Schon jetzt gibt es fünf Stellplätze für den neuen A400M auf dem Flugplatz Lechfeld. Rein rechnerisch fehlen also noch fünf weitere, um den letzten zehn der insgesamt 53 bestellten Transportflugzeuge der Luftwaffe eine Heimatbasis geben zu können. Um damit auf dem 20 Quadratkilometer großen Gelände zugleich eine „Multinational Air Transport Unit“ (MNAU) fest zu stationieren und zu betreiben, ist es freilich noch ein weiter Weg.

Bei den Vorbereitungen geht es derzeit unter anderem um Sondierungsgespräche vor allem mit osteuropäischen Partnerländern, die sich an der multinationalen Einheit beteiligen und die Luftwaffen-Maschinen für ihre Transporte nutzen wollen. Über den Verhandlungstisch hinaus gibt es laut Informationen unserer Zeitung bereits eine enge Kooperation mit Österreich. So setzten A400M der Bundeswehr wiederholt Soldaten und Material deutscher Gebirgsjäger in Salzburg ab, um ihnen weitere Transportwege zu ersparen. Das österreichische Bundesheer leistete dabei Unterstützung. Auch der Regionalflughafen Allgäu in Memmingerberg wurde vom A400M genutzt – und inzwischen eben auch der Platz am Lechfeld. Dass die Starts und Landungen bei Lagerlechfeld kaum auffielen, zeigt, wie leise die A400M einschweben und starten kann.

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Airbus A400M: Können die Lärmschutzzonen verkleinert werden?

Der zu erwartende Fluglärm war auch Thema bei dem Treffen der Bundeswehr mit Lechfeld-Bürgermeistern in dieser Woche. Dabei waren die bereits existierenden und seit dem Abzug der lärmintensiven Tornado-Jagdbomber unveränderten Lärmschutzzonen von besonderem Interesse. Der Initiator der Runde, der heimische Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz, sagte danach: „Weil die modernen Triebwerke des A400M in einem für das menschliche Ohr erträglicheren Frequenzbereich operieren, wird überprüft, ob die Lärmschutzzonen rund um den Fliegerhorst verkleinert werden können.“ Dies käme den Bürgermeistern sehr gelegen, weil diese Zonen die Ausweisung von Wohnbauland bislang beeinträchtigen. „Wir möchten einmal den Lärm eines A400M über dem Flugplatz hören“, forderte ein Bürgermeister, nicht ahnend, dass der Transporter regelmäßig das Lechfeld anfliegt und dabei offensichtlich schlichtweg überhört wird.

Der A400M ist das leisere Nachfolgemodell der C-160 Transall, die bis Ende 2017 bei Penzing stationiert war. Der Penzinger Bürgermeister Johannes Erhard bestätigte unserer Zeitung, dass schon die Transall kein allzugroßes Lärmproblem darstellte: „Insgesamt waren sie sehr erträglich. Wenn Piloten hier Platzrunden flogen, landeten und durchstarteten, nervte das allerdings schon manchmal. Doch Ausbildung und Übung muss halt sein.“ Auch habe es gelegentlich Starts zu nächtlicher Stunde gegeben, wenn Einsätze in Übersee dies erforderten. Doch seien diese kaum aufgefallen.

Oberst Dirk Niedermeier, Standortältester der Bundeswehr in der Region Augsburg, verschweigt nicht, dass die Bundeswehr am Lechfeld mit bis zu 90 Wochenstunden Platzöffnungszeit kalkuliert. Das bedeute auch eine Bereitschaft in den Abend- und frühen Morgenstunden. Die Flugzeuge sollen je 500 Stunden pro Jahr betrieben werden. „Aber anders als bei den Jets ist das Wesen der Transportfliegerei, dass der A400M hier startet und oft erst Tage später wieder zurückkommt“, so der Luftwaffen-Oberst. Mit Tornados oder Eurofightern sei das Fluglärmaufkommen nicht vergleichbar.

Regelmäßig Bereitschaft am Flugplatz am Wochenende

Auf Nachfrage bestätigte die Bundeswehr, dass der Flugplatz ab 2025 regelmäßig auch an Wochenenden offen bleiben werde. Allerdings im Wechsel mit anderen Transportflugplätzen, insbesondere mit dem Fliegerhorst Wunstorf bei Hannover – der deutschen Hauptbasis des A400M. Ein Bereitschaftsdienst zu nächtlicher Stunde und an Wochenenden sei nötig, weil es in den Einsatzgebieten keine Ruhezeit gebe und die aktuelle Lage dort jederzeit Hin- oder Rückflüge erfordern kann. An Wochenenden gelte dies insbesondere für Transporte in medizinischen Notfällen.

Heinz Liebert, stellvertretender Landrat im Augsburger Land, sieht in der internationalen Transporteinheit eine Chance und eine Aufgabe für die Gemeinden am Lechfeld: „Investitionen von 170 Millionen in die Region winken, aber es ist auch eine Verpflichtung für die Kommunen, Wohnraum für 500 Beschäftigte und ihre Familien zu schaffen“.

Das Lechfeld zu einer internationalen Drehscheibe zu machen, hält Oberstleutnant Jürgen Rüb, Chef der Flugplatzstaffel Lechfeld, für eine „perfekte Entscheidung“. Fast drei Kilometer Startbahn auf dem fast acht mal drei Kilometer großen Bundeswehrgelände, viel Platz für zusätzliche Flugbetriebsflächen und ein großes Munitionslager böten gute Voraussetzungen für den A400M: „Wir liegen im Dreieck München, Augsburg und Landsberg, sind vierspurig angebunden, haben einen Nato-Pipeline-Anschluss mit großen Tanklagern, sowie Gleisanschluss mit 1,5 Kilometer eigenen Schienen und einen Bahnhof direkt vor der Hauptwache“, sagt Rüb. Auch das Logistik-Kommando (Nato Joint Support and Enabling Command), das bald in Ulm aufgestellt werden soll, dürfte von der Stationierung des A400M in seiner Nähe profitieren. „Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben und erfahren große Unterstützung aus den Gemeinden“ berichtet der frühere Tornado-Pilot „Chuck“ Rüb.

02.01.2019, Niedersachsen, Wunstorf: A400M des Lufttransportgeschwader 62 stehen auf dem Vorfeld des Flugplatzes. Foto: Holger Hollemann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Geschichte, Zahlen, Pannen: Das ist der Transport-Flieger A400M
Bild: Holger Hollemann

Freilich müssen noch erhebliche infrastrukturelle Anpassungen erfolgen, bis im Jahr 2025 die ersten Maschinen auf dem Lechfeld dauerhaft ihren Platz haben werden. Mit rund 170 Millionen Euro Investitionsvolumen zählt der Lechfeld-Flugplatz bereits zu den größten Projekten des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr.

Geplant ist ein Abschluss der Baumaßnahmen bis zum Jahr 2028, weil dann die volle Einsatzbereitschaft der multinationalen Transporteinheit hergestellt sein soll.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Jede Piste wird getestet

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