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Schwabmünchen

09.05.2020

Kriegserinnerung: Ein Feuerball schockiert den Lausbub

Nach dem Anrgiff auf Schwabmünchen am 4. März 1945: Die Schäden im Stadtzentrum.
Bild: Archiv der Stadt Schwabmünchen

Plus Der spätere Landrat Karl Vogele erlebte in den letzten Kriegswochen, wie Schwabmünchen bombardiert wurde. Die Bilder ließen ihn nie wieder los..

Es war ein traumatisches Erlebnis für den späteren Landrat Karl Vogele: Nach einem verheerenden Bombenangriff am 4. März 1945 stand ein Feuerball über Schwabmünchen. 61 Menschen verloren ihr Leben, der Großteil des Orts war nur noch Schutt und Asche. Vogele, damals fünf Jahre alt und ein Lausbub, erinnert sich: „Unsere Mutter ging mit uns wegen der herannahenden Bomber in den Keller, obwohl uns der im Falle eines Falles uns sicherlich auch nicht geschützt hätte. Als es nach den schrecklichen Geräuschen, die uns viel Angst einjagten, draußen wieder ruhig wurde, gingen wir nach oben. Ich stand am Zaun und sah einen großen Feuerball über Schwabmünchen, der immer größer wurde. Ich fürchtete, dass er auch zu uns kommen würde, und rannte weg. Nach einer großen Suchaktion fand mich meine Mutter dann wieder. Wo, das weiß ich heute nicht mehr.“

Der Vater war nie da

Seine Kindheit in Langerringen bezeichnete er als „einfach, ärmlich, aber schön“ – auch wenn sein Vater Karl Vogele sen. im Krieg und damit weg war. „In Langerringen bekamen wir als Kinder nichts davon mit, außer, dass mein Vater irgendwo kämpfte. Wir hatten keine Ahnung, ob er noch lebte. Doch das waren wir so gewöhnt. Er war ja nie da.“ Dank des Gartens und der fleißigen Mutter, die Schneiderin war, gab es genug zu essen. „Not spürten wir keine. Und auf tolle Kleidung oder Schuhe im Sommer legten wir keinen Wert. Alles war so in Ordnung, wie es war“, erinnert sich Vogele.

Karl Vogele, der frühere Landrat, erinnert sich an seine Kindheit in Langerringen.
Bild: Carmen Janzen

Einmal während des Krieges sei der Vater nach Hause gekommen. Er war 1944 bei Stalingrad verletzt worden. Er kam ins Lazarett und durfte zurück nach Schwabmünchen. „Das war für mich ziemlich ungewohnt“, so Vogele. Doch der Vater musste wieder zurück an die Front.

Als die schwarzen Panzer durchs Dorf rollten

Auch das Kriegsende hat Vogele als solches wohl nicht wahrgenommen. „Alles war wie immer. Für uns hatte sich nichts verändert.“ Wenn nicht die Amerikaner gekommen wären. „Ich weiß noch, dass ich mich schrecklich fürchtete und mir der Atem stockte, als die riesigen schweren Panzer lärmend durch Langerringen rollten. Doch dann erwiesen sich die schwarzen Soldaten als sehr freundlich. Sie schenkten uns Bonbons. Ich bekam eine Banane und eine Orange von ihnen. Früchte, die ich noch nie gesehen hatte. Als wir sie zu Hause aßen, war das eine richtige Feier. Meine Mutter verband diese Geschenke mit dem Kriegsende, wir Kinder mit einem tollen Erlebnis.“

Das nächste Großereignis war für Vogele, der 1946 in die Schule kam, die Heimkehr des Vaters aus zweijähriger Gefangenschaft. In der Normandie war er den Engländern in die Hände gefallen. „Ich seh’ in noch vor mir, wie er im Haus stand, völlig ausgemergelt und in Lumpen gekleidet. Meine kleine Schwester Anna, damals vier Jahre alt, sagte: Mami, wann geht der alte Mann wieder?“

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