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Schwabmünchen

07.05.2020

Wird Schwabmünchen bald zur Fahrradstadt?

Wenn der Stadtrat den Empfehlungen des Verkehrsexperten folgt, wird die Schwabmünchner Gartenstraße eine Fahrradstraße.
Bild: Uwe Bolten

Plus Eine Umfrage zeigt: Radler und Fußgänger sind mit der Verkehrssituation in Schwabmünchen unzufrieden. Ein Nahmobilitätskonzept soll das nun ändern.

Weniger Autos, dafür mehr Radfahrer und Fußgänger: Das ist das Ziel des mehr als 200-seitigen Nahmobilitätskonzepts, das Verkehrsplaner Ralf Kaulen dem Schwabmünchner Stadtrat in der jüngsten Sitzung vorgestellt hat.

Das Projekt, dessen Bürgerbeteiligung im März 2018 begann, soll die Stadt hinsichtlich der Verkehrsflüsse und -mittel zukunftssicher machen. Neben der Sachstandsermittlung flossen die Ergebnisse einer Bürgerbefragung ein. Rund 700 Schwabmünchner hatten vergangenes Jahr an der Umfrage teilgenommen, was Kaulen positiv sah.

Das Ergebnis: Im Fußgängerverkehr, der für die Bewohner eine vergleichsweise große Rolle spielt, gibt es eine spürbare Unzufriedenheit – vor allem hinsichtlich der Nutzungsmöglichkeiten mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Rollatoren. Auch die Zufriedenheit mit der Infrastruktur für Radfahrer ist nicht besonders hoch, erklärte Kaulen.

Wird Schwabmünchen bald zur Fahrradstadt?

Drei Maßnahmen sollen Verkehrssituation verbessern

Der öffentliche Nahverkehr wird der Studie zufolge in erster Linie für private Erledigungen und Freizeitaktivitäten genutzt, das Hauptziel ist demnach Augsburg. Das innerstädtische Busangebot findet nur marginale Beachtung. Nicht besonders aufgeschlossen zeigten sich die Umfrageteilnehmer zur Nutzung von Bike- und Carsharing.

Mit Blick auf die großen Verkehrsachsen in der Stadt empfahl Kaulen dem Rat den Tausch der Eigentumsverhältnisse der in städtischem Besitz befindlichen Südspange mit der Mindelheimer Straße, die dem Landkreis gehört. „Damit wäre eine weitere Durchgangsachse im Zugriff der Stadt“, begründete er.

Zur Verbesserung der Nahmobilität stellte Kaulen drei Säulen vor, die die Stadt kurzfristig umsetzen sollte: die Einrichtung von Fahrradschutzstreifen, ein Tempo-30-Zonenkonzept sowie die Einführung von Fahrradstraßen.

In einigen Straßen sollen Fahrradfahrer Vorrang haben

Dem Experten zufolge sollte die nördliche Ost-West-Achse mit Lechfelder Straße bis zur Krumbacher Straße mit Schutzstreifen ausgestaltet werden, wobei der Ulrichsberg durch ein lineares Tempo 30 sicherer werden sollte. Auch die südliche Ost-West-Achse mit Bahnhofstraße über Luitpoldstraße und die gesamte Mindelheimer Straße soll nach Empfehlung des Verkehrsplaners mit Schutzstreifen für Fahrradfahrer ausgestattet werden.

Auch konkrete Fahrradstraßen hat der Verkehrsplaner bereits im Auge. Wenn nicht anders markiert, sind diese ausschließlich Fahrradfahrern vorbehalten. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 Stundenkilometer. „Das gilt für alle Fahrzeuge“, sagte Kaulen mit Blick auf sportlich ambitionierte Radfahrer.

Das Konzept sieht einen Ausbau in der Ried-, Bad-, Siemens-, Alpen-, Museums-, Garten-, Römer-, Osram-, Jahn-, Schul-, Hochfeld-, Friedens- und Ferdinand-Wagner-Straße vor ebenso wie der Mittel-stetter- und der Breitweg. In einem zweiten Schritt sollen auch die Auen-, Hein- und Frauenstraße sowie die Schlossergasse zu einer Fahrradstraße werden.

Bürgermeister setzt auf Rücksprache mit den Bürgern

So nachdrücklich die Vorstellung des Konzeptes durch den Verkehrsexperten auch war, bei der Realisierung entzog sich Kaulen der Verantwortung, insbesondere was Vorschläge zum Wegfall der Parkmöglichkeiten durch die Schutzstreifen anging. „Mit diesem Konzept wird es ein neues Schwabmünchen. Das wann, wo und wie liegt ganz bei Ihnen“, sagte Kaulen zu den Ratsmitgliedern.

Bürgermeister Lorenz Müller verwies auf die notwendige Rücksprache mit betroffenen Anwohnern und betonte: „Wir sollten nicht zu lange zögern. Dennoch müssen wir jede Straße einzeln betrachten und dann entscheiden.“

Neben anderen Ratskollegen mahnte Bernhard Albenstetter (CSU), dass bei allen Maßnahmen die Folgen intensiv zu betrachten seien. Der Rat stimmte letztendlich zu, das Konzept als strategische Leitlinie für künftige verkehrsplanerische Entscheidungen anzusehen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

12.05.2020

Ich sehe das Konzept für eine Stadt wie Schwabmünchen mit ihrer bestehenden Struktur als überzogen an und befürchte in seiner vorgesehenen Umsetzung ein weiteres geschäftliches Ausbluten der Innenstadt. Auch wenn man dies von offizieller Seite her
verhindern will und anders sieht.

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07.05.2020

So kann man die Geschäfte der Innenstadt auch ausrotten.

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07.05.2020

Schlittern wir jetzt in eine Fahrrad-Diktatur? Was ist mit Leuten, die nicht Fahrrad fahren wollen oder können? Wenn es keinen ganz neuen öffentlichen Nahverkehr mit vielen Haltestellen und kurzen Taktzeiten gibt, mit Fahrzeugen, die problemlos zu begehen sind für mobilitätseingeschränkte Personen und auch den noch länger geltenden Abstandsregeln Rechnung tragen? Ich bin gespannt, wie die Innenstadt dann überleben wird. Wenn ich für zwei Semmeln, die ich in der Ferdinand-Wagner-Straße kaufen will, auf dem Parkplatz an der Holzheystraße parken muss, tja … wird spannend. Vielleicht kann man sich die ja dann mit dem Fahrradkurier liefern lassen.

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