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02.11.2009

Erstmals: Ein Zeitplan für die Straßenbahn

Königsbrunn Im Oktober 2015 könnte die Straßenbahnlinie 3 aus dem Zentrum Augsburgs heraus erstmals über die bisherige Endhaltestelle Haunstetten Inninger Straße hinaus bis zur Haltestelle Königsbrunn Zentrum fahren. Das zumindest skizzieren Norbert Walter und Dr. Arno Ruile, die Chefs der Verkehrs-GmbH der Stadtwerke Augsburg in einem Brief an Königsbrunns Bürgermeister Ludwig Fröhlich (siehe Info-Kasten).

Dass sie jetzt so konkret werden, hängt wesentlich mit einer Zahl zusammen: 6,6. Diesen "Kosten-Nutzen-Indikator" hat das Ingenieurbüro Spiekermann in Düsseldorf als Ergebnis einer sogenannten standardisierten Bewertung errechnet, die wichtige Voraussetzung für Fördergelder ist. Der Indikator stellt Aufwendungen und gesamtwirtschaftlichen Nutzen gegenüber. Das Ergebnis 6,6 nennen die Ingenieure "außergewöhnlich hoch".

Bürgermeister Ludwig Fröhlich spricht von "sehr günstig". Er lässt die Studie derzeit nochmals gegenrechnen, um hier keine unliebsamen Überraschungen zu erleben.

Zwei Drittel der Investitionen finanziert der Staat

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Büro Spiekermann benennt auch die Investitionskosten für die Verlängerung der Linie 3: 23,8 Millionen Euro netto, zuzüglich Planungskosten. Gemäß dem Grundsatz "Stadtgrenze ist Zahlgrenze" müsste davon Augsburg 6,1 Millionen tragen, Königsbrunn 17,6 Millionen. Davon würden etwa zwei Drittel nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) als staatliche Förderung fließen.

Doch für Fröhlich sind zwei weitere Zahlen mindestens ebenso wichtig - und die kennt er bisher noch nicht. Die Stadtwerke Augsburg lassen sie im Rahmen einer "Folgekostenrechnung" ermitteln. Die sollen wohl noch im November vorliegen und die Betriebskosten sowie das zu erwartende Defizit ausweisen. Das ist der Betrag, den die Einnahmen aus Fahrkarten nicht abdecken, den also die Partner Jahr für Jahr zum Betrieb zuschießen müssten. Hier steht die Zahl von einer Million Euro im Raum. Bald wird man es genauer wissen.

Das Betriebskostendefizit kann Königsbrunn nicht allein tragen

Für Bürgermeister Fröhlich ist klar, dass Königsbrunn dieses Defizit nicht alleine schultern kann. Das würde den Spielraum der Stadt für Investitionen langfristig drastisch beschneiden. Er sieht hier auch die Stadtwerke Augsburg sowie den Landkreis, mithin den Augsburger Verkehrsverbund, in der Pflicht.

Schließlich würden durch die Verlängerung der Linie 3 Buslinien wegfallen und somit Zuschüsse eingespart. "Wir haben in den Landkreisgremien immer wieder angesprochen: Da kommt was auf euch zu!", betont Fröhlich.

Er nennt die Verlängerung der Linie 3 "eine ganz wichtige Entwicklungstrasse" für die Region, das Projekt "eine der wichtigsten Umweltmaßnahmen für den Raum südlich von Augsburg". Damit wirft Fröhlich schon wichtige Argumente in die Debatte, die in den nächsten Wochen über Wohl und Wehe des Straßenbahnprojekts entscheiden wird. Denn Fröhlich merkt auch an: "Das ist der Schlüssel. Wenn das nicht gelöst wird, ..."

Andererseits sieht das Stadtoberhaupt auch die Chance, die sich jetzt bietet. Denn angesichts des öffentlichen Schuldenbergs steht zu vermuten, dass staatliche Förderung nach 2019, wenn das GVFG ausläuft, nicht mehr so üppig ausfällt. "Diese Chance jetzt nicht aufzugreifen, wäre eine Sünde", sinniert Fröhlich. Und er macht auch deutlich, dass dies Auswirkungen auf andere Projekte der Stadt haben wird: "Aber das ist eine einmalige Chance, ein Kulturhaus kann ich immer bauen."

Grüne fordern rasches Handeln

Aus dem Königsbrunner Stadtrat haben sich die Grünen zu Wort gemeldet, die seit vielen Jahren für die Straßenbahn nach Königsbrunn trommeln. "Sensationell" nennt ihr Fraktionssprecher Alwin Jung den Kosten-Nutzen-Indikator von 6,6: "Dieser hohe Wert ist eine schöne Überraschung und wird dem Projekt neuen Schwung geben." Er weist aber darauf hin, dass neue Regelungen schon 2014 zu einem Rückzug des Bundes aus der Nahverkehrs-Förderung führen könnten, und fordert: "Verhandlungen müssen umgehend aufgenommen werden." "Randbemerkung

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