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Frauenfußball-WM

17.06.2019

Die gelbe Wand: Christiane Endler zeigt das hohe Niveau der Torhüterinnen

Das Niveau der Torhüterinnen bei der Weltmeisterschaft ist gestiegen. Die deutschstämmige Christiane Endler, Kapitänin Chiles, fällt besonders positiv auf.
Bild: imago images / AFLOSPORT

Plus Niemand verkörpert das gestiegene Niveau der Torhüterinnen besser als die deutschstämmige Christiane Endler aus Chile. Nur der asiatische Kontinent hinkt hinterher.

Sportlich war Christiane Endler bereits in jungen Jahren. Tennis, Schwimmen, Hockey, Basketball, Volleyball oder Gymnastik: nichts, was die Chilenin mit deutschem Pass in jungen Jahren nicht ausprobiert hätte. Als sich die Tochter eines deutschen Vaters  dann in Santiago de Chile im Fußball versuchte, spielte sich zunächst in der Verteidigung. Bis Marco Cornez, Chiles Reservetorwart bei der WM 1982, in dem athletischen wie beweglichen Teenager eine ideale Torhüterin entdeckte. Der Mann hat ein gutes Gespür bewiesen.

Endler zeigte die bisher beste Leistung

Bei dieser WM hat es noch keine bessere Torwartleistung gegeben, als jene der chilenischen Kapitänin im zweiten Gruppenspiel am Sonntag gegen die USA (0:3). Vor allem in der zweiten Halbzeit schien der Rekordweltmeister gegen eine gelbe Wand zu spielen. Die 27-Jährige drehte im Hechtsprung nicht nur einen Kopfball von Christen Press sagenhaft um den Pfosten, sondern wehrte sich mit Händen und Füßen. Die 1,82-Meter-Frau schien es zeitweise alleine mit dem übermächtigen Gegner aufzunehmen. Sie griff bei Flanken  beherzt zu und behandelte den Ball auch bei Rückpässen gekonnt. Als wollte sie der Welt zeigen, warum sie oft mit Manuel Neuer verglichen wird, wo ihr Vorbild doch früher Oliver Kahn gewesen ist. Einerlei: dass deutsche Gene bei einer solch exzellenten Torwart-Darbietung mit im Spiel waren, kann die Welt kaum überraschen.

Nicht nur der vollbesetzte Pariser Prinzenpark verneigte sich, sondern auch die Fans, die beim „player of the match“ (Spielerin des Spiels) abstimmten. Gemeinhin hätte Doppeltorschützin Carli Lloyd, bald 37, diese Auszeichnung eingesackt, aber die Wahl fiel auf Endler, die wie eine Weltmeisterin gehalten hatte, obwohl sie es mit ihrem Land nie werden kann. „Die Fußballweltmacht USA hat gegenüber uns jahrelange Vorteile bei der Entwicklung und Förderung des Frauenfußballs. Ich bin traurig über die Niederlage, aber glücklich über meine Leistung.“ Ihr fiel es schwer, „in diesem Stadion, in dem ich zu Hause bin“, ihre Gefühle zu beschreiben, sagte sie auf der Pressekonferenz. Endler hält seit 2017 für Paris St. Germain.

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Damit bestätigte sie ihre Ausnahmestellung, die dem deutschen Torwarttrainer Michael Fuchs bereits kürzlich beim Testspiel gegen den WM-Neuling Chile (2:0) auffiel. Eine zweite Südamerikanerin, Vanina Correa aus Argentinien, würde der gebürtige Nürnberger bei der Aufzählung der prägenden Gestalten dieses Turniers gerne hinzunehmen. Ähnlich wie Endler ist auch Correa groß genug (1,80 Meter), um bei hohen Bälle keine natürlichen Nachteile zu haben. Ihre Bravourtaten mit 35 Jahren nach einer sechsjährigen Auszeit wegen der Geburt ihres Kindes sind  beachtlich. Argentinien, auch wegen hanebüchener Torwartpatzer noch bei der WM 2007 von Deutschland rekordreif vermöbelt (0:11), konnte sich sowohl gegen Japan (0:0) und England (0:1) auf einen echten Rückhalt verlassen

Das Niveau der Torhüterinnen ist gestiegen

Generell hat sich zwischen den Pfosten etwas getan. „Das Niveau an sich ist angestiegen, es wird immer besser“, sagt Fuchs, der mit einer zweijährigen Unterbrechung seit 2007 für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft arbeitet und inzwischen auch für die Ausbildung der Torhüterinnen der U-Teams verantwortet. Der 49-Jährige beobachtet mit Wohlgefallen, was er immer gefordert hat: dass andere Kontinente diese Problematik gewissenhaft abarbeiten. „Grundsätzlich sind wir auf einem guten Weg, dass diese Position auch im Training nicht mehr stiefmütterlich behandelt wird.“

Augenfällig sind für Fuchs die Fortschritte auch bei Afrikas Vertretern. Und die Reggae Girlz aus Jamaika haben für ihn ein Talent im Tor: Die 19-jährige Sydney Schneider segelte zwar gegen Italien (0:5) böse an einer Flanke vorbei, aber ihre Anlagen sind so gut, dass sich englische Vereine nun nach der an der Universität in North Carolina spielenden Jamaikanerin erkundigt haben. Nachholbedarf sieht Fuchs bei den asiatischen Teams, „wo wir Torhüterinnen sehen, denen die Körperlichkeit fehlt und die teilweise nicht gut ausgebildet sind.“

Endlers Leistung ist wichtig für den Sport

Thailands Torfrau Sukanya Chor Charoenying, 31 Jahre alt, 165 Zentimeter klein, gab in der Flut der Gegentore gegen die USA (0:13) und Schweden (1:5) eine bemitleidenswerte Figur ab. Gerne werden dann aus solch hilflosen Aktionen  generelle Rückschlüsse auf das Niveau im Frauenfußball abgeleitet. „Es ist ein bisschen schade, dass dann sofort eine Negativkette geknüpft wird“, findet Fuchs. Er würde sich das Gegenteil wünschen: „Diejenigen, die sich abfällig äußern, würden wir die Munition nehmen, wenn wir die individuelle Klasse auf dieser Position herausstellen können.“ Insofern waren Endlers Prachtparaden von Paris schön und wichtig.

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