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06.09.2018

Ins Rathaus oder in die freie Wirtschaft?

Der Stellenmarkt wird für die Kommunen ein immer härteres Pflaster.
Bild: Mathias Wild

Der öffentliche Dienst steht im Wettstreit mit anderen Arbeitgebern. Beim Gehalt kann er nicht immer mithalten, hat dafür andere Qualitäten.

„Viele gute Bewerber kommen nicht zu uns, weil sie in der freien Wirtschaft draußen nun mal mehr verdienen können.“ Diese Einschätzung von Heinz Gerhards, Geschäftsstellenleiter der Stadt Gundelfingen, könnte stellvertretend für die Erfahrungen von Kollegen in den Kommunen der Region stehen. Eine Umfrage unserer Zeitung bei den Rathäusern im Landkreis ergab ein ziemlich einheitliches Bild: Mit den Gehältern der Unternehmen zwischen Syrgenstein und Buttenwiesen sowie benachbarter Gebiete können die Gemeinden nicht mithalten. Dagegen kommen selbst die Annehmlichkeiten des öffentlichen Dienstes keineswegs an. Dort locken eigentlich ein sicherer Arbeitsplatz, geregelte Dienstzeiten, planbarer Urlaub sowie Betriebsrenten.

Wenn es bei den Bewerber-Gesprächen um das Thema Verdienst gehe, laute die Reaktion oft „Nein danke“, heißt es aus dem Rathaus von Wertingen. Dort hält man aber manche Gehalts-Vorstellung, die jemand aus der Unternehmenswelt außerhalb der Ämter mitbringe, für „unbezahlbar“. Laut den Erkenntnissen von Heinz Gerhards hätte der Unterschied bei der Bezahlung einer Stelle zwischen Verwaltung und Industrie schon mal 1000 Euro betragen. Die Regel sind bei der Entlohnung ähnlich gelagerter Stellen 200 bis 300 Euro, die bei der Entscheidung für einen Job „draußen“ den Ausschlag geben würden. Dies machten mehrere Gemeindesprecher zwischen Donau und Zusam deutlich.

Und dies trotz weiterer Vorzüge beim Dienst in den Amtsstuben: „Wir geben Sicherheit, eine Kommune geht nicht in Konkurs“, betont Heinz Gerhards, sieht sich aber seit Langem beim Werben um neue Leute „im Wettstreit mit den Unternehmen“. Der Hauptgrund bei der Abwanderung potenzieller Kandidaten zu den Firmen, heißt es zum Beispiel in Lauingen, seien eindeutig die Finanzen. Bemerkt auch Franziska Prügel, im Verwaltungssitz von Buttenwiesen unter anderem für Personelles zuständig. „Die wollen halt Geld verdienen.“ Die Fachfrau warnt allerdings davor, deswegen die Arbeit in einer Kommune in ein schlechtes Licht rücken zu wollen: „Der öffentliche Dienst ist alles andere als unbeliebt.“ Denn dort müsse nicht mit 60-Stunden-Wochen gerechnet werden, wie auf manchen Baustellen im Land. Zudem kann sie von einem wahren Interessenten-Andrang berichten, den es bei der Besetzung von Stellen in Bauamt und Bauhof gegeben habe. „Von der guten Resonanz waren wir völlig überrascht.“ Überhaupt zeigt sich die Frau aus dem Unteren Zusamtal zufrieden mit dem bisherigen Verlauf bei der Personalsuche: „Wir hatten bislang Glück gehabt.“

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Weniger rund muss es dagegen bei der Administration eines anderen Rathauses an der Donau gelaufen sein. „Wir wollten den qualifizierten Posten im Tiefbauwesen sichern, mangels Bewerbermasse funktionierte das aber nicht“, lautete es von dort. Geeignete Bauingenieure zu finden, die dort in den Dienst eintreten, fänden sich selten. Das treffe vor allem auf die leitenden Funktionen zu. „Die Interessenten orientieren sich lieber woanders.“ Die Umfrage machte deutlich, dass die Hauptursache bei der Bewerber-Misere die starren Tarife beim öffentlichen Dienst mit festgelegten Entgeltgruppen darstellten. Sie lassen den Kommunen offenbar kaum Spielräume. „Die Gehaltsstufen sind verbindlich, kleine Sprünge nach oben Richtung besserer Verdienst aufgrund von längerer Berufserfahrungen aber möglich“, weiß eine Personalchefin. „Beim technischen Bereich wurde aufgrund dieser Erfahrungen mit bestimmten Zulagen nachgebessert“, so die weitere Auskunft.

Solche Probleme kennt Christine Jung von der Agentur für Arbeit in Donauwörth nur allzu gut. „Schlagendes Argument bleibt die eher üppige Entlohnung bei der Wirtschaft“, unterstreicht die Sprecherin, die auch auf die Job-Börse, dem größten Stellenportal in ganz Deutschland zählt. Dort kann sich jeder Arbeitgeber mit Stellenofferten einklinken. „Kann, muss aber nicht“, so ihre Erfahrung mit den Verwaltungen in vier Landkreisen. Was den künftigen Nachwuchs an den verschiedensten Positionen einer Gemeinde angeht, wird Jung deutlich: „Wenn man jemanden sucht, muss man in gewisser Weise auf sich aufmerksam machen, also sich gut verkaufen.“ Meint auch Jan Koenen, Pressesprecher der Stadt Dillingen. „Da wir in einem Wettbewerb mit anderen Kommunen und der Wirtschaft stehen, wird es für uns immer wichtiger, uns als attraktive Arbeitgeber zu präsentieren und die unbestreitbaren Vorzüge des öffentlichen Dienstes auch in Zeiten boomender Konjunktur zu verdeutlichen.“

Offenbar steuert eine andere Donaustadt bereits diesen Kurs: Gundelfingens Geschäftsstellenleiter Heinz Gerhards ließ einen jungen Meister für Abwassertechnik – früher: Klärwärter – an der Mittelschule zur Aufklärung der Schüler über dessen Aufgaben antreten. Mit Erfolg: Es gab gleich zwei Bewerber.

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