Randbemerkung

21.03.2017

Warum sich Eishockeyprofis prügeln

Nürnbergs Brandon Prust (links) und AEV-Stürmer Hans Detsch liefern sich eine Boxeinlage.
Bild: Stefan Puchner, dpa

Schlägereien im Eishockey sind Kalkül und Taktik. Auch die Panther haben das Mittel in den Playoffs gegen Nürnberg genutzt. Warum die "goons" auf dem Eis so wichtig sind.

Für eine richtig gute Eishockey-Mannschaft benötigt man vier Spielertypen: Torhüter, Verteidiger, Stürmer und, nun ja, man könnte sie auch Boxer nennen. Das sind die Typen, die zum Einsatz kommen, wenn der Wurm im Spiel ist. Wenn nichts mehr geht, kommt der „goon“ (Schläger) ins Spiel. So nennen sie in Nordamerika den Profi, der nicht unbedingt elegant Schlittschuhfahren und manchmal auch keinen präzisen Pass über zehn Meter spielen, aber dafür die Fäuste fliegen lassen kann. Es geht darum, den Spielfluss des Gegners zu durchbrechen. Wenn die Auszeit genommen und der Torhüter gewechselt worden ist, dann kommen die Männer fürs Grobe.

Als die Augsburger Panther am Sonntagabend gegen Nürnberg 0:1 hinten lagen und gegen die Franken keinen Schlittschuh aufs Eis bekamen, griff AEV-Trainer Mike Stewart zum letzten Mittel. Der Coach brachte Stürmer Hans Detsch. Der gebürtige Kaufbeurer hat in bislang elf Saisonspielen für Augsburg zwar noch kein Tor geschossen, aber er bringt „Körper und Kilos“ ins Spiel, wie Mike Stewart sagt. Detsch forderte den Nürnberger Brandon Prust zum Faustkampf auf, und der Franken-Verteidiger ließ sich nicht lange bitten.

Prügeleien gehören im Eishockey zur Taktik

Das sieht für Außenstehende oft brutal aus, aber im Eishockey ist es ein taktisches Mittel. Um die eigenen Spieler aufzuwecken, um den Gegner zu beeindrucken oder um dem Spiel doch noch eine Wende zu geben. Manchmal prügeln sich die Eishockey-Profis aus purem Spaß. Stürmer Sean O’Connor forderte den Ingolstädter Jeremy Reich am Eröffnungsbully heraus. Es war noch keine Sekunde gespielt, als die Fäuste flogen. Die beiden hatten sich vor dem Spiel zur Rauferei verabredet. Ein anderes Mal stampfte O’Connor auf die Ingolstädter Spielerbank, um sich mit allen zu hauen. Warum? Weil er sich provoziert fühlte. Ach so.

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Die Königsdisziplin ist ein Faustkampf der Torhüter, die normalerweise nicht angefasst werden. Doch es gab auch Goalies wie den NHL-Profi Ron Hextall, der sich einen Ruf wie Donnerhall hart erarbeitete. Im Boxkampf der Eishockeyspieler herrscht ein Ehrenkodex: Sobald ein Spieler auf dem Eis liegt, greifen die Schiedsrichter ein. Normalerweise passiert nichts. „Glückstreffer“ wie der von David Wolf, der seinem Kontrahenten Benedikt Schopper mit dem ersten Schlag sechs Zähne ausschlug, sind eher selten.

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