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23.10.2018

Großmaul,  Beinahe-Bundestrainer:Christoph Daum wir 65

Christoph Daum (re.) als deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart und dessen Manager Dieter Hoeneß.
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Christoph Daum (re.) als deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart und dessen Manager Dieter Hoeneß.
Foto: dpa

Als Spieler war er nur ein Amateurkicker. Als Trainer war er deutscher Meister und Hauptfigur in einem der größten deutschen Fußball-Skandale.

Christoph Daum war noch neu in Leverkusen, als er eines Tages seine Spieler um sich scharte. Daum hatte eine Schüssel auf den Knien und gab allen einen Löffel. Stars, wie Ulf Kirsten, erhielten große Löffel. Wen Daum, der morgen 65 Jahre alt wird, zum Durchschnitt zählte, dem gab er einen kleineren; Nachwuchsspieler erhielten Teelöffel. „Ihr habt unterschiedlich viel geleistet, deshalb kriegt ihr unterschiedliche Löffel“, hat Daum gesagt. „Aber wehe jemand wird neidisch und spuckt in diesen Topf. Da ist unsere Suppe drin, davon müssen wir leben.“

So hat der Fußball-Trainer Christoph Daum mit Spielern gesprochen. „Wenn du 1,50 Meter groß bist, sagt er, du seist in Wirklichkeit einsachtzig. Und du legst Dich mit jedem an, weil du es glaubst“, hat Kirsten, einer der erfolgreichsten deutschen Stürmer, einmal erzählt. Später hat Daum Spieler über glühende Kohlen geschickt und ist selbst hinterher gelaufen. Da war er schon längst der Motivationsguru, der Heißmacher, oder einfach „Psycho-Daum“, wie ihn Bild nannte.

Wo Daum gehobelt hat, sind die Späne nur so geflogen. Frei nach dem Motto: Sorgt ihr für die Getränke, ich sorge für die Show. Sein öffentlich ausgetragenes Wortgefecht mit dem Manager des FC Bayern, Uli Hoeneß, der verzweifelt versucht hatte, seinen etwas schwerblütigen Trainer Jupp Heynckes (Daum: „Jede Wetterkarte ist interessanter als ein Satz von dem da.“) aus der Schusslinie des Rabauken zu nehmen, ist Fernseh-Geschichte. Was Daum damals nicht ahnte: Er hatte an diesem Abend das Feuer an jene Lunte gelegt, die später zu einem der großen Skandal im deutschen Fußball geführt und Daum selbst vom Gipfel seiner Karriere gefegt hat.

Zuvor aber hat der im Erzgebirge geborene Coach über „soziometrische Untersuchungen der Teamhierarchie“ referiert. Das hat ihm neben dem Ruf des Großmauls, immerhin noch den des Fachmanns eingetragen. Ein Prädikat das umso schwerer wiegt, als der 46-Jährige, anders als viele seiner Trainer-Kollegen, in jüngeren Jahren weder Welt- noch Europameister war, ja nicht einmal in der Bundesliga gekickt hat. Daums größter Erfolg als Spieler: deutscher Amateurmeister mit dem 1. FC Köln.

Als Trainer hat er vieles nachgeholt. Deutscher Vizemeister 1989 und 1990 mit Köln, Meister und Supercup-Sieger mit dem VfB Stuttgart (1992), türkischer Supercup- und Pokalsieger (1994) sowie türkischer Meister (1995) mit Besiktas Istanbul und viel zu oft Zweiter mit Bayer Leverkusen, meist hinter dem FC Bayern. Nur mit der Nationalmannschaft, die er 2001 in eine bessere Zukunft hätte führen sollen, ist es nichts geworden. Dafür hat Uli Hoeneß gesorgt der in einem Interview, in dem auch die Worte vom „verschnupften Daum“ fielen, eine Kokainmissbrauch seines Intimfeindes andeutete. Daum beteuerte seine Unschuld, reichte eine Verleumdungsklage gegen Hoeneß ein und stimmte einer gerichtsmedizinischen Haaranalyse zu. Das Ergebnis entlarvte ihn als Lügner. Aus der Traum vom Bundestrainer. Daum blieb nur noch die Flucht. Er verkroch sich in Florida. Seine Rückkehr nach Deutschland zelebrierte er in vertrautem Stil. Im Rahmen einer groß angelegten Pressekonferenz räumte er den Kokainkonsum augenzwinkernd ein. Die Sache mit der Haarprobe sei leider schlecht für ihn gelaufen. Ein Malheur.

Andere sahen ihn am Ende. Doch der Skandaltrainer kehrte über die Umwege Besiktas Istanbul und Austria Wien zum 1. FC Köln zurück. 2008 stieg er mit den Geißböcken in die Bundesliga auf. Daum war wieder im Geschäft. Inzwischen ist es ruhiger um ihn geworden. Seit er im September 2017 sein Amt als Rumäniens Nationaltrainer verloren hat, ist er ohne Trainerjob.

Mit Uli Hoeneß hat er seinen Frieden gemacht. Der Bayern-Manager hat sich nach seinem Gefängnis-Aufenthalt telefonisch bei ihm gemeldet und sich dafür bedankt, dass Daum diese Zeit nicht für Häme genutzt hat.

Seinen Geburtstag wird der Vater von vier Kindern in seinem Ferienhaus Mallorca feiern – deutliche unspektakulärer als die Hochzeit mit seiner zweiten Frau Angelica im September 2007. Die Trauung fand damals im Mittelkreis des Kölner Stadion statt.

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