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Königsbrunn

22.08.2018

Jetzt spricht der Jäger, der bei Augsburg zwei Hunde erschoss

Die Entscheidung, die beiden Hunde in Königsbrunn zu erschießen, habe er sich nicht leicht gemacht, sagt der Jäger (nicht im Bild).
Bild: Frank Leonhardt, dpa (Symbolfoto)

Der Jäger, der bei Königsbrunn zwei streunende Hunde erschossen hat, äußert sich zu dem Vorfall. Er sagt, er habe die Tiere regelmäßig beim Jagen gesehen.

Im Fall der beiden erschossenen Hunde in Königsbrunn hat sich nun der Jäger zu Wort gemeldet. Wichtig ist ihm die Feststellung, dass er sich die Entscheidung, die Hunde zu erschießen, keineswegs leicht gemacht hat. Im Gegenteil: Vor den Schüssen am 10. Juli habe er über Monate versucht, die Besitzerin dazu zu bewegen, besser auf ihre Tiere zu achten.

„Ich habe selbst zwei Hunde und viele andere Tiere auf dem Anwesen. Es hat mir weh getan, auf die Hunde zu schießen“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Doch andererseits seien die Hunde immer mehr zu einem Problem im Revier geworden und hätten nicht nur Wildtiere, sondern auch Spaziergänger und Reiter angegangen.

Die Hunde sollen mehrere Kilometer weit herumgestreift sein

Er kenne die Besitzerin, sei sogar entfernt mit dem Partner der Frau verwandt. „Dass die Hunde sich nur ein paar hundert Meter vom Haus der Besitzerin entfernt haben, war vielleicht ganz am Anfang so“, sagt der Jäger. Die Hunde seien fast täglich unbeaufsichtigt herumgestreunt. Immer wieder habe er sie kilometerweit von dem Haus der Besitzerin entfernt angetroffen, teilweise sogar nachts. „Ich habe die Frau mehrfach darauf angesprochen, die Hunde nicht alleine laufen zu lassen“, sagt der Jäger. Dass die Hunde vom Kissinger Tierschutzverein waren, habe er nicht gewusst: „Sonst hätte ich auch die Mitglieder gebeten, auf die Frau einzuwirken.“

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Bei ihren Ausflügen hätten die Tiere das Jagen wieder erlernt. Dadurch, dass die Hunde zu zweit unterwegs gewesen waren, seien sie schnell erfolgreich gewesen. Es häuften sich Funde von gewilderten Hasen und Rehen im Revier: „Bei einem Fall bin ich mir hundertprozentig sicher, dass einer der beiden Hunde von einer getöteten Rehgeiß weggelaufen ist.“ Zudem hätten die Tiere angefangen, Hunde anzugreifen, die mit Spaziergängern und Reitern unterwegs waren, und ihr Jagdrevier zu verteidigen: „Ich habe acht Zeugen benannt, die solche Vorfälle bestätigen können.“

Ein Hund alleine erwischt selten einen Hasen

Er habe grundsätzlich kein Problem damit, wenn Hunde mal nicht auf ihren Besitzer hören und dann ein Wildtier jagen: „So etwas kommt vor. Ein Hund alleine erwischt aber nur selten einen Hasen. Aber bei den beiden hatte das System – einer treibt, einer fängt.“ Er habe die Tiere mehrfach beobachtet. Am Tag des Abschusses habe er gesehen, wie die Hunde eine Rehgeiß in ein Maisfeld jagten, herausgekommen seien sie mit einem Hasen im Maul. „Als sie mich gesehen haben, ließ der eine Hund den Hasen fallen und sie fingen wieder an zu jagen.“ Da habe er die Hunde erschossen. Es sei das erste Mal in 35 Jahren als Jäger gewesen, dass er einen Hund töten musste. Leid tue ihm, dass die Frau dabei war, als er einem Tier den Fangschuss gab: „Ich dachte, sie wären tot. Doch ein Hund hat noch geatmet, war aber nicht mehr zu retten.“

Die Hundebesitzerin und der Kissinger Tierschutzverein hatten erklärt, dass die Tiere nicht gejagt hätten und der Jäger daher nicht hätte schießen dürfen. Sie haben den Mann angezeigt. Die Polizei prüft derzeit die Vorwürfe und vernimmt Zeugen. Die Ermittlungen werden noch einige Zeit dauern.

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23.08.2018

Natürlich klingt diese Version - und ich betone: "Version" - verständlich. Die Art und Weise, wie der Jäger vorgegangen ist, spricht aber von seelischer Grausamkeit gegenüber der Besitzerin und ihrer kleinen Kinder, unabhängig davon, ob der Abschuss rechtens oder nicht war. Selbstverständlich kann der Jäger bei akuter Bedrohung von Wild das Gewehr zücken und mit einem einfachen Warnschuss die Hunde vertreiben. Lassen sie dann nicht ab, kann er sie erschießen. Bevor er diese aber tötet, frage ich mich schon, weshalb im Vorfeld keine Anzeige gegen die Frau vorlag, wenn dies angeblich schon oft vorgekommen ist und er weiß, wem die Tiere gehören. Eine schriftliche Abmahnung wäre auch für ihn auch jetzt von Vorteil gewesen. Es hätte hier also alternative Lösungen gegeben, wenn der Besitzer bekannt ist. Natürlich sind mündliche Erzählungen genauso vage wie seine Stammtisch-Zeugen, aber hier in Königsbrunn existieren da ganz andere "Wahrheiten" und Erfahrungen mit dem Jäger als dieser Rechtfertigungs-Versuch. Ich hoffe sehr, dass eine Gerichtsverhandlung das enorme Leid, welches der Familie zugefügt worden ist (nicht nur die "Sachbeschädigung"/Tötung der Hunde), beachtet und die Situation richtig bewertet. Mein Mitgefühl gilt dennoch auch dem Jäger, der sich mit diesem Entschluss keinen Gefallen getan hat.

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23.08.2018

Meines Erachtens hat der Jäger korrekt gehandelt. Der Hundebesitzer kann so nicht mit seinen Hunden umgehen und den mehrfachen Rat eines Jägers missachten.. Ein Jäger hat die Aufgabe sein Wildbestand vor Wilderer (Hund oder Mensch) zu schützen. Das sollte jedem Hundebesitzer nun bewusst sein.

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