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Oberottmarshausen

17.11.2017

„Nicht die Pflichten eines Weltkonzerns übernehmen“

Zwischen der B17 bei Oberottmarshausen und der alten Bundesstraße (im Hintergrund) entsteht ein neues Gewerbegebiet. Das Augsburger Unternehmen Renk will sich dort auf sieben Hektar Grund niederlassen.
Bild: Christian Kruppe (Archiv)

Einige Gemeinderäte sind weiterhin gegen die geplante Ansiedlung von Renk in Oberottmarshausen. Vor allem die Ausgleichsflächen sorgen für Diskussionen im Gremium.

Erste kritische Stimmen gab es gleich zu Beginn der Gemeinderatssitzung in Oberottmarshausen. Eine vernünftige Vorbereitung auf die Sitzung ist so nicht möglich, sagte Gemeinderat Markus Reiter. Was war passiert? Auf der Tagesordnung stand der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet an der B17, der Gemeinderat sollte die eingegangenen Stellungnahmen bezüglich der geplanten Ansiedlung des Antriebsspezialisten Renk aus Augsburg abwägen. Diese Unterlagen erhielten die Räte allerdings erst zu Beginn der Sitzung.

„Es werden keine Arbeitsplätze geschaffen“

Volker Kirtscher vom Ingenieurbüro Arnold Consult in Kissing gab an, dass die Stellungnahmen relativ kurzfristig ausgewertet wurden, da manche erst sehr spät eingetroffen seien. Eine Rückmeldung zum Gewerbegebiet gab es unter anderem vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Die Gemeinde sei eine der waldärmsten Kommunen in ganz Bayern, so der Hinweis. Zudem würden durch das Projekt landwirtschaftliche Fläche verloren gehen. Dies störte auch Markus Reiter, der von einer Flächenverschwendung sprach. Bei der vorgeschlagenen Abstimmung zu diesem Punkt gab es im Gremium längere Diskussionen, da die Begründung mehreren Gemeinderäten nicht schlüssig erschien. Unter anderem Hans-Werner Schmitt und Bernhard Schmitt wiesen darauf hin, dass die Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft und die Schaffung von Arbeitsplätzen nicht richtig sei. Renk plane lediglich die Verlegung von bis zu 30 Arbeitsplätzen von Augsburg nach Oberottmarshausen. Gemeinderat Albert Reiter machte deutlich, dass das rund sieben Hektar große Areal in Oberottmarshausen seit 15 Jahren im Flächennutzungsplan als Gewerbefläche dargestellt werde und jetzt die Umsetzung geplant sei. Bei der Abstimmung positionierten sich drei Gemeinderäte gegen den Beschluss.

Große Diskussionen gab es auch wegen der Stellungnahme des Bayerischen Bauernverbandes. Dieser regte an, eine alternative Ausgleichsfläche zu suchen. Diese solle von Renk und nicht von der Kommune gestellt werden. Die Gemeinde hat in einer vergangenen Sitzung eine etwa 2,7 Hektar große Fläche vorgestellt, die größtenteils im nördlichen Bereich des Handtuchwaldes liegt. Dieses Areal ist im Eigentum der Gemeinde, im Flächennutzungsplan als Ausgleichsfläche ausgewiesen und könnte bis zu 25 Meter hohe Bäume im zentralen Bereich aufweisen. Gemeinderat Markus Reiter zeigte sich mit dieser Regelung nun nicht einverstanden. „Gemeindliche Flächen sind knapp und wir brauchen sie selber als Ausgleichsflächen für kommunale Projekte. Wir sollten nicht die Pflichten eines Weltkonzerns übernehmen und unsere Flächen hergeben. Es fällt keine Fläche vom Himmel.“ Renk müsse also ein anderes, in ihrem Besitz befindliches Gebiet als Ausgleichsfläche hernehmen.

Gemeinde hat genügend Ausgleichsflächen

Susanne Jens sprach sich für eine Ausgleichsfläche vor Ort aus und Bürgermeister Gerhard Mößner widersprach den Bedenken von Markus Reiter. Die Gemeinde könne gar nicht so viel Bauland ausweisen, wie sie Ausgleichsflächen habe. Albert Reiter sagte, dass die vorgesehene Ausgleichsfläche im Gemeindebesitz verbleibe und die Kommune dafür eine finanzielle Entschädigung von Renk erhalte, die „wesentlich höher als auf dem freien Markt“ sei. Bei der Abstimmung sprachen sich drei Gemeinderäte für eine nicht in gemeindlichem Besitz befindliche Ausgleichsfläche aus.

Derzeit keine Rolle spielt aus Sicht des Landratsamtes Augsburg eine mögliche Linksabbiegespur auf der Kreisstraße A30. Das zu erwartende Verkehrsaufkommen sei zu gering, als dass eine solche Spur notwendig wäre. Eine nachträgliche Errichtung sei trotzdem möglich.

Renk will, wie berichtet, bei Oberottmarshausen ein Waren- und Prüfzentrum bauen. Nächstes Jahr soll der Baustart erfolgen, Mitte 2019 soll der Betrieb anlaufen. Bis zu 30 Arbeitsplätze gehen auf Oberottmarshausen über, Renk investiert dort einen zweistelligen Millionenbetrag. Markus Reiter ist mit der Ansiedlung aber alles andere als glücklich. „Wir haben die Möglichkeit, das Projekt zu stoppen“, sagte er im Gemeinderat. Doch das erscheint wenig realistisch, die Mehrheit des Gremiums ist für das Projekt. Derzeit wird ein städtebaulicher Vertrag ausgehandelt. Bürgermeister Mößner erhofft sich für seine Gemeinde durch die Ansiedlung Arbeitsplätze und Gewerbesteuer.

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