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Holzheim/Wertingen

21.02.2016

Die Mutter aller Trumpfspiele

Mit diesem Blatt in der Hand spielte Thomas Enslin ein Herz-Solo Tout und gewann. Dabei durfte er nicht einmal die erste Karte ziehen.
Bild: Bild: Karl Aumiller

156 Teilnehmer waren bei der Finalrunde der Zeitungs-Aktion „Herz ist Trumpf“ in Holzheim dabei. Thomas Enslin holte sich den Sieg.

 Ein alkoholfreies Weizenbier zur Linken, acht Karten in der rechten Hand und dazu ein knappes Vokabular, das nur Eingeweihte kennen: „Weg, weiter, weg – spiele mit der Alten.“ Dann haut der Ansager seine erste Karte auf den Tisch. Er sucht die Sau, die Eichel-As. Damit klar ist, wer mit wem zusammenspielt. Und damit die Schmier oder der Spatz richtig sitzt. Es geht um das Spiel aller Kartenspiele: um Schafkopf. Bei Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier will es anfangs nicht so recht klappen. Ein Spiel nach dem anderen geht verloren. Dann folgt eine Glückssträhne. Doch wie gewonnen so zerronnen, sind die Punkte schnell wieder dahin. Man müsse eben den richtigen Partner im richtigen Moment haben – „wie im richtigen Leben“, erklärt er das Vierer-Spiel auf seine Weise und steht am Ende mit 30 Minuspunkten da.

Am vergangenen Freitagabend kommen gleich 156 Männer und Frauen nach Holzheim, um im Vereinszentrum der gemeinsamen Leidenschaft zu frönen. Hier findet das große Finale der Schafkopf-Aktion unserer Zeitung „Herz ist Trumpf“ zugunsten der Kartei der Not statt. „Heute gibt es nur Gewinner“, verspricht Berthold Veh, Redaktionsleiter der Donau-Zeitung und der Wertinger Zeitung. Und sein Dank geht an Günther Herdin, den früheren Leiter der Wertinger Redaktion, für die perfekt organisierte Veranstaltungsreihe. „Wer heimische Lebensart hautnah miterleben will, sollte Schafkopf lernen“, sagt Herdin. Die Mutter aller Trumpfspiele gilt heute als bayerisches Kulturgut. Und bei vielen ist Schafkopf mittlerweile Kult.

Deshalb kommt das Turnier bei den Teilnehmern besonders gut an. Denn, „bei uns im Dorf wird‘s immer weniger“, bedauert zum Beispiel Josef Schweyer aus Lutzingen. Er befürchtet, dass das gesellige Kartenspiel bald aussterben könnte. Dem 18-jährigen Robin Wagner ergeht es genauso: „Von meinen Freunden spielt leider keiner Schafkopf.“ Er müsse sich deshalb bei der Finalrunde mit Älteren zusammentun. Holzheims Bürgermeister Erhard Friegel erinnert bei seinem Grußwort, dass früher in vielen Dörfern der Region regelmäßig Schafkopf gespielt wurde. Er hoffe, dass diese Tradition nicht ganz verloren gehe.

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Auch bei Johann Häusler sind die Kartelrunden seltener geworden, seit er vor vielen Jahren in die Politik gewechselt ist, erzählt er am Tisch 6B. Wie gut er Schafkopf aber noch beherrscht, beweist er gleich in den ersten Partien, die ihn mit Thomas Wiedenmann (Bergheim), Manfred Jedelhauser (Offingen) und Stefan Semet (Fultenbach) durch Losziehung zusammen gebracht haben. Von drei Solo- und zwei Wenz-Spielen, verliert Häusler nur eines. „Anders als in der Politik“, freut sich der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler über seine Siege. Am Ende belegt der 64-Jährige mit 125 Punkten Platz zwei. Das gewonnene Preisgeld von 300 Euro spendet er je zu einem Drittel an die Kartei der Not, das Bayerische Rote Kreuz und an die Tibet-Hilfe seines Parteifreundes Dr. Markus Brem.

Auffallend viele Parteifreunde Häuslers tummeln sich unter den Schafkopfspielern. Treffen sie sich, weil sie gerade Politik machen müssen? Schließlich steht in Kürze die Landratswahl in Dillingen an. Norbert Beutmüller, Noch-Bürgermeister in Buttenwiesen, winkt ab: „Ich spiele einfach gerne, auch nach Bürger- und Generalversammlungen.“ Parteizugehörigkeit spiele dabei überhaupt keine Rolle. Gelernt hat er das bayerische Kartenspiel in jungen Jahren im Internat St. Stephan. An den Spieltischen sitzen nur wenige Frauen. Die 78-jährige Micki Krug aus Augsburg kann das gar nicht verstehen: „Schafkopf ist ein hochinteressantes Spiel.“ Und aus jedem Blatt könne man etwas herausholen. Ihre Mitspielerin Andrea Thill, 43, kennt sie von anderen Turnieren. Thill spielt seit sie sieben Jahre alt ist: „Mir haben es meine Geschwister und mein Vater beigebracht, weil sie einen vierten ‘Mann‘ brauchten.“

Als ein Raunen durch den Saal geht, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Der Augsburger TV-Sender hält mit der Kamera auf das Blatt von Thomas Enslin: ein Herz-Solo Tout, auf bayerisch „Du“, : vier Ober, zwei Unter, Herz 10 und Eichel-As. Es wird an diesem kurzweiligen Abend nur einmal angesagt und von den vier Mitgliedern der Schafkopfjury – Josef Bayer (Neumünster), Rainer Krones, Herbert Kallenbach (beide Zusamzell und Otmar Ohnheiser (Villenbach) – höchst persönlich in Augenschein genommen. Für den 36-jährigen Nördlinger läuft es an diesem Abend so gut, dass seine Mitspielerin Tina Hutter (Wertingen) sagt: „Er gibt schlecht und spielt gut.“ Das Solo-Tout, welches ihm eine Menge Punkte einbringt und die ihn nach 60 Spielen mit sage und schreibe 143 Zählern auf Platz eins hieven, setzt einen furiosen Schlusspunkt unter die Veranstaltungsreihe. „Herz ist Trumpf“.

Vielen Schafkopfspielern hat das Turnier in doppeltem Sinne Freude gebracht. Denn insgesamt 10350 Euro des Erlöses gehen an Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind – über die Kartei der Not. „Gewonnen haben letztendlich alle Kartler, weil sie sich für andere engagieren“, so Berthold Veh bei der Preisverleihung.

TV-Tipp: Am Donnerstag, 25. Februar, wirft der Regionalsender Augsburg TV bei „Zwischen Donau und Ries“ ab 18.30 Uhr einen Blick auf das Schafkopf-Finalspiel in Holzheim.

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