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Radsport
20.08.2018

Das bescheidene Comeback der Deutschland Tour

Erik Zabel sprintete auch während der Deutschland Tour zu Etappensiegen, hier im Jahr 2000. Später räumte er ein, gedopt zu haben.
Foto: Peer Grimm, dpa

Nach zehn Jahren Pause startet am Donnerstag wieder die Deutschland Tour. Allerdings in bescheidener Form wiederbelebt. Doch dabei soll es nicht bleiben.

Die Stimmung im deutschen Profiradsport am Ende des Jahres 2008 war gedrückter als bei einer Beerdigung. Die einstigen Helden des Team Telekom um Jan Ullrich, Erik Zabel, Udo Bölts und Rolf Aldag waren im Dopingsumpf untergegangen. Der Nürtinger Radprofi Stefan Schumacher, im Sommer zuvor noch Etappensieger bei der Tour de France und ein paar Tage Träger des Gelben Trikot, wurde mit dem Epo-Präparat Cera erwischt, sein Team Gerolsteiner gab mangels neuer Sponsoren den Rückzug aus dem Profisport bekannt und schickte das gesamte Material der Mannschaft von der Gesäßcreme bis zum Reisebus zur Versteigerung in Herrenberg-Gültstein auf die Resterampe. Gleichzeitig verkündete die ARD, wegen der vielen Dopingfälle nicht mehr von der Tour de France oder anderen Radrennen live zu berichten.

In dem Sog läutete dann auch das Totenglöcklein der 1999 wieder ins Leben gerufenen Deutschland Tour. Kein TV, keine Sponsoren, kein Rennen – und das nach sehr erfolgreichen Jahren mit Höhepunkten wie einer Zielankunft 2005 auf dem 2684 Meter hoch gelegenen Parkplatz des Rettenbachferner oberhalb von Sölden in Tirol. Ein Spektakel ganz ähnlich wie Alpe d’Huez, nur noch härter. Nach den ganzen Tiefschlägen konnte sich kein Mensch vorstellen, dass sich der Profiradsport in Deutschland je wieder erholen würde. Und die Deutschland Tour auch nicht.

Die Deutschland Tour kehrt dennoch zurück

Aber sie ist wieder da. Am Donnerstag startet in Koblenz, nach zehn Jahren Pause, wieder eine Deutschland Tour. Eine zunächst mal nur sehr bescheidene Veranstaltung. Vier Ertappen über Bonn, Trier, Merzig und Lorsch und dem Finale am 26. August in Stuttgart. In den Zeiten zwischen 1999 und 2008 waren es bis zu neun Etappen gewesen, aber dafür hat die 33. Auflage einer Deutschland Rundfahrt seit 1911 jetzt einen Partner, der über eine große Reputation und wohl auch einen langen Atem verfügt. Zumindest hat man sich schon mal für zehn Jahre festgelegt, mit einer Option auf weiter zehn Jahre. Hinter der neuen Deutschland Tour steht die französische A.S.O, die Amaury Sport Organisation, die die Tour de France, aber auch Rennen wie zum Beispiel Paris – Roubaix veranstaltet und vermarktet. Die Franzosen haben sich jetzt mit einem deutschen Partner „Gesellschaft zur Förderung des Radsports“ zum Ziel gesetzt, der Rennszene im Land wieder Leben einzuhauchen. Aber das sicher nicht aus reiner Freude am Radsport, sondern weil man Marktchancen sieht.

In Deutschland hat sich eine neue Radszene etabliert

Schließlich hat sich seit 2008 eine neue Szene erfolgreicher Profis in Deutschland etabliert, eine Szene, die bisher durch Erfolge statt Eskapaden aufgefallen ist. Namen wie Marcel Kittel, André Greipel oder Tony Martin stehen für große Siege. Die Routiniers werden bis auf den verletzten Martin alle an den Start gehen. Dazu kommt ein heimisches Weltklasse-Team. Aber bei Bora hansgrohe aus Oberbayern wird dann auch klar, dass die Deutschland Tour noch eine kleine Veranstaltung ist. Emanuel Buchmann, Deutschlands derzeit wohl bester Klassementfahrer, wird für die Bayern als Kapitän bei der am kommenden Samstag beginnenden Spanienrundfahrt an den Start gehen. Nach seiner Zusage gilt Geraint Thomas, der Tour-de-France-Sieger aus Wales vom Team Sky, als einer der Favoriten.

Es ist also sehr zartes Pflänzchen, das von Donnerstag an über vier Etappen und 738 Kilometer durch vier Bundesländer zu wachsen beginnen soll. Insgesamt 132 Fahrer von 22 Teams werden das Rennen aufnehmen. Darunter gibt es etliche etablierte Berufsfahrer, die sich zeigen wollen. Allen voran die Sprinter Marcel Kittel und André Greipel, die beim Höhepunkt Tour de France leer ausgingen. Aber auch der junge Max Walscheid will zeigen, dass er ein großer Sprinter werden kann. Und dann noch Maximilian Schachmann. Der 24-jährige Berliner hat im Frühjahr eine Etappe beim Giro d’Italia gewonnen und gilt als große Hoffnung für Etappenrennen.

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Über die Zukunft der neuen Deutschland Tour entscheiden aber vor allem die Radfans. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF übertragen die letzten beiden Rennstunden live und hoffen auf bis zu einer Million Zuschauer bei den jeweiligen Etappen. Auch Eurosport berichtet. Die erwarteten Einschaltquoten sind ambitioniert, aber sollten sie erreicht werden, dürfte das Pflänzchen Deutschland Tour kräftig wachsen – und 2008 wäre dann endgültig Geschichte.

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