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Tag der Fische

22.08.2014

Fischereivereine machen auf bedrohte Fischarten aufmerksam

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6 Bilder
Vorsitzender Günter Oßwald (links) und Gerätewart Otto Schimmer an den Zuchtteichen. Rund 500 Forellenw erden in dem Teich aufgezogen. Linsenalgen haben das Wasser erstmals in der Vereingsgeschichte getrübt.
Bild: Matthias Schalla

Der Aktionstag soll auf bedrohte Bestände aufmerksam machen. Auch in Bobingen setzt man seit nunmehr fast einem halben Jahrhundert auf Nachhaltigkeit.

Das Problem ist unsichtbar und lautlos. „Der Fisch verschwindet aus dem Wasser, ohne das es jemand mitbekommt“, warnt Günter Oßwald, Vorsitzender des Bobinger Fischereivereins. Knapp 1,3 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte landeten vor drei Jahren in Deutschland auf dem Teller. Nicht ganz so viel Fische wurden zwar nach Auskunft des Fisch-Informationszentrums im vergangenen Jahr verzehrt. Doch dies hat noch lange nicht zu einer Entspannung der Bestände geführt. Am heutigen Freitag wird daher wieder der bundesweite Aktionstag „Tag der Fische“ gefeiert.

Tag der Fische soll auf bedrohter Fischarten aufmerksam machen

Mit dem Aktionstag sollen in ihrem Bestand bedrohte Fischarten sowie deren Schutz vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden. Das Thema Nachhaltigkeit und Bestandschutz ist aber auch seit vielen Jahren Thema bei den örtlichen Fischereivereinen. Auch in Bobingen kümmern sich nun schon seit fast 50 Jahren die 240 Mitglieder um den Erhalt der verschiedenen Arten.

Stark gefährdet ist in den heimischen Gewässern beispielsweise die Nase: Ein Fisch, der zur Familie der Karpfen gehört. Grund dafür ist, dass Fließgewässer immer mehr bebaut und gestaut werden. Natürliche Laichplätze werden somit zerstört und Laichwanderungen verhindert. „Die hat wiederum Auswirkungen auf die Bachforelle und auch auf andere Fische wie den Huchen, dem ohne die Nase ein wichtiger Futterfisch fehlt“, erklärt Oßwald.

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Bestandspflege und Aufzucht sind daher mit die Hauptaufgaben der Vereine. Nur so kann der Fisch ohne Bedenken verzehrt werden. Und dafür nehmen die Bobinger Petrijünger jedes Jahr einige tausend Euro in die Hand. „In unseren beiden Zuchtteichen haben wir rund 800 Regenbogenforellen“, sagt Oßwald. Diese werden bei einem Händler „zweisömmrig“ gekauft, also im Alter von zwei Jahren. Nach einem Jahr werden die Fische ausgesetzt. Doch bis es soweit ist, wartet jede Menge Arbeit auf die Vereinsmitglieder.

Schutz der Fischarten ist für Bobinger Fischereiverein oberste Priorität

„Wir müssen die Teiche regelmäßig mit Sauerstoff belüften und auch auf die richtige Temperatur achten“, sagt Gerätewart Otto Schimmer, der täglich mehrere Stunden auf der idyllischen Anlage in der Flurstraße vor Ort ist. Wird das Wasser zu warm, bilden sich Linsenalgen. Dem Wasser wird somit Sauerstoff entzogen. Doch auch die Fische verbrauchen beim Fressen Sauerstoff. „Ist der Gehalt dann zu gering, leiden sie an Stress“, erklärt Oßwald.

Einen anderen Weg zur Aufzucht geht der Verein bei den Bachforellen. „Hier werden vorgebrütete Eiter in Brutboxen in die Singold gelegt“, sagt Oßwald. Dort leben sie zunächst in geschützten Kammern. „Nach etwa vier Wochen hat der Fisch seinen Dottersack aufgezehrt und gelangt durch die engen Spalten ins freie Wasser“, erklärt Oßwald.

Auf möglichst wenig Stress für die Tiere wird auch beim Angeln und Schlachten geachtet. „Die Beute wird sofort betäubt, wenn sie an Land gezogen wurde“, beschreibt Oßwald die Schritte. Danach wird der Fisch mit einem Stich ins Herz „waidgerecht getötet“. Grundsätzlich gelte für die Regenbogenforelle in Schonmaß von 26 Zentimetern. Der Fischereiverein Bobingen hat jedoch von sich aus das Maß auf 30 Zentimeter erhöht.

Sommerfest: Fischereiverein verkauft über 300 Fische aus eigener Zucht

Ist der Fang erlegt, beginnt die eigentliche Arbeit – das Filetieren. Der Lohn für die Mühe sind rosarote Filets. Beliebt bei vielen Vereinsmitgliedern ist aber auch das Räuchern. Hier wird der ausgenommene Fisch über Nacht in Salzlake und Gewürzen eingelegt, um dann im Ofen über Buchenholzspänen bei Temperaturen zwischen 60 und 80 Grad zu garen. Knapp 300 Fische gehen dann schon einmal zu Ostern, beim Sommerfest oder an Weihnachten über die Theke. „Nur bei solchen Anlässen verkaufen wir die Fische auch an Nichtmitglieder“, sagt Oßwald.

Eine gute Gelegenheit, um sich ein Bild von der Arbeit und den Aufgaben eines Fischereivereins zu machen, gibt es im kommenden Jahr. Dann wird das 50. Vereinsjubiläum gefeiert. „Und es gibt ein dreitägiges Sommerfest“, verspricht Oßwald. Natürlich mit frisch geräucherten Forellen – aus der eigenen Zucht frisch auf den Tisch.

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