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Landkreis Augsburg

14.07.2020

Körperverletzung und Ecstasy: Junger Mann vor Gericht

Ein Mann aus dem Landkreis stand wegen Ecstasy-Pillen vor Gericht.
Bild: msc pzi cul, dpa

Plus Hatte er wirklich 600 Pillen? Um diese Frage drehte sich eine Verhandlung am Amtsgericht Augsburg. Angeklagt war ein 20-Jähriger.

Verantworten musste sich der junge Mann auch wegen gefährlicher Körperverletzung: Er soll nach einer Party mit anderen Gästen nachts einen Mann mit dem Auto verfolgt und dann auf freiem Feld verprügelt haben – Szenen wie in einem schlechten Film.

Laut Staatsanwaltschaft war der alkoholisierte Mann nachts zu Fuß nach Hause gegangen, nachdem es auf einer Party zu Anfeindungen gekommen war. So hatte es der Mann später gegenüber der Polizei dargestellt. Eine andere Version lieferte der Angeklagte vor Gericht: Es sei zu einem sexuellen Übergriff gekommen. Deshalb sei der Mann geflüchtet. Der Angeklagte und Freunde hätten ihm nachgesetzt und dann angeblich mitten in der Nacht auf freier Flur zur Rede gestellt. Er habe ihm zwei Watschn verpasst und sei dann wieder zurück zu der Schülerin. Später hätten sich dann nochmals Männer auf den Weg gemacht.

Party-Gast nachts auf freiem Feld im Augsburger Land verprügelt

Waren sie es, die den alkoholisierten Partygast verprügelten, dann ins Auto zogen und ihn zurück zur Party brachten? Laut Anklage bekam er auf freiem Feld mehrere Faustschläge ins Gesicht und Fußtritte ab. Von der schmerzvollen Abreibung war am Morgen danach ein Schnitt an der rechten Augenbraue zu sehen.

Körperverletzung und Ecstasy: Junger Mann vor Gericht

Der Verletzte sollte vor Gericht berichten, was sich in der Nacht zugetragen hatte. Doch er erschien nicht, was jetzt ein Ordnungsgeld von 300 Euro nach sich zieht. Auch die Aussage der Schülerin brachte keine Erhellung. Die Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung wurde schließlich fallen gelassen.

Polizei entdeckt bei Durchsuchung noch mehr

Offen blieb aber die Frage nach den Ecstasy-Tabletten. Der Angeklagte sagte, dass er niemals 600 Pillen besessen hatte. Und die 122 hätte er nur für jemanden verwahrt. Tatsächlich fanden Polizeibeamte bei einer Hausdurchsuchung nur die 122 Pillen. Auch Haschisch und eine Drogen-Feinwaage kamen ans Licht. Größere Geldmengen tauchten nicht auf.

Auf die wesentlich höhere Anzahl von Ecstasytabletten waren die Ermittler durch Audionachrichten gekommen, die sich der Angeklagte und eine Frau zuschickt hatten. Die Polizei hatte sie abgefangen und ausgewertet. Einmal schrieb der Angeklagte, dass er „3000 Dinger bekomme“. Ein anderen Mal klärte er über Preisstaffelungen auf. Vor Gericht beteuerte der junge Mann, dass er nur „cool“ sein wollte. Richterin Angela Friehoff hielt ihm entgegen: Wenn jemand ein ernsthaftes Angebot macht, dann sei das Handeltreiben. Rechtsanwalt Stephan Eichhorn, der den Angeklagten verteidigte, sagte in seinem Plädoyer, dass es nicht professionell sei, sich mit 600 oder 3000 Tabletten „aufzublasen“. Anders sah es freilich Staatsanwalt Benjamin Junghans. Er forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.

Deutliche Worte der Richterin

Das Schöffengericht verurteilte den 20-Jährigen schließlich zu zwei Freizeitarresten. Die muss er jetzt an zwei Wochenenden absitzen. Außerdem muss er Beratungsgespräche führen, 800 Euro an die Drogenhilfe überweisen und nachweislich ein Jahr frei von Drogen sein.

Richterin Friehoff kritisierte die Staatsanwaltschaft, dass bei den Ermittlungen Vieles im Unklaren geschwebt habe. Für sie stehe außer Frage, das Handel getrieben wurde. Zum Angeklagten sagte sie in der Urteilsverkündung: „Wir bestrafen ihr verbales Kommunizieren.“ Es sei schon ein Unterschied, ob jemand Tabletten eintütet und dann in Portionen abgibt.

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