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Tierschutz

26.05.2015

Eule, Milan und Pirol geraten in die Windräder

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2 Bilder
Hier durchfliegt ein Milan den Bereich der kreisenden Windradflügel.

Seit Wochen beobachten Anwohner Flüge besonderer Vögel. Nun gibt es erste Schlagopfer durch die Rotoren

Die Gegner der beiden Windenergieanlagen in Lamerdingen, unmittelbar an der Grenze zu den Langerringer Ortsteilen Schwabaich und Falkenberg, sehen sich durch Funde von toten Vögeln in ihren Zweifeln an der erteilten Genehmigung für die Anlagen bestätigt. Jüngst habe ein Spaziergänger auf dem Flurweg etwa 300 Meter nördlich eines der Windräder eine tote Waldohreule mit gebrochenem Flügel gefunden. Nur wenige Meter davon sei das Fragment einer Rotmilanschwinge entdeckt worden. Zwei Tage später fand der 30-jährige Hiltenfinger Benjamin Menzel einen toten Pirol unweit dieser Stelle und verständigte die Gemeinde Langerringen. Nach erster Begutachtung durch den Tierarzt Dr. Manfred Kleint aus Ettringen wies die tote Waldohreule an Kopf und Flügel Anzeichen durch einen Schlag von oben auf. Die toten Vögel wurden auf Anordnung des Landratsamtes Ostallgäu zum Landesuntersuchungsamt Oberschleißheim gebracht. Nach Auskunft der Pressestelle des Landratsamtes liegen noch keine Untersuchungsergebnisse vor, ob eine Kollision mit den Windrädern todesursächlich war und ob das Fragment der Schwinge tatsächlich von einem Rotmilan stammt.

Rotmilane sind auf der „Roten Liste gefährdeter Brutvögel Bayerns“ als stark gefährdet eingestuft. Waldohreule und Pirol stehen auf der Vorwarnliste. Bereits seit mehreren Wochen beobachten Anwohner und Vogelschützer, dass zwei Milanhorste in den Baumwipfeln, etwas mehr als 1000 Meter von den beiden Windrädern entfernt, regelmäßig angeflogen werden. Offenbar sind diese Horste bebrütet und die Milaneltern durchqueren auf der Futtersuche den Luftraum der beiden Windräder. Der Ornithologe Reimut Kayser hat bereits vor der Inbetriebnahme der Windenergieanlagen vor der Gefährdung der Milane durch die Rotation der Windräder gewarnt.

Das Landratsamt Ostallgäu stützte sich bei der Genehmigung der beiden Windenergieanlagen auf das Gutachten eines Ingenieurbüros aus Ulm, in dem ein erhöhtes Tötungsrisiko geschützter Vogelarten verneint wurde. Zweifel an diesem Gutachten hatten nicht nur Anwohner und Reimut Kayser, sondern auch der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Dessen Bezirksgeschäftsstelle Schwaben hat in einer Stellungnahme bereits 2012 auf eine hohe ornithologische Wertigkeit des Gebiets hingewiesen und sich nach erteilter Genehmigung 2014 an die Höhere Naturschutzbehörde Regierung von Schwaben gewandt. In diesem Schreiben stand: „Das Landratsamt Ostallgäu hat einen Genehmigungsbescheid zum Bau einer Windkraftanlage erlassen, obwohl nach unserem Verständnis die eingereichten Fachgutachten rechtlich als auch fachlich fehlerhaft sind.“

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Darum verwundert es die betroffenen Anwohner sehr, dass der LBV bis heute noch keine Klage gegen diese Genehmigung angestrengt hat. Das Verwaltungsgericht hat bei der Abweisung einer Klage der Nachbarn lediglich festgestellt, dass diese für den Naturschutz nicht klageberechtigt sind. Anfragen der Gemeinde Langerringen und unserer Zeitung wurden von der Bezirksgeschäftsstelle Schwaben des LBV nicht beantwortet.

Die Landrätin des Ostallgäus, Maria Rita Zinnecker, versicherte den beschwerdeführenden Anwohnern schriftlich, dass der Artenschutz bei der Genehmigung umfassend gewürdigt worden sei, kündigte aber weitere Kartierungen in diesem Jahr an zur Feststellung, ob sich das Tötungsrisiko in signifikanter Weise erhöht hat.

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