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Caiuby bleibt: FCA verliert ein Stück Glaubwürdigkeit

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Kommentar Von Johannes Graf
12.07.2018

Fußballprofi Caiuby kommt nach seinen Verfehlungen mit einer Geldstrafe davon. Damit sendet der FC Augsburg ein falsches Signal.

Im Winter hat der FC Augsburg konsequent gehandelt. Weil sich die Verantwortlichen von ihrem damaligen Spieler Daniel Opare belogen fühlten, stellten sie den Ghanaer frei. Der Suspendierung vorausgegangen war ein geheimes Treffen mit Schalke-Funktionären. In Zeiten streikender Fußballstars, die ihren Wechsel zu anderen Vereinen provozieren, war Sportgeschäftsführer Stefan Reuter und weiteren Augsburger Entscheidern der Beifall der Fans gewiss. Der Klub setzte ein starkes Zeichen in der Profibranche, verdeutlichte, er wolle sich nicht von einem Angestellten auf der Nase herumtanzen lassen. Diese Konsequenz lässt der FCA im "Fall Caiuby" vermissen.

FC Augsburg geht milde mit Caiuby um

Zugegeben, die Vorgänge mit Opare und Caiuby lassen sich nicht eins zu eins miteinander vergleichen. Während Opare lange Zeit keine Rolle beim FCA gespielt hatte und nur kurz Stammspieler war, verkörpert Caiuby einen Augsburger Europapokal-Helden. Entsprechend beliebt war er stets bei FCA-Anhängern. Sportlich ist der Brasilianer unbestritten wertvoll für den Bundesligisten, in der vergangenen Spielzeit hat er fünf Treffer erzielt und war allein seiner Kopfballstärke wegen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Sich von ihm zu trennen, wäre den FCA-Verantwortlichen entsprechend schwerer gefallen als bei Opare.

Dennoch: Geradezu milde wirkt das Urteil, das Reuter nach den jüngsten Verfehlungen Caiubys fällte. Der Brasilianer kommt mit einer Geldstrafe davon, obwohl er seinen Urlaub um über eine Woche eigenmächtig verlängerte, der Verein zwischenzeitlich nicht einmal wusste, wo sich sein Spieler aufhielt, und die Polizei unter anderem wegen vorsätzlicher Körperverletzung gegen ihn ermittelt.

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Auch wenn die Geldstrafe die Vorstellungskraft eines Bürgers mit Mittelstandsgehalt vermutlich sprengt, so stellt sich dennoch die Frage, ob der Klub sich nicht besser von Caiuby hätte trennen sollen. Der FCA misst jedenfalls mit zweierlei Maß. Er signalisiert: Nicht alle Spieler werden gleich behandelt. Und: Mit Geld lässt sich vieles klären.

Sportliche und finanzielle Argumente geben bei Caiuby den Ausschlag

Zusätzlich flossen wohl finanzielle Überlegungen in die Entscheidung ein. Caiuby besitzt beim FCA einen Vertrag bis Sommer 2020. Hätte der FCA den Profi freigestellt, hätte dieser seinen Lohnanspruch behalten. Und bei einer fristlosen Kündigung wäre der Vertrag aufgelöst worden, der FCA hätte die Transferrechte verloren und keine Ablöse für den Brasilianer erzielen können.

Arbeitsrechtlich wäre es ein Leichtes gewesen, Caiuby wegen schwerwiegender Verfehlungen fristlos zu kündigen. Letztlich gewichtete der FCA sportliche und monetäre Argumente stärker als den Verstoß gegen Regeln und Werte. Ein Stück weit hat der Klub damit an Glaubwürdigkeit verloren. Caiuby ist kein 18-Jähriger, der Jungenstreiche begeht, am Samstag wird er 30 Jahre alt. Ihm sollten die Konsequenzen seines Handelns bewusst sein. Zudem ist er "Wiederholungstäter", schon in der Vergangenheit setzte er sich über Abmachungen mit dem Klub hinweg und fiel negativ auf.

Des Weiteren sind Fußballprofis Personen von öffentlichem Interesse und repräsentieren einen Klub. Wenn gegen sie wegen Straftaten ermittelt wird, die im Privaten begangenen wurden, fällt dies auf den Arbeitgeber und dessen Image zurück.

Caiuby fehlt den Augsburgern im Trainingslager. Der Brasilianer hat seinen Urlaub selbst verlängert. Foto: Peter Steffen
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13.07.2018

Leistungsträger können sich halt mal mehr erlauben; da kann man mit einem Opare keine Ansprüche auf Gleichbehandlung in der Zukunft herleiten.

Und es macht auch keinen Sinn eine Entscheidung zu kommentieren, wenn man nicht das gleiche Wissen wie Baum und Reuter hat.

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13.07.2018

Herr Graf hat absolut recht mit seinem Kommentar. Mild ist die Strafe nicht in Bezug auf die gar nicht benannte Höhe der Geldstrafe sondern insofern als andere Maßnahmen berechtigt und arbeitsrechtlich haltbar gewesen wären.

Reuter hat ja schon bevor Caiuby überhaupt zurück war das Signal in diese Richtung gedreht: Standing in der Mannschaft ist offenbar das Ausschlaggebende, wie Verfehlungen, Disziplinlosigkeiten und Fernbleiben von der Arbeit behandelt werden. Ist sich die Mannschaft einig, dass das schon nicht so schlimm sei, dann ist der Zusatzurlaub mit einer Entschuldigung und Geldstrafe abgegolten.

Es sind allerdings auch Neuzugänge in der Mannschaft, bei denen Caiuby noch gar kein Standing haben kann, die vielmehr Konkurrenten um seine Position sein können und die sich evtl. verwundert die Augen reiben werden, was da so abgeht, bzw. sollte C. statt ihrer spielen schnell resignieren könnten: Da ist der Platzhirsch, an dem man eh nicht vorbeikommt, weil beliebt in der Mannschaft.

Dass eine fristlose Kündigung zum Schaden des Vereins ist, sollte allerdings von der FIFA ausgeschlossen werden, sonst könnte sich wechselinteressierte Spieler auf diese Weise leicht in eine für sie günstige Position bringen. Zu denken wäre da an eine längerfristige Sperre.

Im Übrigen müsste ein Spieler, dem fristlos gekündigt wird, wenn die Kündigung arbeitsrechtlich Bestand hat, eigentlich seinem AG schadensersatzpflichtig sein (Schaden = Verlust von Transfererlös)

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13.07.2018

Von "sollte" und "müsste" kann sich Herr Reuter leider nichts kaufen. Und die neuen Spieler können sich am Beispiel Caiubys abschauen, dass es beim FCA etwas bringt, wenn man sich für den Verein mit voller Kraft einsetzt. Dass Caiuby nun aber auch weiterhin liefern muss, dürfte ihm klar sein. Und allen anderen auch.

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13.07.2018

Wie kommt Herr Graf darauf, dass die Strafe "geradezu milde" ist? Er kennt die Höhe der Geldstrafe doch gar nicht, oder? Die nächste Eskalationsstufe wäre wohl ein Rausschmiß des Spielers gewesen. Wäre das angemessen in Anbetracht der Verdienste Caiubys und des absehbaren finanziellen Schadens für den Verein? Graf schreibt ja selbst, dass die Fälle Caiuby und Opare nicht zu vergleichen seien. Warum tut er es dann und fordert indirekt diesselbe Strafe? Darüber hätte er vielleicht vor der Verfassung seines Kommentars besser nochmal nachdenken sollen.
Reuter macht es genau richtig: Er behandelt unterschiedliche Dinge unterschiedlich und spielt nicht den Dogmatiker, immer das Wohl des Vereins im Blick. Damit schwächt er nicht seine Glaubwürdigkeit, sondern er erhöht sie. Intern hat er sicher die richtigen Worte gefunden.

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12.07.2018

All dessen war sich Reuter sicher bewusst, davon können wir ausgehen. Er hat sich die Entscheidung auch nicht leicht gemacht,
aber ohne finanzielle Abwägung geht es halt nicht im Profi Bereich.
Entscheidend ist die Mannschaft, ob sie Caiuby die Entschuldigung abnimmt und an ihm, ob sich weiter den Hintern für die Mannschaft aufreißt.

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13.07.2018

k.brenner
Da bin ich völlig Ihrer Meinung. Außerdem weiß man ja nicht, ob eine fristlose Kündigung nicht sogar sich zu einem Vorteil für den Spieler entwickelt hätte. Er hätte problemlos einen lukrativeren Vertrag bei Konkurrenten haben können. So bleibt er gebunden und kann, wenn er bockt oder nicht um Entschädigung für sein indiskutables Verhalten bemüht ist, schnell auch auf die Tribüne verfrachtet werden.

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