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Tapfheim

09.05.2015

Tapfheimer stemmen sich gegen  Flutpolder

Zahlreiche Protestplakate gegen die aktuellen Polderpläne entlang der Donau hängen in der Ortsdurchfahrt von Tapfheim. Die Gemeinde hat heuer 90000 Euro für fachliche und rechtliche Beratung in Sachen Polder und Überschwemmungsgebiete eingeplant.
Bild: Wolfgang Widemann

Bürger aus Tapfheim und Schwenningen haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie gegen die aktuellen Polderpläne protestieren.

Noch bevor die vorläufige Sicherung der Gebietskulisse „Flutpolder Schwenningen-Tapfheim“ vom Dillinger Landratsamt verfügt werden muss, nimmt der Protest in den betroffenen Gemeinden zu. Zur Koordination weiterer Maßnahmen wurde nun im Gasthaus Adler in Tapfheim eine Interessengemeinschaft gegen die vorgesehenen Baumaßnahmen zur Hochwasserrückhaltung ins Leben gerufen. Weit über 100 Bürger erklärten spontan schriftlich ihren Beitritt in die Gemeinschaft, die nun anfänglich von neun Interessenvertretern angeführt und den beiden Bürgermeistern begleitet wird.

Nach den von staatlicher Seite durchgeführten Informationsveranstaltungen ist es für die Bürgermeister Karl Malz (Tapfheim) und Reinhold Schilling ( Schwenningen) ruhig um das Thema geworden, für Malz zu ruhig. „Um weiterhin Flagge zu zeigen, müssen wir der Politik deutlich machen, was wir wollen, was machbar erscheint oder was wir nicht wollen“, sagte Malz. Jedenfalls ist für ihn ein „Dornröschenschlaf“ nicht der richtige Weg. Der bei den Veranstaltungsteilnehmern respektable Querschnitt aller Betroffenen zeige Malz zufolge auf, dass Handeln notwendig sei.

Die Notwendigkeit wirkungsvoller Hochwasserrückhaltemaßnahmen für Unterlieger der Donau steht auch in den beiden Gemeinden außer Frage. „Vorsorge ist wichtig“ betont Malz, stuft aber den Bau von Flutpoldern als falschen Lösungsansatz ein. „Die Wirksamkeit steht nachweislich infrage“, sagte er und verwies auf die Informationsveranstaltung zusammen mit dem Bund Naturschutz, bei der Alternativen zum Hochwasserschutz aufgezeigt wurden (die DZ berichtete).

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In seinem Sachstandsbericht zeigte Karl Malz den Zuhörern nochmals das Vorhaben der Staatsregierung auf, wonach auf der Basis eines Gutachtens der Technischen Universität München mit 3,4 Milliarden Euro zwölf gesteuerte Flutpolder entlang der bayerischen Donau errichtet werden sollen, um die Hochwasserproblematik in den Griff zu bekommen, vier davon in unserer Region. So jedenfalls sei für den Tapfheimer Gemeindechef der Proporz nicht gewahrt und der natürliche Rückhalt bleibe völlig außer Acht. An den Zuflüssen zur Donau müssten bereits wirkungsvolle Maßnahmen beginnen und seiner Meinung nach fange das für ihn schon an der Dachrinne an.

Malz ging weiter auf bisher erfolgte, überregionale Aktionen ein, nannte das Aktionsbündnis, Vorsprachen bei der Staatsregierung, Fachvorträge und Resolutionen der Donaustädte oder solcher mit Untermauerung der beiden Landräte Stefan Rößle und Leo Schrell. Bedauerlich sei aber, dass trotz aller Bemühungen bisher kein Vertreter der Staatsregierung oder des Ministeriums zum Gespräch ins Rathaus entsandt wurde. „Man hat den Eindruck, das sei nicht gewollt“, resümierte Malz. In seinen weiteren Ausführungen verdeutlichte der Bürgermeister anschaulich die Auswirkungen nicht nur für die betroffenen Grundstückseigentümer, sondern auch auf alle Einwohner des betroffenen Bereichs, bis hin zu Erholungssuchenden und Gästen. „Wir brauchen Unterstützung von allen“, ist seine Maxime und so zählte er weitere Aktionen auf bis hin zu Sternmärschen, Mahnfeuern, Bittgängen oder Errichtung eines Flurkreuzes.

Begonnen wurden die angestrebten Aktionen im Kleinen. Ulrich Wisskirchen hatte für die Veranstaltung den „Poldergeist“ entworfen und zeigte auf, wir der knorrig aussehende, besaitete Baumstamm bespielt Misstöne erzeugt, welche die Flutpolder mit sich bringen.

Auch für Bürgermeister Reinhold Schilling muss mit anhaltendem und massivem Druck aus der Bevölkerung die bayerische Staatsregierung veranlasst werden, die Strategie zum technischen Hochwasserschutz zu überprüfen und alternative Möglichkeiten für Hochwasserrückhaltemaßnahmen untersuchen zu lassen. „Wir müssen der Veränderung der Riedlandschaft entschlossen entgegentreten“ ist die Meinung des Schwenninger Bürgermeisters „und das schaffen wir nur gemeinsam“.

Mit dieser Strategie erfolgte dann die Gründung der Interessengemeinschaft, der spontan 123 Bürger ihre Unterstützung bestätigten. Die Plakataktionen entlang der Bundesstraße verursachen immer noch Fragen aus der Bevölkerung, folglich besteht noch Informationsbedarf. Den wollen die Interessenvertreter vermitteln, und zwar aus Gremheim Maria Jäger und Albert Rieblinger, aus Schwenningen Birgit Büchner, Fabian Hurler, Erwin Joachim und Elmar Sinning sowie aus Tapfheim Karl Böld, Gerhard Kaltner und Paul Schweyer. „Diese Organisationsgruppe ist für weitere aktive Unterstützer offen“, signalisierte Bürgermeister Malz.

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