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Digitalfunk

13.06.2017

Es „funkt“ nicht bei den Villenbachern

Dieser Mobilfunkmast im Postweg in Villenbach soll zusätzlich auch den Digitalfunk beherbergen. Das sorgt für Ärger bei den Anwohnern. 

Der Mobilfunkmast soll noch mit weiteren Aufgaben belegt werden. Manche stellen sich deswegen quer

Es knirscht gewaltig in Villenbach. Einige Anwohner sind nicht gut zu sprechen auf die Gemeinde. Grund dafür ist ein geplanter Aus-, beziehungsweise Anbau einer Antenne in der Dorfmitte. Bürgermeister Werner Filbrich erklärt: „Das Staatliche Bauamt Augsburg ist auf uns zugekommen mit der Anfrage, eine Antenne für den BOS-Digitalfunk zu errichten.“ Der Digitalfunk dient dem Rettungsdienst, der Polizei und der Feuerwehr. Stefan Klein vom zuständigen Bauamt sagt dazu, im Bund wurde festgelegt, dass in diesem Netz eine Abdeckung von 95 Prozent gewährleistet sein soll, zumindest mit einem Handfunkgerät müsse ein Kontakt hergestellt werden können.

Und da liegt nun das Problem, bei der Inbetriebnahme des neuausgebauten Netzes wurde festgestellt, dass es in Rischgau und Hegnenbach zu einer Unterversorgung kommt. Diese kann behoben werden, wenn von Villenbach aus eine neue Antenne die Funkversorgung sicherstellt. Da eignet sich ein bereits vorhandener Mast, der im Dorf, genauer gesagt im Postweg steht. Die Gemeinde habe eine Alternative dazu gesucht, und auch eine gefunden. Außerhalb des Dorfes, zwischen Villenbach und Wengen am Grünsammelplatz gelegen, steht bereits ein Mobilfunkmast. „Der ist aber zu klein, wurde uns mitgeteilt“, sagt Bürgermeister Filbrich. Daraufhin hat sich der Gemeinderat, auch um eine „Verspargelung der Landschaft“ zu vermeiden – also am Grünsammelplatz einen weiteren Masten zu errichten – auf den Masten im Postweg geeinigt.

Das sorgte für Unmut bei den Anwohnern. Einer davon ist Georg Wiedenmann. Er wohnt direkt neben dem Mobilfunkmast. Vor allem eines regt ihn auf: „Ohne die Anwohner zu informieren, hat der Gemeinderat das beschlossen“, beklagt er. Und auch, dass die Gemeinde nicht vor der Entscheidung ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, stört ihn. „Gerade bei dieser komplexen Materie wäre es doch gut gewesen, vorher noch Informationen einzuholen.“ Die Anwohner selbst hatten in der Vergangenheit bereits Messungen von unabhängigen Experten durchführen lassen, die belegten, dass die Strahlungswerte enorm sind, manche Bürger seien bereits aus Villenbach weggezogen, sagt Wiedenmann. Erst nachdem die Anwohner Widerstand gegen die Entscheidung zeigten, hätte die Gemeinde die Pläne vorübergehend auf Eis gelegt. Die Verantwortlichen haben nun ihrerseits ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Damit wollen wir den besten Standort finden“, sagt Gemeindeoberhaupt Filbrich.

Für Stefan Klein vom Bauamt spielt es keine Rolle, ob innerorts oder außerorts gebaut wird. „Generell sind wir baurechtlich zunächst verpflichtet, einen geeigneten Standort innerhalb des Dorfes zu finden. Wenn es da keinen gibt, suchen wir außerhalb“, sagt Klein. Und auch wenn die Gemeinde nun ihr Veto einlegen würde, den Masten am Postweg auszubauen, wäre das für Klein kein Problem. Man könne mit allen Lösungen arbeiten. Ein Ausbau am Postweg würde bedeuten, dass der Mast mit einer rund 70 Zentimeter langen Stange erweitert werden müsste, weil das Digitalfunksignal ganz oben an die Spitze muss, der Antennenmast aber bereits sehr voll besetzt ist. Und auch das stört Wiedenmann. „Seit der Mobilfunkmast in Betrieb genommen wurde, gab es öfter Änderungen in der Antennenzahl und auch in der Leistungsfähigkeit.“ Ihm ist es wichtig, dass die Gemeinde glaubhaft versichern kann, dass jetzt und vor allem in der Zukunft, durch einen Ausbau des Mastes das gesundheitliche Risiko und die Strahlungsintensität nicht weiter zunehmen. „Wir zweifeln nicht daran, dass es den Digitalfunk braucht. Aber wir wünschen uns, dass endlich auch mal Strahlungsergebnisse vonseiten der Gemeinde offengelegt werden“, sagt Wiedenmann. Stefan Klein sieht in der Strahlungsbelastung ein geringes Problem. In einem ähnlichen Fall in Gablingen wurden die Emissionswerte gemessen, da waren die Mobilfunkwerte deutlich höher als die des Digitalfunks. „Im Mobilfunknetz sind durchgehend Leute aktiv, die am Handy sind. Der Digitalfunk wird die meiste Zeit nur das Signal senden, bereit zu sein“, meint er.

Nun gibt es zwei Szenarien. Beschließt die Gemeinde den Ausbau des Mastes im Postweg, so gehen die Anwohner weiter auf die Barrikaden. „Dann werden die Eingeständnisse, die wir an die Gemeinde und an den Betreiber gemacht haben, sofort zurückgezogen“, sagt Wiedenmann. Die Versorgungsleitungen und Teile der Straße verlaufen noch über privaten Grund. Kommt es also zu einer weiteren Eskalation, läuft die Gemeinde Gefahr, dass die Telekommunikation in Villenbach nur eingeschränkt läuft.

In der zweiten Variante lehnt der Gemeinderat den Postweg als Standort ab. Dann kann er sich auf den Standort am Grünsammelplatz einigen oder auch den ablehnen. In diesem Fall, erklärt Klein, würde das Verfahren von der Schwäbischen Regierung erneut aufgerollt werden. Georg Wiedenmann hofft darauf, dass der Villenbacher Gemeinderat eine bürgerfreundliche Lösung findet, die gesundheitliche Risiken komplett ausschließt.

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