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Familienausflug in Augsburg
19.10.2021

Mit Kindern ins Handwerkermuseum

Mit Kindern macht der Besuch besonders viel Spaß: Das Schwäbische Handwerkermuseum in Augsburg liegt am Roten Tor, eingebettet ins UNESCO-Weltkulturerbe.

Pauline und Luise sind schon ganz neugierig. Heute geht es mit ihrer Mama ins Schwäbische Handwerkermuseum in Augsburg. Ein bisschen suchen müssen sie, es ist nicht sehr plakativ ausgeschildert. Doch hinter den Wassertürmen am Roten Tor, eingebettet ins UNESCO-Weltkulturerbe, werden sie schließlich fündig.

Elias Holl, Hans Holbein der Ältere und Caspar Walter im Handwerkerhof

Der Handwerkerhof vor dem Museum ist für sich genommen schon ein kleines Idyll – eine grüne Oase mitten in der Stadt. Die beiden Mädchen toben, die Mama bewundert die Kunstwerke der Installation „Handwerk gibt Heimat ein Gesicht“. In sieben weiß lasierte Sperrholzplatten hat Kunstbildhauer Michael Messer, gleichzeitig auch Leiter des Schwäbischen Handwerkermuseums, die Silhouetten namhafter heimatlicher Handwerker gesägt. Der Maler und Künstler Hans Holbein der Ältere, der Baumeister Elias Holl oder auch der Brunnenmeister Caspar Walter sind dort zu entdecken. Sie alle gaben Augsburg das Gesicht, das es heute noch stolz trägt.

Eines der Kunstwerke aus dem Handwerkerhof: der "fliegende Schuster" Salomon Idler, vor dem Wasserturm am Roten Tor.
Foto: Michael Messer

Eine kleine unscheinbare Holztür führt dann ins Innere des Museums. Gegenüber des Eingangs entdecken Pauline und Luise gleich die ersten Ausstellungsstücke. Pinsel, Farbpigmente und feinste Werkzeuge zeigen ganz klar: „Das braucht ein Maler“, weiß die sechsjährige Luise. Gemeinsam erkundet die Familie den Ausstellungsraum im Erdgeschoss und bestaunt dort die aufwendig geformten Hüte und schmuckvollen Hauben der Hutmacher.

Die nächste Vitrine ist den Friseuren und Badern gewidmet. Die Mädchen kichern über den Dauerwellenapparat. Es sieht schon sehr abenteuerlich aus, wie die einzelnen Lockenwickler an den Kabeln hängen. Schere und Kamm haben sich im Laufe der Zeit nicht viel verändert, erstaunlich aber ist, dass es früher auch schon Rasiermaschinen gab. Nicht elektrisch und mit verschiedenen Aufsätzen wie heute, aber vom Prinzip her identisch. Viele kleine Scheren werden gegeneinander verschoben – nur wurde die Maschine früher per Hand betrieben.

Missglücktes Frisuren-Experiment im Corona-Lockdown

„Mama, weißt du noch, als du dir die Haare im Lockdown ganz, ganz kurz geschnitten hast?“, will Pauline wissen. „Deine Haarschneidemaschine sah ja genauso aus!“ Die Mama nickt – und ist insgeheim froh, dass die Lockdown-Frisur-Experimente ein Ende haben und sie wieder zu ihrer Friseurin gehen kann, die ihr Handwerk versteht.

Ein Schuhmacher bei der Arbeit. So kunstvoll und einzigartig sind die Schuhe der beiden Mädchen nicht.
Foto: Melanie Lieberer

Kleine Schuhe, große Schuhe, Ahle, Messer, Holznägel und eine lebensgroße Puppe im nächsten Schaukasten zeigen die Arbeit eines Schuhmachers. Die Mädchen gucken auf ihre eigenen Schuhe: Massenware von der Stange – kein Vergleich zu den fein gearbeiteten Fußbekleidungen früherer Zeiten.

Beim Anblick der Konditorin bekommt Luise Appetit auf Schokolade.
Foto: Melanie Lieberer

Nächste Station ist dem Konditorenhandwerk gewidmet. Besonders die schokoladenbegeisterte Luise kann sich hier nicht sattsehen. Formen für Kuchen, Pralinen und Eis gibt es hier in jeder nur vorstellbaren Ausführung: die Klassiker Guglhupf und Osterlamm, aber auch feinst geschnitzte Gussformen für Pralinés. Beim Gedanken an Kuchen und Schokolade leckt sich Luise die Lippen. „Mama, hast du...?“ Nein, die Mama hat keine Schokolade dabei. Sie zeigt den Mädchen die Eismaschine von anno dazumal. Begeistert kurbeln die beiden und schauen nach, wie sich der Behälter im Inneren des Fasses dreht. Auch hier: im Prinzip dasselbe, was moderne Eismaschinen auch machen.

Video von Vinyl - Vorläufer von Videorekorder und DVD-Player

Über eine Holztreppe und vorbei an schmiedeeisernen Werken geht es für die drei in den ersten Stock. Dort kommt bei den Mädchen kurz Langeweile auf. Alte Fernseher, alte Radios – das kennen sie heute ganz anders. Die Mama aber staunt gewaltig: Da steht tatsächlich ein Gerät zum Abspielen von Vinylplatten. Das Besondere daran: Ausgegeben wird nicht Musik, sondern ein Video. Ein Vorläufer des Videorekorders oder DVD-Players also. Die Platte vom Fußballspiel Deutschland – Italien aus dem Jahr 1970 steht beispielhaft dabei.

Wie die verschiedenen Garne die Schnur umwickeln, lässt die Posamentier- oder Klöppelmaschine an den Tanz in den Mai erinnern.
Foto: Melanie Lieberer

Farbenprächtig und auch für die Mädchen wieder spannend geht es dann bei den Webern, Tuchmachern und Posamentierern weiter. Besonders die Posamentiermaschine macht Eindruck. Verschiedenfarbige Garnrollen auf einer festgelegten Bahn umwickeln kunstvoll eine schlichte Schnur. Das Ergebnis: eine farbenprächtige Kordel. Pauline und Luise finden es schade, dass man sie nicht in Aktion sehen kann. Die Mama auch, der Aufbau erinnert sie ein bisschen an den Tanz in den Mai, wo viele verschiedene Tänzer bunte Bänder um den Maibaum schlingen.

Vorbei am prächtigen Webstuhl und hinter der gewaltigen Papierschneidemaschine bleiben die Mädchen stehen. Ein Papierbinder ist dort bei der Arbeit zu sehen. Bleibuchstaben, Buchpresse, ein halb fertiges Buch und noch viele weitere Ausstellungsstücke zeigen, wie viel Handarbeit es früher war, bis ein Buch entstand. „Irre“, sagt Leseratte Pauline. Ihren Bücherbedarf könnte ein einzelner Buchbinder wahrscheinlich nicht stillen.

Nicht nur Anschauungs-, sondern auch Anfassobjekt: Die Eismaschine sorgt bei Pauline und Luise für großen Spaß.
Foto: Melanie Lieberer

Gutes Handwerk ist von Dauer

Im zweiten Ausstellungsraum im ersten Stock stehen die imposanten Werke von Schlossern den filigranen Arbeiten von Uhrmachern, Goldschmieden und Gürtlern gegenüber. So kleine Werkzeuge, so fein gearbeitete Kunstwerke, jeder Ring, jede Brosche, jedes Uhrwerk ein Unikat. Den Abschluss bildet eine Näherin an einer fußbetriebenen Nähmaschine. „So eine steht doch auch bei Oma im Keller“, bemerkt Pauline. Stimmt. „Und die funktioniert sogar noch“, sagt die Mama. Sie hat es vor Jahren einmal ausprobiert. Die elektrisch betriebene war ihr aber dann doch lieber.

Wie so vieles im Handwerkermuseum ist auch die ausgestellte Nähmaschine eine Spende von privat. Innungen, Erben von früheren Handwerksmeistern und Bestände aus aufgelösten Betrieben bestücken die Ausstellung. Alle gezeigten Teile sind Originale, die zum Teil sogar noch funktionieren. Gutes Handwerk ist eben von Dauer.

Für Pauline, Luise und ihre Mama ist es jetzt Zeit zu gehen, um fünf Uhr schließt das Museum. Kleiner Wermutstropfen: Die Ausstellung der Zimmerer, Schreiner und Wagenbauer im Nebengebäude haben sie zeitlich nicht mehr geschafft. „Können wir dafür noch mal herkommen?“, bittet Pauline. Auf jeden Fall!

Alles Infos zum Schwäbischen Handwerkermuseum auf einen Blick:

Geschichte des Handwerkermuseums Die Handwerkskammer für Schwaben ist deutschlandweit die einzige, die ein eigenes Museum betreibt und darin die Geschichte und Vielfalt der in ihr vereinten Berufe präsentiert und bewahrt. Das macht das Schwäbische Handwerkermuseum einmalig. Schon allein das Gebäude, in dem das Museum beheimatet ist, ist Geschichte pur. Das ehemalige Brunnenmeisterhaus hinter dem Heilig-Geist-Spital wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. In den 1980er-Jahren nahm sich die Handwerkskammer des Gebäudes an und sanierte es nach historischem Vorbild und strengen Auflagen des Denkmalschutzes. Der schmale Hof verhinderte den Einsatz von Baufahrzeugen, Kränen und schwerem Gerät. Wie in früheren Zeiten rückten die Handwerker mit Hammer und Pickel an. 1985 dann wurde das Museum eröffnet.
Der fliegende Schuster Salomon Idler - Ausstellung im Handwerkerhof Die Legende von Ikarus, der mit seinen Wachsflügeln zu nah an die Sonne flog, kennt fast jedes Kind. Die Augsburger haben ihren eigenen Ikarus, sein Name: Salomon Idler. Selbstverständlich hat er es nicht bis zur Sonne geschafft. Auch hat er seinen Flugversuch mit selbst gebauten Flügeln – anders als Ikarus – glücklicherweise überlebt. In die Geschichte ist er trotzdem eingegangen, als „Fliegender Schuster“. Denn neben seiner Leidenschaft fürs Fliegen war Salomon Idler vor allem eines: ein Handwerker. Deshalb ist er auch Teil der Dauerausstellung im Hof vor dem Schwäbischen Handwerkermuseum in Augsburg.
Öffnungszeiten, Eintritt  & Führungen

Montag und Dienstag 9 bis 12 Uhr

Montag bis Freitag 13 bis 17 Uhr

Sonn- und Feiertag 10 bis 17 Uhr

Samstags ist geschlossen, außer an den ersten Samstagen der Monate April bis September.

 

Der Eintritt ist kostenlos. Führungen können gegen Gebühr gebucht werden.

Kontakt

Schwäbisches Handwerkermuseum

Beim Rabenbad 6

86150 Augsburg

 

Telefon (0821) 3259-1270

 

Homepage: www.hwk-schwaben.de/museum

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