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Pfingsten

19.05.2018

Die Kirche feiert Geburtstag

Die Taube, wie an der Decke der Kanzel in der Kirche in Modelshausen, gilt als Symbol des heiligen Geistes. Dank ihm verstehen die Menschen, was es mit Jesu Tod und seiner Auferstehung auf sich hat und können sich trotz unterschiedlicher Sprachen gegenseitig davon erzählen.
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Die Taube, wie an der Decke der Kanzel in der Kirche in Modelshausen, gilt als Symbol des heiligen Geistes. Dank ihm verstehen die Menschen, was es mit Jesu Tod und seiner Auferstehung auf sich hat und können sich trotz unterschiedlicher Sprachen gegenseitig davon erzählen.
Bild: Konrad Friedrich

Die eigene Spiritualität ist nur ein Baustein. Das christliche Pfingstfest hat viel mit Kommunikation zu tun. Ein Gespräch mit Wertingens Pfarrerin Ingrid Rehner

An Weihnachten feiern Christen die Geburt Jesu, an Ostern seine Auferstehung. Und an Pfingsten? Wir erkundeten mit Wertingens 47-jähriger evangelischer Pfarrerin Ingrid Rehner, was es mit dem Pfingstfest auf sich hat.

Frau Rehner, kann man das Pfingstfest mit einfachen Worten zusammenfassen?

Ingrid Rehner: Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche.

Unterscheiden sich da der katholische und evangelische Glauben?

Rehner: Nicht dass ich wüsste.

Die Kirche feiert Geburtstag? Können Sie uns das näher erklären?

Rehner: Unter Kirche ist nicht nur das Gebäude zu verstehen, sondern auch die Gemeinschaft der Christen mit Christus als Herr der Kirche. Der andere Aspekt des Pfingstfestes ist die Sendung des heiligen Geistes. Die Leute spüren die Nähe Gottes, auch wenn sie ihn nicht sehen. Dank dieser inneren Kraft konnten die Menschen rausgehen und erzählen, was geschehen ist. Und Geburtstag der Kirche deswegen, weil die Entstehung der Kirche auf dem Weitererzählen beruht.

Damit bleibt die Pfingstbotschaft keineswegs beim Spüren des göttlichen Funkens stehen...

Rehner: Genau. Das Göttliche in uns ermutigt uns rauszugehen. Gottesbeziehung beinhaltet immer auch Gemeinschaft – mit mir selbst und mit anderen Menschen. Pfingsten hat sehr viel mit Worten, reden und erzählen zu tun.

Mit Menschen, die sich plötzlich verstehen...

Rehner: Die Apostelgeschichte erzählt uns, dass Leute aus allen möglichen Ländern an einem Ort in Jerusalem zusammengekommen sind, und sie sich, als der heilige Geist über sie kam, plötzlich verstehen, obwohl sie in verschiedenen Sprachen sprechen. Da ist etwas nicht Spürbares und Sichtbares, das sich mit Worten verbindet, so dass wir über den Glauben sprechen können.

Demnach brauchen Menschen einen Austausch?

Rehner: Wenn jeder versucht, das Göttliche nur in sich zu spüren, bleibt es bei der Spiritualität und die Kirche geht ein.

Was haben die Menschen sich denn zu erzählen?

Rehner: Nach der Apostelgeschichte sind Menschen aller möglichen Richtungen zusammengekommen – Christen, Juden und Heiden. Die Christen haben die Auferstehung Jesu weitererzählt und was diese für sie bedeutet. Die Erlösung durch Christus macht schließlich den christlichen Glauben aus.

Was bedeuten für Sie die Auferstehung und Erlösung Jesu?

Rehner: Auf alle Fälle ein Stück Befreiung und Liebe. Ich finde es toll zu wissen, es gibt da jemanden, dem ich wichtig bin, der mich liebt und mir hilft. Der mir klar macht, dass es jederzeit einen Neuanfang gibt. Dass es um Vergebung geht, uns selbst und anderen gegenüber. All unsere Unzulänglichkeiten sind zwar ein unangenehmes Thema, doch begleiten sie uns im Leben. Vergebung zu üben ist sehr wichtig für den Frieden in der Welt – im Kleinen und im Großen.

In Wertingen beten Menschen allwöchentlich gemeinsam für den Frieden. Sehen Sie darin auch einen Bezug zum Pfingstfest?

Rehner: Das Kraftholen und Bitten im Gebet ist ein Baustein. Auch die Jünger saßen an Pfingsten zusammen und haben gemeinsam gebetet und in den Schriften gelesen. In ihrem Beten haben sie den heiligen Geist empfangen. Doch Pfingsten ist erst dann, wenn wir erzählen, uns mit anderen austauschen und im Sinne Jesu handeln. Ich wünsche mir, dass wir auch in den Familien wieder viel mehr über den Glauben sprechen.

Das hört sich nach Missionieren an.

Rehner: Das Wort Missionieren hat einen negativen Touch bekommen. Dabei geht es nicht darum, andere zu überreden oder überzeugen zu wollen. Ich vergleiche es gerne mit einem guten Kinofilm, den ich gesehen habe und den Leuten begeistert davon erzähle. So begeistert erzähle ich auch von Jesus, der die Liebe gelebt hat und die Menschen jedweder Art geliebt und respektiert hat – Kinder und Ältere, ebenso solche, die von anderen ausgeschlossen wurden. Er war für alle da.

In diesem Sinne kann er uns gerade heutzutage ein großes Vorbild sein...

Rehner: Bis wir uns ihm wirklich annähern, dauert es. Doch immer wieder geht es ein Stück weiter... "Kommentar

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