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FC-Bayern-Gegner

23.10.2018

Ex-Athen-Trainer Ewald Lienen: "Der Job war eine Hardcore-Erfahrung"

Ewald Lienen im März 2013 als Trainer von AEK Athen. Einen Monat später wurde er entlassen. Noch heute wartet er auf Gehaltszahlungen der Griechen.
Bild: Panagiotis Moschandreou, dpa

Am Dienstag spielt der FC Bayern gegen AEK Athen. Ewald Lienen spricht über seine dortige Zeit als Trainer und ausstehende Gehaltszahlungen.

Ihr Ex-Verein, AEK Athen, trifft in der Champions-League auf Bayern München. Haben Sie schon eine Einladung bekommen für die Partie im Athener Olympiastadion?

Lienen: Diesen Verein gibt es ja nicht mehr! Nachdem AEK abgestiegen ist und Insolvenz angemeldet hat, haben sie anscheinend alle Unterlagen vernichtet. So haben sie auch meine Adresse und Telefonnummer nicht mehr! (lacht) Jetzt fungiert der Verein mit neuer Steuernummer, neuer Anschrift und ohne die Altlasten und Verbindlichkeiten der Vergangenheit.

Deswegen haben Sie wahrscheinlich auch nicht die ausstehenden Gehaltszahlungen aus jener Zeit erhalten?

Ex-Athen-Trainer Ewald Lienen: "Der Job war eine Hardcore-Erfahrung"

Lienen: Das ist mehr als ärgerlich und grenzt ans Lächerliche. Das Verhalten der Verantwortlichen ist, gelinde formuliert, inakzeptabel! Ich habe in dieser Angelegenheit die Fifa eingeschaltet, ohne jedoch bis dato Erfolg zu haben. Man muss sich das so vorstellen: Der Verein steigt direkt vom Oberhaus in die 3. Liga ab, bekommt eine neue Steuernummer und in diesem Moment erlöschen etliche Schulden und Verbindlichkeiten. Diese Gesetzesgrundlage herrschte damals in Griechenland. Noch skandalöser ist aber die Passivität der internationalen Verbände, die keinen Druck auf den Verein und den nationalen Verband ausüben.

Es wird gemunkelt, dass der Abstieg von AEK im Jahr 2013 von externen Faktoren forciert wurde, damit der Verein anschließend eine „weiße Weste“ erhält. Hatten Sie so etwas mitbekommen?

Lienen: Mir waren zu jenem Zeitpunkt die strukturellen und finanziellen Umstände nicht im vollen Umfang bekannt. Da ich aber eine „griechische Vergangenheit“ besaß, sah ich mich gewappnet. Zudem wurde ich in dieser Hinsicht, im Vorfeld, auch falsch beraten. Fakt ist, dass wir den Klassenerhalt mit dieser jungen Mannschaft hätten sichern können, wenn alle mitgezogen hätten. In den letzten Wochen habe ich jedoch realisiert, dass manche Spieler und Funktionäre, nicht dasselbe Ziel verfolgten. Wenn aber ein, zwei Spieler rückwärts, statt vorwärts spielen, ist das kontraproduktiv. (lacht)

Haben Sie ein Beispiel?

Lienen: Eklatant war es beim letzten Spiel vor meiner Entlassung, wo der Kapitän auf mich zueilte und fragte, was da los sei. Resümierend würde ich sagen, dass der Job bei AEK eine Hardcore-Erfahrung für mich war, wobei ich die Fans, die Stadt und das Land bei meiner Beurteilung ausnehme, zumal ich auch rührende Solidaritätsbekundungen erlebt habe. Man darf nicht vergessen, dass zu jener Zeit die Finanzkrise in Griechenland auf ihren Höhepunkt war und etliche Spieler und Vereinsbedienstete schwer über die Runden kamen.

Haben Sie ein Bild vom aktuellen AEK-Team?

Lienen: Ich kann mir kein Urteil erlauben, weil ich lediglich paar Szenen im Fernsehen gesehen habe. Ich kenne den Kapitän, Petros Mantalos, den ich damals schon von Xanthi holen wollte, jedoch, aufgrund der desolaten Finanzlage die Bemühungen ad acta legen musste. Ich weiß, dass sie seit dieser Saison einen neuen, griechischen Trainer haben, weil Vorgänger Manolo Jimenez nach Spanien zurückgekehrt ist, nachdem er AEK, nach 24 Jahren, zum Titelgewinn geführt hat. Allerdings unter merkwürdigen Umständen, zumal PAOK Saloniki lange Zeit dem Titel näher war. (schmunzelt)

Mittlerweile ist der 64-Jährige Technischer Direktor des FC St. Pauli.
Bild: Valeria Witters

Könnte die aktuelle „Bayern-Krise“ eine Chance für AEK darstellen?

Lienen: Durchaus. Ich weiß zwar nicht, was bei Bayern genau los ist, habe aber registriert, dass ihr Leistungsniveau, im Vergleich zum Saisonanfang, rapide gesunken ist. Zudem scheint es, dass die gegnerischen Teams keine Angst mehr vor Bayern haben, wie Christoph Kramer von Borussia Mönchengladbach gesagt hat. Zudem hat Bayern das Pech, dass Coman und Tolisso verletzt ausgefallen sind. Ferner habe ich den Eindruck, dass bei Bayern und in der Nationalelf manche Spieler seit vielen Jahren am Limit spielen und jetzt eventuell ausgelaugt sind. Und nun hat die Uefa auch noch diese nutzlose Nations League ins Leben gerufen.

Zur Person: Ewald Lienen betreute unter anderem die griechischen Vereine Panionios Athen (2006-2008) und Olympiakos Piräus (2010). Vom Oktober 2012 bis April 2013 stand der aktuelle Technische Direktor vom FC St. Pauli bei AEK Athen unter Vertrag. Der 65-Jährige gewann als Spieler den Uefa-Cup mit Borussia Mönchengladbach.

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