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Wertingen

17.05.2015

Der Marktsonntag in Wertingen ist kein Auslaufmodell

Vom Magenbrot bis zur Zuckerwatte, vom Gürtel bis zum Hut – auf dem Wertinger Jahrmarkt gab es viel zu kaufen. Hier probiert Sandra Stangl bei Hut-Fachhändlerin Monika Schwarz aus Öpfingen (Alb-Donau-Kreis) eine Schildmütze an. Die Eltern Sonja und Anton Stangl aus Blindheim überlegen noch, ob sie der Kleinen die Mütze kaufen sollen.
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Vom Magenbrot bis zur Zuckerwatte, vom Gürtel bis zum Hut – auf dem Wertinger Jahrmarkt gab es viel zu kaufen. Hier probiert Sandra Stangl bei Hut-Fachhändlerin Monika Schwarz aus Öpfingen (Alb-Donau-Kreis) eine Schildmütze an. Die Eltern Sonja und Anton Stangl aus Blindheim überlegen noch, ob sie der Kleinen die Mütze kaufen sollen.
Bild: Berthold Veh

Etwa 100 Händler und Tausende von Besuchern kamen in die Zusamstadt. Händler erklären, was ihnen gegenwärtig am meisten zu schaffen macht.

Immer wieder ist vom Sterben der Jahrmärkte zu lesen. Von Händlern, die hinter vorgehaltener Hand über sinkende Umsätze klagen. Und von Kommunalpolitikern, die wegen des mageren Angebots an den Ständen die Nase rümpfen. In Wertingen scheint dies anders zu sein. Etwa 100 Händler bieten am Marktsonntag in der Hauptstraße und der Augsburger Straße ihre Waren an. Vom Gürtel bis zur Geldbörse, von der Sonnenbrille bis zum Staubsauger reicht die Fülle des Angebots. Regina Weinschenk aus Fichtenau bei Dinkelsbühl ist schon seit 40 Jahren auf Märkten unterwegs und seit Jahrzehnten auch in Wertingen. „Ein kleiner, aber feiner Markt“, sagt sie und streicht mit der Hand über eine Küchenschürze. Sonderpreis, versteht sich. „Die Umsätze haben sich verringert“, berichtet Weinschenk. Die großen Handelskonzerne machten den Fieranten das Leben schwer. „Aber wir halten an dieser Tradition fest, so lange wir können“, betont die Händlerin. Denn das Geschäft rentiere sich noch immer. „Sonst wären wir ja nicht hier“, sagt Weinschenk.

Ein paar Schritte weiter verkauft Monika Schwarz aus Öpfingen (Alb-Donau-Kreis) Hüte. Die kleine Sandra, die mit ihren Eltern Sonja und Anton Stangl und den Geschwistern Fabian und Michael aus Blindheim nach Wertingen gekommen ist, probiert eine Schildmütze an. Schwarz sagt, sie sei mit ihrem Geschäft stark vom Wetter abhängig. „Im Winter muss es kalt sein, im Sommer heiß.“ Wenn die Sonne vom Himmel brennt, decken sich die Menschen mit Strohhüten ein. Seit 20 Jahren ist die Händlerin aus Öpfingen unterwegs, inzwischen habe sie viele Stammkunden.

Den Marktbummel genießen auch Martin und Sonja Neumann aus Wertingen. An der Schweinchenbahn kommen die Eltern mit ihrem Sohn Jonas nicht vorbei. „Der Wertinger Markt ist eine schöne Tradition. Und wenn man kleine Kinder hat, dann ist der Marktbesuch ein ideales Programm“, sagt Martin Neumann. Matthias Kurkowsik, der das Bähnle fahren lässt, ist zufrieden. In Wertingen laufe das Geschäft immer gut. Die Spielwaren-Händler Richard und Annemarie Hacker aus dem Buttenwiesener Gemeindeteil Pfaffenhofen sehen die Sache nicht euphorisch. „Überall sind die Umsätze zurückgegangen, die Leute haben nicht mehr das Geld“, sagt Annemarie Hacker. Zum Glück brauche man kein fremdes Personal, sagt die Händlerin. „Sonst ging es nicht mehr.“

Viele Wertinger Geschäfte öffnen am Marktsonntag. Auto Langer hat dem Firmensitz für einen Tag verlagert und einige Wagen zum Zusamkreisel gefahren. „Wir werden heute wohl keine drei Autos verkaufen“, sagt der Geschäftsführer des Fiat-Autohauses Langer, Anton Wenninger. „Wir wollen aber, dass uns die Kunden sehen, das ist gut fürs Image“, erklärt er. Bei Tausenden von Marktbesuchern sei dies eine Werbung, die nachhaltig wirke.

Auf Nachhaltigkeit setzt auch die Krankenkasse AOK, die mit einer Fahrrad-Kornpresse für ein gesundes Frühstück und ausreichend Bewegung wirbt. Der Teamleiter Privatkunden im Landkreis Dillingen, Bernd Meier, ist vom Sinn der Aktion überzeugt. Vertreten ist auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Wertingen. Die Vorstandsmitglieder Birgit Bölle und Patrizia Müller haben ein Ziel. „Wir wollen unser vielfältiges Angebot bekannt machen.“ Engagiert für ihr Anliegen werben auch Mitglieder des Aktionsbündnisses „Stoppt den Saustall!“, die am gemeinsamen Stand mit dem Tierheim Höchstädt gegen die Massentierhaltung kämpfen. Es gebe viel Zuspruch, sagt Gabi Reitenauer. Einige Landwirte hätten aber auch deutlich ihr Unverständnis bekundet – mit dem Hinweis, dass es ihren Tieren gut gehe.

Mit einem Lächeln marschiert der Marktorganisator der Stadt, Helmut Gumpp, die Hauptstraße hinab. Er treibt noch ausstehende Standgebühren ein und freut sich über den Aufmarsch von Tausenden Besuchern. „In Wertingen ist der Markt kein Auslaufmodell“, sagt er. Angesichts der Konkurrenz in anderen Kommunen sei die Zahl von etwa 100 Händlern beachtlich.

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