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Skispringen

08.01.2019

Was von der großen Eisenbichler-Party übrig bleibt

„Es ist einfach nur mega“: Markus Eisenbichler konnte seine Freude über den zweiten Platz bei der Vierschanzentournee selbst kaum fassen.
Bild: Harald Steiner, Witters

Hinter "Eisei" liegen die besten Wochen seiner Karriere. Bei der Vierschanzentournee wurde er überraschend Zweiter. 2012 wäre er beinahe im Rollstuhl gelandet.

Der Tag nach dem größten Erfolg seiner Karriere begann für Markus Eisenbichler so, wie es ihm am liebsten ist: gemütlich auf Balkon in Siegsdorf. Der 27-Jährige postete auf Instagram ein Bild, zu sehen ist eine verschneite Dorfidylle des 8000 Einwohner großen Ortes im Landkreis Traunstein. „Zu Hause ist es am schönsten“, schrieb Eisenbichler darunter.

Die Ruhe seiner oberbayerischen Heimat steht im krassen Gegensatz zu dem, was dem Skispringer in den vergangenen knapp zwei Wochen widerfahren ist. Bei der Vierschanzentournee flog Eisenbichler so stark von den Schanzen, dass es am Ende zum zweiten Platz reichte und er nur dem japanischen Überflieger Ryoyu Kobayashi den Vortritt lassen musste. Dafür erhielt der leidenschaftliche Schafkopf-Spieler sogar eine Einladung von Nationalspieler Thomas Müller zum Karteln.

Vor der Vierschanzentournee deutete nichts auf Eisenbichlers Erfolg hin

Das Märchen um Eisenbichler ist umso erstaunlicher, weil vor dem Beginn der Tournee kaum etwas auf diese Leistungsexplosion hingedeutet hatte. Eisenbichler landete in dieser Wintersaison auf den Rängen 15, 15, 23, 32, 10, 48 und 6, bevor in Oberstdorf das erste Springen anstand. Im Weltcup liegt er auf Rang 9. Als mögliche Siegspringer aus dem DSV-Lager galten Karl Geiger, Stephan Leyhe, Andreas Wellinger und mit Abstrichen Richard Freitag – aber Eisenbichler? Der war 2016 mal ein Hoffnungsträger, kam damals insgesamt aber nur auf den siebten Rang.

Doch die Eisenbichler-Party startete gleich zu Beginn der Tournee: In Oberstdorf hätte der 27-Jährige Kobayashi beinahe geschlagen, nur 0,4 Punkte fehlten ihm zum Sieg. In Garmisch hatte der Japaner, der den Weltcup nach Belieben dominiert, nur einen Meter Vorsprung vor „Eisei“, wie der neue DSV-Star gerufen wird. Richtig spannend wurde es wegen der Extraklasse des Asiaten zum Ende hin zwar nicht mehr, doch auch so ist das Ergebnis aus deutscher Sicht so gut wie lange nicht mehr: Neben Eisenbichler auf Rang zwei landete sein Teamkollege Stephan Leyhe auf Rang drei. Damit sind erstmals seit 1991, als Jens Weißflog und Dieter Thoma auf Rang eins und drei landeten, wieder zwei Deutsche auf dem Podest.

Aus Eisenbichler brachen deshalb auch alle Emotionen heraus. Immer wieder schrie er aus Freude über seine Leistung. Auf die Frage nach seinem Befinden antwortete er gleich fünf Mal mit dem Wort „geil“ und schob hinterher, einfach nur glücklich zu sein. Als die deutsche Nationalhymne nach dem Springen ertönte, kämpfte er mit den Tränen.

2012 brach sich Eisenbichler bei einem Trainingssturz den Brustwirbel

Vielleicht spielt es eine Rolle, dass Eisenbichler weiß, wie fragil das Glück ist. Im Jahr 2012 wäre er nach einem Trainingssturz in Oberstdorf beinahe im Rollstuhl gelandet. Damals war der dritte Brustwirbel gebrochen, mühevoll kämpfte sich der Sportler wieder zurück. Eisenbichler sagte einmal, dass ihn gerade dieses Erlebnis geprägt habe. „Ich weiß jetzt, wie schnell alles vorbei sein kann.“ Dass ausgerechnet in Oberstdorf sein Aufstieg zur neuen DSV-Hoffnung begann, ist deswegen mehr als nur eine Randnotiz. Seine bisherigen Titel – das Gold im Mixed-Team bei der Ski-WM 2017 und Bronze von der Einzelschanze – würde er deshalb auch in einem anderen Licht sehen.

Mit dem Trubel um seine Person kann Eisenbichler ohnehin nur wenig anfangen. Am liebsten, sagte er, sei er ohnehin zu Hause in Siegsdorf. Dort wohnen auch seinen Eltern Christine und August sowie Bruder Martin und seine Freundin Andrea. Dort stieß er am späten Sonntagabend auch mit seinen Freunden und seiner Familie an. Eisenbichler sehne sich nur nach Ruhe: „Ich will mal relaxen und einen Gemütlichen machen – mal in die Sauna gehen.“

Bis zum Saisonende am 23. März ist der Sprungkalender vollgepackt. Spätestens seit den starken Leistungen bei der Tournee können sich „Eisei“ und Stephan Leyhe nicht mehr hinter den großen Namen Andreas Wellinger oder Richard Freitag verstecken. Die Beiden sind plötzlich selbst die Hoffnungsträger im DSV-Team, in dem sich die Kräfteverhältnisse in diesem Winter umgekehrt haben. Auch das bleibt von der großen Eisenbichler-Party.

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