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Erinnerung

19.11.2018

Erster Weltkrieg: In die Hölle und zurück

In erster Reihe eröffneten Noah Bauer, Cornelia Bickel und Schulleiter Alexander Pfaffendorf die Ausstellung. Die Lehrkräfte (von links) Siegrid Mehler, Iris Bressau, Frank Schweizer und Mathias Donat freuten sich auf den Moment.
Bild: Uwe Bolten

Schüler aus drei Nationen arbeiten gemeinsam an einer Ausstellung. Sie ist ab Anfang Dezember im Schwabmünchner Gymnasium zu sehen

Die verbreitete Meinung aller Beteiligten in dieser grausamen Zeit war eindeutig: Es ist ein Verteidigungskrieg. Am 11. November 1918 endete die Zeit, die als Erster Weltkrieg in die Geschichte einging. Mit dieser Beschreibung begann Alexander Pfaffendorf, Schulleiter des Leonhard-Wagner-Gymnasiums, seine Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung „To Hell and Hack – in die Hölle und zurück“ in seinem Hause.

An dem Ergebnis des über einen Zeitraum von insgesamt zwei Jahren laufenden, internationalen Schulprojekts des EU-Förderprogramms „Erasmus+“, haben neben den Schülern des französischen Collèges Henri Wallon in Savigny-Le-Temple (bei Paris) und des italienischen Istituto Europeo Studi Superiori in Reggio Emilia auch Schüler des Leonhard-Wagner-Gymnasiums in Schwabmünchen teilgenommen (wir berichteten). Insgesamt etwa 45 Schüler aus den drei Schulen haben sich intensiv mit dem Thema „Erster Weltkrieg“ auseinandergesetzt und legten dabei den Fokus insbesondere auf den Menschen und deren Einstellung zum Krieg, auf die Wahrnehmung zu Beginn und zum Ende des Kriegs sowie auf das Alltagsleben an der Front und in der Heimat.

Als weiterer Schwerpunkt wurde der erste massenhafte Einsatz chemischer Kampfstoffe in einem europäischen Krieg in Europa bearbeitet.

„Gerade die unterschiedlichen Sichtweisen in den Ländern hinsichtlich der Urheberfrage für diesen Krieg und die damit verbundene Stimmung in den beteiligten Ländern haben für die Schüler beeindruckende Gespräche im internationalen Rahmen mit sich geführt“, wertete Pfaffendorf als pädagogisch sehr wertvoll und dankte allen beteiligten Lehrkräften für ihr Engagement.

Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit, das in allen drei teilnehmenden Schulen zeitgleich zu sehen ist, beeindruckt beim ersten Rundgang. Auf mehr als 30 Tafeln sind die Ergebnisse zusammengefasst, die vom Wahlkurs, aus Schülern der neunten und zehnten Klassen bestehend, zusammengetragen wurden. Ergänzt wurden die Tafeln mit einer chronologischen Zusammenfassung der Ereignisse durch Schüler der Oberstufe, die sich in ihrem P-Seminar mit historischen Hintergründen von Computerspielen beschäftigen. „Mir schien es sinnvoll, deren Kenntnisse mit zu integrieren“, sagte Seminarleiter Frank Schweizer, der zugleich auch als Schulkoordinator für das „Erasmus+“-Projekt fungierte. In seiner Eröffnungsrede ließ er plastisch durch Original-Tondokumente sowie die Lesebeiträge mitarbeitender Schüler die Stimmungen und Ereignisse vor 100 Jahren vor dem inneren Auge vorbeigleiten. „Um erahnen zu können, warum in ganz Europa 70 Millionen Menschen unter Waffen standen und 17 Millionen Menschen ihr Leben verloren, ist das Wissen um die Umstände der Zeit unabdingbar“, sagte er.

Bezirksheimatpfleger Peter Fassl zeigte sich ebenfalls beeindruckt von der Arbeit der Schüler. „Erinnerungen bilden nicht ab wie ein Foto, sie sind eher gestaltende Maßnahmen der Geschichte“, sagte er in seiner Eröffnungsrede, in der nicht die große Geschichte, sondern die einfache Betrachtung der Lebensbedingungen stand. „Die Toten und Verwundeten auf den Schlachtfeldern berührten nahezu alle Familien und Orte“, stellte er fest und untermauerte diese Aussage mit der Zahl von 200000 Gefallenen und 435000 Versehrten bayerischer Herkunft.

„Wie weit darf ein Wissenschaftler gehen?“, war die wohl rhetorische Frage von Chemie-Lehrerin Iris Bressau an die Anwesenden, nachdem sie die physischen und psychischen Auswirkungen des Giftgaskrieges auf die Soldaten beleuchtete. „Der deutsche Chemiker Fritz Haber, Nobelpreisträger für seine Ammoniaksynthese und damit Vater des Kunstdüngers, hat ebenso durch seine Versuche mit den Giftgasen Phosgen und Chlorgas diese Kriegsführung optimiert“, trug sie nachdenklich vor.

Zwei am Projekt mitwirkende Schüler eröffneten im Anschluss der Feierstunde gemeinsam mit Schulleiter Alexander Pfaffendorf sowie dem Koordinator Frank Schweizer und den durchführenden Lehrern Iris Bressau, Siegrid Mehler und Matthias Donat, die Ausstellung im Foyer des Gymnasiums. Vorerst ist die Schau nur Schülern zugänglich.

ist die Schau immer dienstags von 15 bis 16.30 Uhr für die Öffentlichkeit zu sehen. Kontakt zu Frank Schweizer, der auch Führungen, durchgeführt von Schülern organisiert, kann unter der E-Mail-Adresse frank.schweizer@lwg-smue.de aufgenommen werden.

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