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FC Bayern

25.07.2019

Was Uli Hoeneß und seinen möglichen Nachfolger verbindet

Sitzen während Bayern-Spielen oft nebeneinander: Herbert Hainer (rechts) und Uli Hoeneß. Wahrscheinlich übernimmt Hainer im November die Posten als Aufsichtsratschef und Präsident.
Bild: Daniel Karmann, dpa (Archiv)

Plus Wenn sich der Bayern-Aufsichtsrats-Chef Uli Hoeneß zurückzieht, gilt Herbert Hainer als heißester Nachfolge-Kandidat. Die beiden ähneln sich mehr, als es scheint.

Die Geschichte liest sich einfach zu gut: Auf Bayern-Übervater Uli Hoeneß, einem Emotions-Junkie und unberechenbaren Verbal-Kraftlackel soll ein kopfgesteuerter, die Worte wägender Anti-Hoeneß als Aufsichtsratschef des FC Bayern folgen. Damit hätte sich der Patriarch mit Ex-Adidas-Boss Herbert Hainer ausgerechnet einen Nachfolger ausgeguckt, der das Gegenteil von ihm ist. Optisch mag das angehen: Hoeneß ist mehr Buddha, Hainer mehr Gandhi. Über den einstigen Chef des Herzogenauracher Sportartikel-Konzerns heißt es, er habe sich im Leben neben die Figur formenden Dauer-Läufen die Devise verordnet: „Nie Nachtisch!“

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Derlei Selbstkasteiendes ist von Hoeneß nicht überliefert, wie sich der 67-Jährige in der Öffentlichkeit ungern zusammenreißt und Journalisten schon mal wissen lässt: „Wir werden keine respektlose Berichterstattung mehr akzeptieren.“ Der 65-jährige Hainer hingegen wirkte in seinen 15 Jahren an der Spitze des Dax-Konzerns Adidas meist verbindlicher, freundlicher und gebändigter als der meinungsstarke Bayern-Mann. Dabei ist er ebenso verletzlich wie Hoeneß, waren und sind doch beide stets von ihrem segensreichen Wirken für ihre Arbeitgeber überdurchschnittlich überzeugt.

Hainer, der sich – zäh wie er ist – erstaunlich lange an der Spitze eines Dax-Konzerns gehalten hat, kann seinen innerlichen Vulkan besser bändigen als Hoeneß. Das war nicht immer so. Weggefährten behaupten, der spätere Spitzen-Manager habe als Amateur-Fußballer in seiner Heimat Niederbayern den Schiedsrichter wegen eines gegen seine Mannschaft gegebenen Elfmeters selbst beim Stand von 8:0 für sein Team – und das auch noch in der letzten Minute – zur Rede gestellt. Das ist sicher dem rasch einen knallroten Ärger-Kopf bekommenden Hoeneß nicht fremd. Alpha-Männer bekommen gerne recht.

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Herbert Hainer zeigte es bei Adidas seinen Kritikern

Hainer, der nach eigener Einschätzung nicht gut genug für eine Profi-Karriere war, kann mit heftiger Kritik an seiner Person wie auch sein Bayern-Freund nicht verlässlich souverän umgehen. Als er nach etwa 13, meist erfolgsverwöhnten und von Aktionären beklatschten Jahren, mit Adidas eine Niederlagenserie erdulden musste, kam der Emotionsmensch in dem Manager jäh zum Vorschein. Nachdem ihm schlechte Zahlen und die Übermacht des Konkurrenten Nike vorgehalten wurden, reagiert Hainer in Hoeneß-hafter Weise: „Plötzlich hieß es, ich sei zu lange dabei, habe keine Ideen mehr, die Strategie sei falsch, ich sei ein Diktator, der keinen neben sich hochkommen lässt. Da habe ich mir gedacht: So, ihr Deppen, jetzt zeige ich es euch noch mal.“ Das ist Hainer gelungen.

Er verwandelte die Krisen-Firma in eine weltweite Super-Marketingmaschine, deren Sneakers begehrt sind. Dabei führte den asketisch wirkenden Manager der Weg zu Adidas über ein Betriebswirtschaftsstudium, eine eigene Pils-Kneipe und Lehrjahre beim US-Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble. Als Hainer sich bei Adidas bewarb, soll er zunächst zu seiner Frau, der Chef-Beraterin seines Lebens, gesagt haben: „Zu diesem Saftladen gehe ich nicht.“ Er dachte schnell um und wurde mit den Jahren zumindest nach außen hin ruhiger. Der Macher-Typ wäre also als bisheriger Aufsichtsrats-Vize der Bayern sicher eine interessante Wahl als Hoeneß-Nachfolger.

Hoeneß und Hainer standen sich immer gegenseitig bei

Dass die beiden Manager dicke Freunde wurden, hängt wohl auch mit ihrer Herkunft zusammen: Hoeneß wie Hainer haben in den Metzgereien ihrer Familien früh Verantwortung übernommen. Sie arbeiteten dort hart und lernten Wirtschaft im Kleinen. Davon versteht Hoeneß bis heute etwas im Großen. Und als Hainer bei Adidas abtrat, stimmten die Zahlen auch. Emotional passt es ohnehin zwischen den Managern. Es waren Schicksalsschläge, die Hainer und seine Frau Angelika mit Uli Hoeneß und dessen Gattin Susi zusammenschweißten: Das Ehepaar Hoeneß tröstete die Hainers 2006 bei der Beerdigung ihrer mit nur 23 Jahren verstorbenen Tochter Kathrin. Hoeneß erinnerte sich an den Tag: „Also sind Susi und ich nach Herzogenaurach gefahren, da hätte der Kaiser von China um einen Termin bitten können.“

Hainer stand seinem Freund Uli dann bei, als er wegen der Steuersache im Gefängnis saß. Er besuchte ihn in Landsberg. Das hat den Bayern-Patriarchen gerührt: „Der Herbert hat mich immer öffentlich verteidigt.“ Insofern wäre es FC-Bayern-logisch, wenn Hoeneß seinem Super-Kumpel den Thron überlässt. Hainer sagte einst über den Gefängnisbesuch: „Aber das macht Freundschaft aus, man steht zu seinem Freund, unabhängig von dem, was opportun ist.“ Das sind nicht die Worte eines Anti-Hoeneß.

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