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Schwabmünchen

09.10.2019

Ein Kabarettist im zerrissenen T-Shirt

Die Lieder und Geschichten, die Roland Hefter im Germar's präsentierte, trafen den Nerv der Zuhörer und weckte bei vielen ähnliche Erinnerungen.
Bild: Uwe Bolten

Der Münchner Liedermacher Roland Hefter belegt seinen hohen Stellenwert in der Unterhaltungsszene. Welche Ambitionen er für die Zukunft hat.

Die schwarze Lederjacke fast geschlossen, den Gitarrenkoffer in der Hand, betrat Roland Hefter den Gastraum. Nicht die Bühne war sein erstes Ziel, obwohl der Soundcheck noch anstand. „Ich habe gerade auf der Wiesn gespielt. Das war schon heftig. Die Verrückten haben dort mein T-Shirt zerrissen, bloß weil es beim AC/DC -Titel richtig abgegangen ist. Habt ihr für mich was anzuziehen?“, fragte Hefter beim Personal nach, nachdem er die jetzt offene Jacke, unter der die Kleiderfetzen zu sehen waren, wieder geschlossen hatte.

„Kunst kann nicht immer angenehm sein“

Die Situation passte treffend zu einem Ausspruch, den der Liedermacher und Musik-Kabarettist einst in der Kultserie „München 7“ getätigt hatte: „Kunst kann nicht immer angenehm sein.“

Diese Begebenheit aus dem wahren Leben war genauso authentisch wie die Geschichten aus seinem über zweistündigen Programm, das die Gäste im voll besetzten „Germar’s Best Burger and Pizza“ erlebten.

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Im schwarzen T-Shirt der Bedienungen der Germar’s präsentierte der bekennende 1860er Fan Lebensweisheiten, die jedem irgendwie bekannt vorkamen, so der angeschlagene Zeh an der Türkante „wenn ich mich mal wieder spüren mag“, seine Gefühle beim Nackt-Schwimmen, die anders seien als in der Badewanne oder die Eindrücke und Gedanken, die entstehen, wenn man zum ersten Mal Hundekot händisch mit einem Beutel aufsammelt.

Die Titel seiner Lieder, die immer wieder von neuen Geschichten unterbrochen wurden, waren ein Sammelsurium täglicher Aussprüche. „Des werd scho no“, „Des is doch jedem scho passiert“ oder Die Zeiten san vorbei“ spiegeln den Grundtenor der Stücke, aber nicht die geniale Vielfalt der wiedergegeben Erlebnisse wieder.

Hefter erzählt vom täglichen Wahnsinn

Hefter erschien ehrlich, erzählte vom täglichen Wahnsinn, ohne den bei vielen Künstlerkollegen immerwährenden sendungsbewussten Zeigefinger zu heben. „Ich will kein Oberlehrer sein, ich möchte den Menschen auf Augenhöhe begegnen, und sie zum Nachdenken anregen“, sagte Hefter unserer Zeitung vor dem Auftritt und bestätigte, dass er sich nicht scheue, sich mit Vertretern politischer Extrem-Lager auseinanderzusetzen, um mit Argumenten Denkprozesse auszulösen.

Wenn auch manche Situation, wie die störende Mutter bei einem Rendezvous oder zurückspritzende Flüssigkeiten auf mit senkrechten Metallplatten versehenen Urinalen etwas überspitzt wirkten, bewiesen die Reaktion aus dem Publikum den Wahrheitsgehalt des selbst erlebten.

Obwohl Hefter ein politisch engagierter Mensch ist, er bewirbt sich im kommenden Frühjahr als SPD-Mitglied um einen Sitz im Münchner Stadtrat, verarbeitete er dies nicht plakativ. Seine Lieder und Geschichten bearbeiteten hauptsächlich vergangenes und trafen damit den Nerv der heftig applaudierenden Gäste.

Trotz eines langen Tages auf der Bühne brach die Spielfreude nicht ab, wenn auch eine leichte Müdigkeit im Laufe des Auftritts spürbar wurde. Die vom Publikum geforderten Zugaben spielte er, weil er es so wollte. Nach mehr als zwei Stunden Programm verließ Hefter unter kräftigem Beifall die Bühne. Wer ihn bis dahin noch nicht erlebt hatte, verstand die Beschreibung auf seiner Internetseite: „Er trifft immer den Punkt und hält stets die Balance zwischen Selbstironie, Witz, Blödsinn und dem ernsten Kern. Weil er genau die richtigen Worte findet, die uns allen manchmal fehlen.“

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09.10.2019

Der Abend mit Roland Hefter war super unterhaltsam. Er ist ein Künstler, der am Boden geblieben ist.

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