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Der FCA geht mit dem Luthe-Abgang ein hohes Risiko ein

Kommentar Von Florian Eisele
03.08.2020

Plus Andreas Luthe verlässt den FC Augsburg. Aus wirtschaftlicher Sicht mag das sinnvoll sein - die Folgen dieses Wechsels sind jedoch hochexplosiv.

Dass der FC Augsburg in sein zehntes Jahr Bundesliga geht - zu einem gewissen Teil ist das auch der Verdienst von Andreas Luthe. Der Torwart zeigte nach dem Re-Start der Bundesliga konstant gute Leistungen, rettete zum Beispiel den wichtigen 1:0-Sieg bei Konkurrent Mainz 05. Dass die zuvor wackelige Abwehr zum Saisonfinale hin allgemein besser stand, lag zu großen Teilen an der Sicherheit, die der 33-Jährige ausstrahlte. Seit dem Trainingsstart des FC Augsburg ist klar: Luthe wird in der kommenden Saison nicht mehr beim FCA spielen. Es ist ein Transfer, der noch für viel Wirbel sorgen könnte.

Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist der Transfer sinnvoll: Geschäftsführer Stefan Reuter muss den XXL-Kader reduzieren, auch nach dem Abgang von Luthe und Fabian Giefer stehen mit Rafal Gikiewicz, Tomas Koubek und Nachwuchs-Keeper Benjamin Leneis drei Torhüter unter Vertrag, insgesamt umfasst der FCA-Kader immer noch 37 Spieler. Nach den zuletzt guten Leistungen ist Luthe der Torhüter, für den es am Transfermarkt die meisten Interessenten geben dürfte. Ein Wechsel von Tomas Koubek, der vor einem Jahr für 7,5 Millionen Euro geholt wurde und noch einen vier Jahre laufenden Vertrag hat, wäre für den FCA wohl mit herben finanziellen Verlusten verbunden gewesen.

Für Luthe öffnen sich mit dem Wechsel auch neue Perspektiven: Bei seinem neuen Verein Union Berlin stehen die Chancen gut, dass Luthe als Stammtorwart in die neue Saison geht - es ist ein Vertrauen, das ihm die sportliche Leitung des FC Augsburg nie ausgesprochen hatte. So weit, so gut? Eben nicht.

Rafal Gikiewicz zeigt im Tor des FC Augsburg bislang starke Leistungen.
28 Bilder
Das ist der FCA-Kader für die Saison 2020/21
Bild: Tim Groothuis, Witters

Andreas Luthe schärfte außerhalb des Platzes das Profil des FC Augsburg

Aus sportlicher Sicht ist das Risiko, das der FC Augsburg eingeht, aber enorm: Denn Luthe war in vielerlei Hinsicht ein wertvoller Profi für den FCA. Der Ex-Bochumer nahm seinen Status als Nummer zwei klaglos hin, akzeptierte es immer wieder, dass ihm andere Torhüter wie Giefer, Kobel, Koubek oder nun Gikiewicz vorgezogen wurden. Wenn er gefordert wurde, lieferte er gute Leistungen ab. Zudem schärfte er auch außerhalb des Platzes das Profil des FC Augsburg: Der 33-Jährige engagiert sich sozial im Verein "In safe Hands", dessen Mitbegründer er ist.

Künftig wird das Torhütergespann des FC Augsburg also Gikiewicz und Koubek heißen - es ist eine Kombination, die Zündstoff verspricht. Knifflig wird es dann, wenn die neue Nummer eins Gikiewicz nicht sofort sportlich überzeugt. Der Pole muss sich wie alle Profis bei einem neuen Verein erst einmal zurechtfinden. Sollte das nicht klappen oder er verletzungsbedingt ausfallen, müsste Koubek wieder ins Tor zurück.

Luthe reiste unentschuldigt zum Gesundheitscheck bei Union Berlin

Bei den Fans FC Augsburg brodelt es ohnehin: Baier und Luthe waren bei den Augsburger Anhänger geschätzt. In einem Online-Voting unserer Redaktion hatte eine klare Mehrheit sogar für Luthe als neuen Spielführer abgestimmt - bisher war Baier FCA-Kapitän gewesen. So beliebt Baier und Luthe bei den Fans sind - mit der Führungsriege des FC Augsburg hat es jedoch ordentlich gekracht: Luthe soll beim Gehaltsverzicht der Profis vorgeschlagen haben, dass Präsident Klaus Hofmann den Differenzbetrag aus eigener Tasche zahlen soll - ein Vorschlag, der wenig überraschend auf keine Gegenliebe stieß.

Atmosphärische Störungen hat es zwischen dem Torwart und der Vereinsführung offenbar schon länger gegeben. Dass Luthe auch deutlich anders kann, zeigte dies: Beim Trainingsauftakt des FC Augsburg fehlte er und reiste ohne Genehmigung des Vereins zum Gesundheitscheck zu Union Berlin. Dass Luthe sich auf Twitter und Instagram schon verabschiedete, bevor ein Vertrag unterschrieben war, dürfte in der Führungsriege des FCA für Kopfschütteln gesorgt haben.

Stefan Reuter und Heiko Herrlich gehen nun vor dem ersten Pflichtspiel des FC Augsburg mit einem gehörigen Manko in die neue Saison: Innerhalb von knapp zwei Wochen haben mit Baier und Luthe zwei Aushängeschilder den Verein verlassen. In Leserbriefen an unsere Redaktion und in den Online-Kommentarspalten üben viele heftige Kritik an der sportlichen Leitung des FCA.

Auch innerhalb der Mannschaft des FC Augsburg brodelt es

Auch innerhalb der Mannschaft regt sich offenbar schon seit längerem Unmut. Der Vorwurf: Während der bisherige Kader auf zehn Prozent seines Gehalts verzichtete, zog der FCA während der Corona-Pause die sieben Millionen Euro hohe Kaufoption auf Verteidiger Felix Uduokhai. Zudem ist das neue Trio Gikiewicz, Tobias Strobl (Gladbach) und Daniel Caligiuri (FC Schalke 04) zwar ablösefrei gekommen, soll aber Handgeld bekommen haben. Vor allem Caligiuri, der ein unterschriftsreifes Angebot des FC Schalke auf Verlängerung seines Vertrags ablehnte, soll der neue Topverdiener des FC Augsburg sein.

In diesen Tagen wirkt es, als ob die Verantwortlichen des FC Augsburg auf einem Pulverfass sitzen. Geht der sportliche Start daneben, kann es schnell zum Knall kommen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

04.08.2020

@Hans M.
Natürlich haben Sie recht, dass Ungereimtheiten und Fehler angesprochen werden müssen. Aber eben auf der Basis von Fakten.
Wenn Herr Eisele die ein oder andere Vermutung in den Raum stellt, die seiner Meinung nach zutreffen SOLL, und Sie dann GLAUBEN, dass da schon was dran sei, sind wir bei einem Musterbeispiel wie man Vermutungen zu angeblichen Tatsachen hochjubelt.
Mit "soll" und "glauben" kann man alles Mögliche behaupten, aber bestimmt nicht wirklich ein seriöses Bild der Lage bekommen.

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03.08.2020

".....soll Handgeld bekommen haben...."
"......soll der Topverdiener sein...."

Sehr geehrter Herr Eisele,
sehen Sie Ihre Aufgabe darin, unausgegorene, vom Hörensagen aufgeschnappte Vermutungen unter das Volk zu bringen, um die gegenwärtig ohnehin bereits schwierige Situation beim FCA noch etwas zu befeuern?
Das mag der Auflage dienen, aber guter Journalismus sollte mit fundiert recherchierten Fakten arbeiten.

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03.08.2020

Die Stellung Luthes wird in diesem Kommentar völlig überhöht. Er ist ein ordentlicher Torhüter, nicht mehr und nicht weniger. Zeigt Gikiewicz das, was er bei Union letzte Saison gezeigt hat, wird Luthe schnell vergessen sein.
Was wäre wohl für ein Geschrei ausgebrochen, wenn Reuter die Kaufoption für Uduokhai nicht gezogen hätte? Und einen Klassemann wie Caligiuri gibt es eben nicht umsonst. Für bestimmte "Fans" scheint Reuter nichts mehr richtig machen zu können. Der FCA muss wohl erst absteigen, damit diese Leute erkennen, welch gute Arbeit in den letzten Jahren in Augsburg geleistet wurde.

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04.08.2020

Vielleicht sollte man in der Führung mit etwas mehr "Gespür" vorangehen. Man kann nicht "Wasser predigen und selbst Wein trinken". Auf der einen Seite sollen die Spieler auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, auf der anderen Seite verpflichtet man gleichzeitig neue Spieler mit teilweise höheren Gehältern. Glaube nicht, dass hier nur unausgegorene Gerüchte in die Welt gesetzt werden! Gerade in letzter Zeit "passieren" sehr viele Ungereimtheiten in der sportlichen Führung, das soll und muss man ansprechen! Reuter hat am Anfang und auch lange Zeit danach sehr viele beim FCA in Bewegung gebracht, allerdings geht's in letzter Zeit bergab, Fehleinkäufe und auch was die Stimmung in der Mannschaft anbelangt. Das gibt Anlass zur Sorge.

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