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Warum der Abschied von DFL-Boss Christian Seifert bedauerlich ist

Von Milan Sako
26.10.2020

Christian Seifert fehlte zwar der Stallgeruch, trotzdem überzeugte er auch die Kicker alten Schlages. Dass er in zwei Jahren aufhört, trifft die DFL hart.

Die erste Frage des Kritisierten an den Kritiker lautet im Sport meist: Hasch du überhaupt schon mal Fußball, Eishockey, Hallenhalma, XXX (entsprechende Sportart bitte eintragen) gespielt? Wer mit "nein, aber" zu einer Antwort ansetzen will, kommt nicht weit. Argumentieren zwecklos. Nur wer wie Cristiano Ronaldo den Ball aus 45 Metern in den Torgiebel zimmert, ohne sich die Frisur zu zerstören, darf den Dorfkicker verbal attackieren. Das gilt für viele Branchen.

Nur wer pochierte Wachteleier an linksdrehendem Ziegenjoghurt-Soufflé perfekt zubereiten kann, darf den Chefkoch zerpflücken. Nur wer mindestens eine Legislaturperiode als Bundeskanzler regiert hat, darf Angie in die Mangel nehmen. Insofern hatte Christian Seifert bei seinem Amtsantritt 2005 bei der Deutschen Fußball Liga die denkbar schlechtesten Startbedingungen. Als Kicker kam der Geschäftsmann nie über die Niederungen der Amateurligen hinaus. Der Stallgeruch des Profifußballs fehlte.

Seifert führte die DFL glänzend durch die Corona-Krise

Der gebürtige Badener kam 2005 von der KarstadtQuelle New Media AG und wollte den Völlers und Rummenigges beweisen, dass er das Ball-Business beherrscht. Der Kaufmann hat es den Kickern gezeigt. Über Jahre hinweg hielt sich Seifert im Hintergrund, zog die Fäden und handelte Fernsehverträge in schwindelerregenden Milliarden-Beträgen aus, von denen die Bundesliga-Klubs gerade jetzt zehren. Das verschaffte dem DFL-Geschäftsführer den Rückhalt in den 36 Profiklubs, um den Unterhaltungsbetrieb glänzend durch die Corona-Krise zu manövrieren. Alle Sportarten, die Manager in der ganzen Welt schauten darauf, wie es die DFL macht, wie es Christian Seifert organisiert und eloquent moderiert. Während der Deutsche Fußball-Bund im Chaos um WM-Vergaben und Bestechungsgeldern versinkt, regiert der Kaufmann die DFL 17 Jahre lang mit Verstand und Instinkt. In diesem Zeitraum verschliss der DFB fünf Präsidenten.

Wenn sich ein Chef verabschiedet, gehören Lobreden zum guten Ton. Im Fall von Seifert ist das Bedauern über den Verlust vielleicht sogar ernst gemeint. Die DFL braucht einen Manager, der die Bundesliga vermarktet, ohne im Fan lediglich den Kunden zu sehen. Egal in welche Branche sich der Fußball-Macher verabschiedet, selbst wenn Seifert ab 2022 Ananasplantagen in der Antarktis managt, er wird seinen Job gut erledigen.

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