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Kreis Dillingen

29.03.2016

Feuerwehr: Luxusgerätehaus für einen kleinen Ortsteil?

Das Feuerwehrgerätehaus von Göllingen soll ausgebaut werden. Doch die Vorgaben hält Bürgermeister Holzinger für völlig überzogen.
Bild: Horst von Weitershausen

Im Bissinger Ortsteill Göllingen (Kreis Dillingen) soll das Feuerwehr-Gerätehaus erweitert werden. Die Vorschriften hierfür laufen auf eine Größenordnung hinaus, die keiner will.

Knapp 30 Personen tun im Bissinger Ortsteil Göllingen ihren Dienst in der Feuerwehr. Ihre Heimat ist bisher eine bessere Garage. Weil dort ein Schulungsraum fehlt, kam der Wunsch nach einer Erweiterung auf. Die Gemeinde stellte einen Förderantrag für den Stellplatz bei der Regierung von Schwaben. Doch das, was dann passierte, hat Bissingens Bürgermeister Michael Holzinger gelinde gesagt doch etwas verwundert. Denn für die Förderung sollte die Gemeinde hohe Auflagen erfüllen.

Nicht mal die Feuerwehr will einen solchen Ausbau

Gefordert wurde etwa ein eigener Raum für den Kommandanten oder ein 9,50 Meter großer Stellplatz, auf dem auch ein veritables Feuerwehrfahrzeug geparkt werden könnte. Auch wenn die Göllinger Wehr nur einen Tragkraftspritzenanhänger hat und wohl nie ein großes Fahrzeug bekommen wird. Noch dazu, sagt Holzinger, sei die Vorgabe gekommen, dass in der Halle, in der auch die Spinde stehen, immer 22 Grad herrschen müssten. Selbst wenn die Göllinger Wehr nur eine handvoll Einsätze im Jahr hat. „Ständig 22 Grad, das habe ich nicht mal in Bissingen im Gerätehaus. Und das ist eine Stützpunktfeuerwehr“, sagt Holzinger, der betont, dass nicht einmal die Göllinger Wehr selbst einen derartigen Ausbau möchte. Auf der jüngsten Kreisversammlung des bayerischen Gemeindetags stellte er deshalb die Frage, ob das nun die Zukunft der Feuerwehren auf dem Land sei. „Es geht darum, wo man mit dem Feuerwehrwesen hin will. So etwas halte ich für absolut überzogen.“

Eine problematische Entwicklung sah auch Kreisbrandrat Frank Schmidt in Schwaben. Schon bei der Abnahme des neuen Gerätehauses in Wittislingen habe man gesehen, woher der neue Wind weht. Und nachdem nun in einigen Orten im Landkreis ein Neu- oder Umbau ansteht, sei das Thema ein wichtiges. „Das funktioniert einfach nicht, wenn wir diese Forderungen alle bis aufs letzte i-Tüpfelchen erfüllen müssen“, sagte Schmidt. Besonders sauer stößt ihm auf, dass die Vorgaben von Regierungsbezirk zu Regierungsbezirk unterschiedlich sind. „Da baut man in der Oberpfalz noch wie bei uns vor fünf Jahren, und wir bauen bald schon überall Duschen und Helikopterlandeplätze“, kritisierte Schmidt. Nachdem eine neue Studie, die bald veröffentlicht werden soll, offenbar zum Ergebnis komme, dass Brandrauch krebsgefährdend sei, müssten sich Feuerwehrmänner künftig vielleicht schon am Brandort ausziehen, spann Schmidt die Entwicklung sarkastisch weiter. „Das war mir immer schon klar, dass das nicht gesund ist.“

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Vorschriften aus Nordrhein-Westfalen nicht auf Bayern übertragbar

Wittislingens Bürgermeister Ulrich Müller sagte dazu, dass diese Entwicklungen der beste Weg seien, das ehrenamtliche Feuerwehrwesen abzuwürgen und sprach damit für seine Bürgermeisterkollegen. Wilfried Schober vom Bayerischen Gemeindetag gab ihnen Recht und erklärte, dass man die Vorschriften aus Nordrhein-Westfalen, wo es kaum Ortschaften unter 20000 Einwohner und hauptsächlich Berufsfeuerwehren gebe, nicht auf Bayern übertragen dürfe. Besonders bedenklich sei vor allem, dass demokratisch nicht legitimierte Fachvereinigungen die Normen setzen, die der Gesetzgeber dann zum Stand von Wissenschaft und Technik erkläre. „Wir machen uns gerne stark dafür und kämpfen dagegen. Aber das ist ein wahnsinnig dickes Brett zu bohren“, sagte Schober.

Er referierte anschließend auch zum Thema Feuerbeschau, das nach dem verheerenden Brand in Schneitzlreuth in aller Munde sei. Viele Gemeinden seien der Pflicht zur Feuerbeschau in gefährdeten Privathäusern und Sonderbauten in den vergangenen Jahrzehnten nicht nachgekommen. Sollte es dann, wie in Schneitzlreuth, doch zur Katastrophe kommen, sei auch die Gemeinde rechtlich angreifbar. Er appellierte deshalb an die Kommunen, sich des Themas anzunehmen.

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