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Dillingen

13.05.2015

Was wir von Georg Elser lernen können

Georg Elser, Schreinermeister aus Königsbronn in Baden-Württemberg, scheiterte mit einem Attentat auf Hitler.
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Georg Elser, Schreinermeister aus Königsbronn in Baden-Württemberg, scheiterte mit einem Attentat auf Hitler.
Bild: dpa

Ein neuer Film rückt den Widerstandskämpfer Georg Elser in den Mittelpunkt. In Dillingen kann man noch mehr über ihn erfahren.

13 Minuten hätten die Welt verändern können. 13 Minuten hätten den Zweiten Weltkrieg vielleicht verhindern können. 13 Minuten zu spät detonierte Georg Elsers Bombe im Münchner Bürgerbräukeller. Adolf Hitler hatte den Saal am 8. November 1939 etwas früher als gewohnt verlassen. Und obwohl der Schreiner, der gerade mal 40 Kilometer entfernt von Dillingen herstammte, seine Tat so akribisch geplant hatte, wurde er noch in der gleichen Nacht gefasst. Und drei Wochen vor Kriegsende im KZ Dachau hingerichtet.

Derzeit läuft in den Kinos der Film „Elser“ über das Leben des Widerstandskämpfers. Und parallel dazu gibt es in der Dillinger Fachakademie für Sozialpädagogik eine umfassende Ausstellung über ihn. Diese wurde gestern vor Studenten der Fachakademie und Lehrern eröffnet. Oberbürgermeister Frank Kunz gratulierte der Einrichtung, dass es ihr gelungen war, die Dokumentation der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg zu gewinnen. Der Frieden als höchstes Gut könnte nur gewahrt werden, wenn schon die Jüngsten Werte wie Demokratie, Freiheit und Frieden lernen – etwa von den künftigen Absolventen der Akademie. „Diesen wichtigen Bildungsauftrag vermittelt unsere Fachakademie auch mit dieser Ausstellung an ihre Studierenden.“

Georg Elser, der junge schwäbische Widerstandskämpfer hatte den Krieg, das Blutvergießen, verhindern wollen. Joachim Ziller, Leiter der Gedenkstätte in Königsbronn erzählte die tragische Geschichte, wie sich der Schreiner wochenlang in den Bürgerbräukeller einsperren ließ, um dort für das geplante Attentat auf Hitler eine Säule zu präparieren. Wie er immer wieder auf die Klospülung wartete, um harten Stein aus der Säule zu schlagen. Zwei Uhrwerke hatte der junge Mann für alle Fälle angebracht. Doch dann verlässt Hitler den Saal 13 Minuten zu früh, stattdessen tötet der Sprengsatz acht andere Menschen. Und der detailversessene Schreiner wird bei Konstanz auf seiner Flucht in die Schweiz ausgerechnet auf einem Verbotsstreifen, von dem er nichts wusste, erwischt. Mit einer Ansichtskarte des Bürgerkellers in der Manteltasche. Damit war nicht nur das Schicksal Elsers besiegelt, der laut Ziller die längste Isolationshaft erhielt, die je ein Gefangener im Dritten Reich erleiden musste. Bis zu seinem Tod am 9. April 1945 redete kein Mensch mit ihm.

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Daheim in Köngisbronn fiel die Gestapo ein und suchte nach Mittätern. Es schien ausgeschlossen, dass der einfache Handwerker die teuflische Tat allein begonnen hatte, erzählte Ziller. Ehepaare wurden gegeneinander ausgespielt, Kinder mit Bonbons zu Aussagen über Elser gelockt. „Dieses Trauma hält bis heute an und so ist die Bevölkerungsschicht, die diese Zeit erlebt hat, selbst heute nicht in der Lage, darüber zu sprechen.“ Erst mit einem neuen Bürgermeister 1990 fiel die Entscheidung für die Errichtung eines Elser-Archives. Der Bürgermeister, Michael Stütz, ist heute noch im Amt. Inzwischen gibt es die Georg-Elser-Gedenkstätte und Straßen, Plätze und Schulen, die seinen Namen tragen – und den Film von Regisseur Oliver Hirschbiegel, der den Widerstandskämpfer bekannt macht. Abschließend erinnerte Zillner an das Grundgesetz, an Werte wie die Menschenwürde, den Gleichheitsgrundsatz, die Meinungsäußerung. „Gerade Sie sind in einem sehr frühen Stadium der Erziehung und Bildung tätig. Gerade Ihre Aufgabe muss es sein, den Ihnen Schutzbefohlenen die wichtigsten Grundsätze des christlichen Miteinanders zu lehren und mit gutem Beispiel voranzugehen. Dann hat die Lehre aus der Tat Elsers gefruchtet.“

Schulleiter Werner Eitle hatte eingangs gesagt: „Mit dieser Ausstellung wird an einen mutigen Schreiner erinnert. Er kann auch für Sie ein Vorbild sein für Zivilcourage.“

Die Dokumentation „Ich habe den Krieg verhindern wollen“ von der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg ist im Foyer und im ersten Stock der Fachakademie für Sozialpädagogik noch bis Donnerstag, 21. Mai, von 8 bis 13 Uhr frei zugänglich.

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