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Wertingen

31.01.2020

Sie hat die Wertinger Zeitung geprägt

Redakteurin Hertha Stauch hat die Wertinger Zeitung über Jahre hinweg geprägt. Dabei hatte die Tochter des früheren Heimatverlegers Hugo Krauß zunächst eine ganz andere Laufbahn eingeschlagen.
Bild: Benjamin Reif

Plus Redakteurin Hertha Stauch, Tochter des früheren Heimatverlegers Hugo Krauß, verabschiedet sich in den Ruhestand. Die Wertingerin berichtet, was sie in ihrem Beruf alles erlebt hat

Vermutlich war es in den vergangenen Jahren die häufigste Frage, die wir morgens in der Redaktion der Wertinger Zeitung gestellt haben. „Wo ist Hertha?“ Denn eine Frühaufsteherin ist die Kollegin wirklich nicht. Dafür aber eine engagierte Mitarbeiterin, die für die WZ so notwendig war wie das Salz in der Suppe. Eine Journalistin, die jeden und jeden im Zusamstädle kennt – und am späten Nachmittag in schöner Regelmäßigkeit noch mal schnell zwei Aufmacher aus dem Ärmel schütteln konnte. Die Tochter des früheren Heimatverlegers Hugo Krauß (1921 bis 2008) ist über Jahre hinweg zweifelsohne ein prägendes Gesicht der Wertinger Zeitung und in der Redaktion die Stimme des Zusamtals gewesen. Am heutigen Samstag verabschiedet sich Hertha Stauch nun in den wohlverdienten Ruhestand. Wir sprachen mit der 65-Jährigen über ihr intensives Berufsleben.

Ihr erster Beruf hatte ja gar nichts mit Journalismus zu tun?

Hertha Stauch: Das stimmt. Ich hatte die Realschule in Wertingen besucht. Obwohl mein Vater Heimatverleger der Wertinger Zeitung war und mein Onkel Hermann Redaktionsleiter, stand es gar nicht zur Debatte, dass ich Redakteurin werden könnte. Meine Schwester Gabi war auserkoren, den kaufmännischen Teil bei der Wertinger Zeitung zu übernehmen. Ich, meine Schwestern Petra und Rosmarie und mein Bruder Frieder waren da außen vor. Für mich gab es die Option Erzieherin, Lehrerin oder Sekretärin in einem Büro. Und so besuchte ich in den 1970-er Jahren die Fachakademie für Sozialpädagogik in Dillingen, um Erzieherin zu werden.

Sie hat die Wertinger Zeitung geprägt

Aber das hat Ihnen nicht gefallen.

Stauch: Doch, ich war wirklich gerne Erzieherin und leitete den eingruppigen Kindergarten der evangelischen Gesamtkirchengemeinde in Ulm. Ich mochte die Kinder gerne und habe heute noch einen großen Respekt vor Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen. Obwohl ich schon über 20 war, kam ich in eine Protestphase und Sinnkrise. Ich hab’ mir gedacht, das kann’s noch nicht gewesen sein. Und mit einem Rollenverständnis, dass ich bald die liebe Ehefrau und Hausfrau sein würde, konnte ich mich auch nicht anfreunden.

Warum sollte es dann doch die Journalisten-Laufbahn werden?

Stauch: Mein Vater hat mich in dieser Zeit einmal im Kindergarten besucht. Und er kam irgendwie auf den Gedanken: Die kann doch etwas. Und als er meine Unzufriedenheit bemerkte, sagte er: Probieren wir es mal bei der Zeitung. Meine Kindheitserinnerungen taten ein Übriges. Schon im Alter von acht Jahren hatte ich meinem Großvater am Sonntag beim Korrekturlesen von Anzeigen und Redaktionsberichten geholfen. Das hat mich ungeheuerlich fasziniert. Ich habe es geliebt, in unserem Druckereibetrieb umherzustreifen und auf dem Schreibtisch der Redakteure zu malen oder auf deren Manuskriptpapjer zu schreiben. Und natürlich auf den Schreibmaschinen mit den altdeutschen Buchstaben zu tippen. Was für andere Kinder das Spiel mit dem Kaufladen, war für mich das Spiel in der Redaktion. Unser Hund Julo, ein irischer Setter, lag immer unter einem Schreibtisch – oft hockte ich da auch und streichelte ihn. Es war wie Heimweh, das mich aus dem Erzieherberuf heraus in den Zeitungsberuf hineingezogen hat.

Die Zeitung, zu der Sie gingen, war dann die Wertinger Zeitung?

Stauch: Ja, Onkel Hermann war dort Redaktionsleiter. Und der schickte mich gleich auf Termine.

Was war Ihr erster Artikel?

Stauch: Kurioserweise durfte ich über die Wertinger Reservistenkameradschaft berichten und traf damals schon auf den Kommunalpolitiker Alfred Sigg. Die Kameradschaft hatte einen Wettbewerb ausgetragen, über den ich schreiben sollte. Und die Reservisten fanden meinen Bericht so gut, dass sie mir hinterher eine Urkunde ausgestellt haben. Ich hatte gleich mit den ersten Artikeln Erfolg. Der Journalismus faszinierte mich und ließ mich nicht mehr los. Ich machte ein Praktikum bei der Donau-Zeitung, ab 1978 ein Volontariat bei der Augsburger Allgemeinen. Es folgten ab 1980 Stationen als Redakteurin beim Augsburger Landboten, der AZ-Woche und der Stadtredaktion Augsburg. 1988 wurde ich schließlich – als eine der ersten Frauen bei der Augsburger Allgemeinen – Redaktionsleiterin beim Landboten. Da musste ich nachhelfen. Ich war vorher selbst zur Chefredaktion gegangen und hatte gesagt, dass ich Redaktionsleiterin werden will. Die wären von selbst nie auf diese Idee gekommen, die Zeiten waren anders.

1996 gab es dann andere Aufgaben.

Stauch: Ja, ich hatte 1983 Günter Stauch geheiratet, der ebenfalls Volo bei der AZ war. Und 1996 wurde unsere Tochter Juliane geboren. Im Jahr 2000 stieg ich wieder ins Berufsleben ein. Seit dieser Zeit teile ich bei der Wertinger Zeitung eine Stelle mit Birgit Hassan. Dies war damals ebenfalls noch neu. Und Günther Herdin, der beim Landboten mein Mitarbeiter gewesen war, war nun in Wertingen mein Chef.

Was fasziniert Sie immer noch an Ihrem Beruf?

Stauch: Es ist die Vielseitigkeit. Man kommt unter Menschen und erhält überall einen Einblick. Ich mag das Zusamtal, Land und Leute hier, ich bin hier zu Hause – und ich liebe es, Geschichten aus meiner Heimat zu erzählen. Es ist schon eine Berufung, ich bin Journalistin mit Leib und Seele.

An welche Geschichten erinnern Sie sich in Wertingen zurück?

Stauch: Es ist schwer, etwas herauszugreifen, denn es waren viele inspirierende Begegnungen. Was mir spontan einfällt: der Gala-Ball der Wertinger Zeitung für die Kartei der Not, die Demo bei der Schließung der Geburtshilfe am Wertinger Kreiskrankenhaus und der Großbrand bei Creaton, als ich die Erste war, die dort Fotos machte.

Die Zeitungslandschaft wandelt sich, die Online-Berichterstattung nimmt zu.

Stauch: Den Wandel empfinde ich als heftig. Aber wir müssen unsere Leser dort erreichen, wo sie sind. Und unsere jüngeren Leser sind viel im Netz. Ich bin aber überzeugt, dass sich auch hier unser Qualitätsjournalismus durchsetzen wird. Wenn ich am nächsten Tag die Wertinger Zeitung aufschlage oder online eine gute Plus-Geschichte lese, bin ich selbst immer wieder fasziniert, was wir aus einem verhältnismäßig kleinen Verbreitungsgebiet an relevantem Lesestoff herausholen. Unsere Leser und Leserinnen werden hier sehr gut bedient.

Werden Sie im Ruhestand nicht in ein Loch fallen?

Stauch: So ruhig wird es vermutlich gar nicht werden. Ich bin Unterstützerin des Wertinger Gitarrenfestivals, singe im Montessori-Chor. Neben Gitarre spiele ich gerne Klavier. Und seit Kurzem bin ich Ortsvorsitzende der Grünen. Da stürze ich mich jetzt vor der Kommunalwahl am 15. März voll in den Wahlkampf.

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