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Eishockey
24.01.2013

München als nächste Red-Bull-Filiale?

Berlins Matt Foy (l) im Zweikampf mit Münchens Johan Ejdepalm aus Schweden.
Foto: dpa

Der Getränkehersteller Red Bull will nach Salzburg auch den EHC München komplett übernehmen und könnte ein neues Eishockey-Schwergewicht der Branche schaffen.

Es ist noch kein Jahr her, da war die Erstligazukunft des EHC München ernsthaft gefährdet. Nach dem Abschied eines Geldgebers mussten die Eishockeyprofis um ihre Arbeitsplätze bangen, erst der Einstieg von Red Bull als Hauptsponsor verschaffte dem EHC weiterhin den finanziellen Spielraum für die Eliteliga DEL.

Trainer Pat Cortina bestreitet diese Saison bei den Münchnern seine Abschlussrunde. Als neuer Bundestrainer des Deutschen Eishockey-Bundes darf er nur noch bis zum Frühjahr eine Doppelrolle einnehmen. Diese Woche stimmte Cortina die Nationalspieler in Bietigheim auf die Olympiaqualifikation ein, ab heute nimmt er wieder als EHC-Sportchef den Kampf um die Play-offs auf.

Doch dies ist aktuell nicht das wichtigste Gesprächsthema bei seinem Arbeitgeber. Eine Salzburger Zeitung verkündete vergangene Woche, dass der EHC München demnächst komplett in das finanzkräftige Red-Bull-Imperium von Dietrich Mateschitz einverleibt wird. „Es sind Prozesse im Gang“, bestätigte ein Firmensprecher lediglich lapidar. Aber die Gespräche des EHC-Eigners Michael Philipps mit dem global operierenden Brausehersteller aus Österreich stehen offenbar vor dem Abschluss.

Ähnlich wie im Fußball mit den RB-Filialen Salzburg und Leipzig soll Mateschitz eine Doppelstrategie befürworten. In Salzburg (wie bisher) und München (in Zukunft) will das Unternehmen mit seiner wirtschaftlichen Macht den Eishockeyprofis „Flügel verleihen“, wie der firmeneigene Werbespruch verheißt. Der Getränkespezialist könnte in der DEL zum vierten Großinvestor nach Philipp Anschutz (Eisbären Berlin, Hamburg Freezers), Dietmar Hopp (Mannheimer Adler) und Thomas Sabo (Nürnberg Ice Tigers) aufsteigen. „Das würde mehr Stabilität in die Liga bringen. Der Standort München ist für die DEL nicht unbedeutend“, gibt Lothar Sigl als Mitglied der DEL-Marketing- und Medienkommission zu.

Als Hauptgesellschafter der Augsburger Panther, die mit ihrem Mini-Etat von 3,4 Millionen Euro in der Tabelle (Rang sechs) derzeit ein gutes Stück vor den Münchnern (Platz 12) notiert sind, dürfte er es dagegen nicht so gerne sehen, dass der Nachbarrivale demnächst in die finanzielle Führungsetage der DEL aufsteigen kann.

Red Bull: Nicht nur reich an Kalorien

Red Bull ist nicht nur reich an Kalorien. Der Konzern lässt derzeit auf dem Gelände einer früheren Trabrennbahn in Salzburg-Liefering ein Leistungszentrum mit Fußballhalle, zwei Eisflächen, Dreifachturnhalle und einem Internat für junge Talente bauen. Bis Sommer 2014 soll alles fertig sein und Sportlern paradiesische Verhältnisse bieten.

In Österreich machen deshalb sogar Spekulationen die Runde, die Münchner Eishockeyspieler würden künftig in Salzburg wohnen und nur zu den Spielen anreisen. „Unsinn“, heißt es dazu aus EHC-Kreisen. Hat sich der Münchner Stadtrat doch im Dezember geeinigt, den Bau einer neuen großen Multifunktionshalle auf dem Olympiagelände ernsthaft ins Auge zu fassen. Die alte Eishalle könnte abgerissen werden und Platz machen für eine neue Heimstatt des EHC sowie der Basketballer des FC Bayern. Der Bau dieser Arena soll eine Voraussetzung für den Einstieg von Red Bull sein, der mit seinem Fernsehsender ServusTV die DEL überträgt.

Über das Eishockeypersonal im Brause-Konzern wird bereits spekuliert. Der ehemalige Berliner Meistertrainer Pierre Pagé – in Salzburg nicht unumstritten – soll wie Ralf Rangnick bei den Fußballern die Eishockeygeschäfte der Firma bündeln. Als Trainer für München wird der Berliner Coach Don Jackson gehandelt. Er schwieg sich nach dem 3:2 der Berliner am Sonntag in München über seine Zukunft aus. Dafür bestätigte der Schwenninger Zweitligamanager Stefan Wagner ein Angebot der Salzburger.

München ist als Eishockeystandort allerdings mehrmals gescheitert. 1999 hatte der US-Milliardär Anschutz die DEL-Lizenz der Landshut Cannibals gekauft und die München Barons gegründet. Seine Retortenmannschaft gewann 2000 die deutsche Meisterschaft. Die Einnahmen entsprachen jedoch bei weitem nicht den Kosten. 2002 hatte Anschutz genug vom Verlustgeschäft und verabschiedete sich samt DEL-Lizenz nach Hamburg. Dietrich Mateschitz kann sich einen langen Atem leisten. Er zählt angeblich zu den 200 reichsten Menschen der Welt.

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