1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Von der Nasszelle zur Wohlfühloase

Bäder

25.01.2017

Von der Nasszelle zur Wohlfühloase

Das Bad als bloße Durchlaufstation war einmal. Die einstige Nasszelle entwickelt sich immer mehr zur Wohlfühloase mit Hightech. Und die Dusche ist gegenüber der Badewanne deutlich auf dem Vormarsch.
Bild: Hansgrohe SE

Hightech ist am beliebtesten Rückzugsort auf dem Vormarsch. Auch wenn die Dusche immer mehr Boden gutmacht, ist die gute alte Wanne aber doch kein Auslaufmodell.

Wohlfühlort Badewanne: Der zwölfjährige Fabian aus Höchstädt freut sich nach dem anstrengenden Fußballtraining nur auf eines: Ein 37 bis 38 Grad Celsius heißes Vollbad, das Mama Gabriele bereits einlaufen lässt. Dass er dann aus lauter Vergnügen gleich das „Bi-Ba-Badewannenlied“ anstimmen würde, dafür ist der „Sailer“-Gymnasiast schon zu alt. Die positive Stimmung erklären sich Wissenschaftler aber damit, dass wir uns dort so angenehm fühlen wie an kaum einer anderen Stelle. Sie vermuten, das genussreiche Empfinden hänge damit zusammen, weil der werdende Mensch schon im Fruchtwasser des Mutterleibs damit gute Erfahrungen gemacht habe. Birgit Marquardt (Badsanierung Marquardt, Dillingen) hat eine eher nüchterne Erklärung. Die Einrichtungsberaterin weiß, dass „vor allem Familien mit Kindern den praktischen Nutzen“ des immer noch beliebten Bassins zu schätzen wüssten.

Zwar macht der Ausstattungsexperte Kai Fischer vom Möbelhaus Walter in Lauingen bei seinen Beratungsgesprächen die Erfahrung: „In jedem zweiten Neubau steht mindestens eine Badewanne.“ Auch Michael Buhl vom Fliesenfachgeschäft Willi Meyer in Wertingen registriert, wie sehr gerade junge Menschen Wert auf das Großbecken legten, während ältere und besonders Leute mit körperlichem Handicap den schwellenfreien, ebenerdigen Duschräumen den Vorzug geben würden. Die senkrechte Badvariante kommt auch deshalb mehr zum Zuge, weil laut Birgit Marquardt „bei manchen neuen Wohneinheiten der Platz für eine ausladende Badewanne einfach nicht mehr ausreicht.“ Im Angebot des Schwarzwälder Armaturen- und Brausenherstellers Hansgrohe Group, bekannt für seine edlen Entwicklungen, fällt das Angebot für die klassische Wanne eher überschaubar aus. Aber aus einem anderen Grund: Dort wird nämlich bereits über die „Post-Badewannenzeit“ nachgedacht mit neuen Möglichkeiten der Badnutzung. Die Entwicklung läuft nämlich immer mehr von der nützlichen Nasszelle hin zur großzügig gestalteten Wohlfühloase des 21. Jahrhunderts. Die Brause zählt dabei nur als eine Komponente von vielen, denn in diesen speziellen Bereich des Hauses oder der Wohnung möchte der Mensch gehen, um sich selbst etwas Gutes zu tun und zu entspannen.

Dieser Übergang setzt freilich genügend Fläche im eigenen Heim voraus. Hansgrohe-Designer Tom Schönherr ist sicher: „Das Bad von morgen wird immer mehr Komfort und Atmosphäre haben, es dient dem Retreat – ein Rückzugsort im Alltagsstress, zur Steigerung des Wohlbefindens.“ Dafür wird eine ganze Armada an technischen Finessen aufgeboten, die einem Vergleich mit Wellness-Refugien durchaus standhalten würden. Sei es mit speziellen Massagenbrausen oder zum Beispiel mit einem milden Wasserstrahl, der einen an eisigen Wintertagen eher an Urlaub in tropischen Breiten erinnert. Dazu kommen natürliche Materialien, warme Farben und wohnliche Accessoires.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Laut Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren vor allem bei den Duschköpfen einiges getan, um sich Wellness einfach ins Haus zu holen. Der Klassiker unter den Sonderfunktionen bleibt vorerst die flexible Einstellung des Wassers. Dieser kann etwa massieren oder sich in einem Schwall verteilen, wie man es von Düsen aus manchem Schwimmbad kennt. Zudem gibt es Einstellungen, unter denen natürliche Wetterphänomene nachgeahmt werden können, etwa einen sanften Regenschauer oder den stärkeren Platzregen.

Wie bei den vernetzten Lampen, Heizungen und anderen Gebrauchsgeräten in einem sogenannten Smart-Home, so zieht auch ins Bad immer mehr neue Technik ein. So brachte ein bekannter Hersteller von Elektro-, Warmwasser- und Heizgeräten den ersten Durchlauferhitzer mit WLAN-Verbindung auf den Markt, der nicht nur für warmes Wasser zuständig ist, sondern auch übers Wetter informiert und Online-Radioprogramme abspielt.

Wer unter der Dusche nicht nur gerne singt, sondern auch telefonieren möchte, kann sich einen wasserfesten Bluetooth-Speaker anschaffen, der sich zum Sprechen wie Musikhören eignet. Wieviel von dem kostbaren Nass durch die Rohre fließt, wird selbstverständlich von einem digitalen Zähler erfasst, der seine Werte ans Smartphone überträgt. Oder über den „H2O-Showerindicator“ ermittelt, um per Lichtsignal und Duschampel dezent auf die vernünftige Wassermenge hinweist. Schließlich geht es an die schlaue Zahnbürste, die neben dem notwendigen Schrubben auch Daten preisgibt, etwa die Putzzeit dokumentiert oder Reinigungstipps von sich gibt.

Selbst die Waage bleibt von Hightech nicht verschont. Ihre intelligente Nachfolgerin kann neben dem Gewicht so programmiert werden, dass sie den Body Mass Index ausstößt oder andere Informationen über den eigenen Körper verrät. Mit dem smarten Badspiegel scheint endlich das Märchen vom „Spieglein, Spieglein an der Wand…“ wahr zu werden, denn schon gibt es einen, der den Betrachter des Morgens freundlich begrüßt und die neuesten Nachrichten oder die Wettervorhersage durchgibt. Fiona Blinzer von der Pressestelle bei Hansgrohe: „Das Badezimmer als bloße Durchlaufstation, war mal.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren