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Poledance

10.03.2017

So geht der Tanz an der Stange

Superman nennt sich diese Figur, die Nadine Rebel an der Stange zeigt.
Bild: Bärbel Kypke

Die ungewöhnliche Sportart erfreut sich wachsender Beliebtheit als Trainingsmethode für den ganzen Körper. Doch sie kämpft mit dem Schmuddelimage.

Wer den Hintern nicht hoch bekommt, hat es schwer. Was als allgemeine Lebensweisheit im übertragenen Sinne gilt, für Pole Dancer hat der Satz auch ganz praktisch seine Berechtigung. Denn die Sportart, bei der man an einer vertikalen Stange (englisch: pole) tanzt, erfordert enorm viel Körperbeherrschung und Kraft, um auch schwierigste Übungen grazil und leicht aussehen zu lassen. Davon kann sich im April in Bobingen ein großes Publikum überzeugen: Nadine Rebel vom Studio Crazy-Pole Augsburg organisiert in der Singoldhalle ein Turnier mit Startern aus ganz Deutschland.

Die besten Stangentänzer wirken bei den Übungen fast schwerelos: Sie hängen mit dem Kopf nach unten nur an den Füßen an der Edelstahlstange oder als menschliche Flagge nur an den Händen im 90- Grad-Winkel zur Stange. Um das zu schaffen, braucht es enorme Stabilität und Muskelkraft, vor allem im Rumpf, und viel Training. Und auch der Kopf muss mitspielen: Denn viele Übungen erfordern Überwindung und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten. Zum Beispiel wenn es gilt, die Füße aus dem Stand vom Boden wegzuschwingen und mit den Händen an der Stange zu Boden zu gleiten, oder bei Übungen, wenn man mit dem Kopf nach unten an der Stange hängt.

Manchmal überwiegt die Angst

Grundsätzlich gilt: Jeder Tänzer muss aus sich selbst herauswachsen. „Die letzte Entscheidung, ob er eine Übung machen will, trifft immer der Schüler. Wenn die Angst überwiegt und blockiert, hat das Gründe“, so Rebel. Als Trainerin könne man nur ermutigen, manchmal müsse man aber auch bremsen: „Als Tänzer sieht man in den sozialen Netzwerken oft Übungen von anderen und denkt sich: Das Element will ich auch können.“ Doch auch eine Könnerin trifft mal auf physische Grenzen: „Dann muss man pragmatisch sein und sagen: Bevor ich mich verletze, lasse ich das bleiben.“

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Sie selbst hat die Sportart 2011 für sich entdeckt und sich zur Trainerin ausbilden lassen. Tochter Sophie war ihre erste Schülerin und coacht nun selbst im Studio in Haunstetten. Der Sport nimmt heute die meiste Arbeitszeit von Nadine Rebel ein, die auch noch eine Beratungsagentur für Manager betreibt. Neben der Arbeit im Studio tritt das Team selbst bei Turnieren an und als Showact bei Veranstaltungen auf. Beide schätzen die Möglichkeit, sich auszudrücken, die der Sport bietet. „Jeder kann seinen eigenen Stil entwickeln. Es gibt Grundformen, die jeder für sich interpretieren kann. Was zählt, ist das Gefühl für den Rhythmus der Musik“, sagt Sophie Rebel. Damit unterscheide sich ihr Sport nicht von anderen tänzerischen Formen.

Die Haut gibt Halt

Das öffentliche Bild vom Pole Dance ändert sich aber nur langsam. Denn das Wort „Stangentanz“ verbinden viele Menschen mit Stripklubs und Rotlichtmilieu. Anfangs ließ Nadine Rebel bei Kursstunden die Vordertüre offen, damit sich Passanten davon überzeugen konnten, dass eben nichts Zwielichtiges stattfindet. „Aber es kamen immer wieder Jugendliche herein und riefen ,Ausziehn’ oder ähnliches“, sagt Rebel. Auch sonst erlebt sie es häufiger, dass Menschen die Nase rümpfen, wenn sie vom Pole Dance erzählt. Außer den Wurzeln hat die Sportart aber nichts mehr mit dem Bereich Erotik zu tun. Die Tänzer tragen zwar knappe Kleidung, doch die bleibt an und ist zwingend nötig: „Die Haut gibt Halt an der Stange. Wo Stoff ist, gibt es keinen Halt.“

Wie das aussieht, davon können sich die Zuschauer beim Bobinger Crazy-Pole-Battle am 22. April ein Bild machen. Mit dem speziellen Modus, bei dem zwei Tänzer im Duell gegeneinander antreten, soll das tänzerische Element betont werden. Weiter kommt nämlich nicht derjenige, der möglichst viele akrobatische Höchstschwierigkeiten aneinanderreiht, sondern derjenige, der sein Lied tänzerisch am besten umsetzt. Damit haben auch Nicht-Profis die Chance, weit zu kommen.

Bliebe noch die Sache mit dem Gesäß zu klären. Nadine Rebel macht es vor. Die Hände weit auseinander an die Stange, schon kann es losgehen und dann: „Der obere Arm zieht, der untere drückt gegen die Stange.“ Während sich Nadine und Sophie Rebel grazil vom Boden in die Figur namens Boomerang Hold wegdrücken, bleibt ohne Training die Schwerkraft klarer Sieger. Auch beim Pole Dance sieht bei Profis Schwieriges ganz leicht aus.

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