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Konjunktur

22.10.2019

Auch in Schwaben kommt die Wirtschaft ins Stocken

Die heimische Autozulieferer- und Maschinenbauindustrie ist exportstark. Doch die Nachfrage aus dem Ausland geht zum Teil zurück.
Bild: Alexander Kaya

Plus Die Industrie steckt in einer Krise - das wird auch in der Region deutlich. Und trotzdem: Manche Firmen suchen Arbeitskräfte. Und auch manche Branchen boomen noch.

Schwabens IHK-Präsident Andreas Kopton ist ein überzeugter, ja hartnäckiger Optimist. Als in den Jahren 2008 und 2009 die Folgen der Finanzmarktkrise die deutsche Wirtschaft massiv nach unten gezogen haben, ließ sich der Unternehmer seine Neigung zur Zuversicht nicht nehmen. Er zitierte unverdrossen den früheren Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, der gesagt hatte, Wirtschaft sei zu 50 Prozent Psychologie. Kopton sollte recht behalten. Schon 2010 feierte die deutsche Wirtschaft eine Auferstehung. Deshalb durfte man umso gespannter sein, wie der Optimist die jüngste Konjunkturumfrage der schwäbischen Industrie- und Handelskammer kommentiert, die – ausgehend von der Industrie – eine deutliche wirtschaftliche Abschwächung für die Region offenlegt.

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Der IHK-Mann wirkte angesichts der Tatsache, dass der schwäbische Konjunkturindex unter das langjährige Mittel der vergangenen zehn Jahre gefallen ist, zwar nicht pessimistisch, aber skeptischer als früher. So sagte er: „Die Sorge, dass die Industrieflaute die Gesamtwirtschaft nach unten zieht, ist deutlich erkennbar.“ Für Kopton hat die Befragung von knapp 900 Unternehmensvertretern auch ergeben, „dass die Inlandsnachfrage die Konjunktur nicht mehr stützen kann“. Folglich konsumieren die meisten Bürger nach wie vor kräftig, was den Einzelhandel gut dastehen lässt. Doch der von der Autoindustrie und dem Maschinenbau ausgehende konjunkturelle Rückgang in der Industrie fällt inzwischen zu groß aus, um noch durch die intakte Kauflust der Verbraucher kompensiert zu werden.

Konjunktur in Schwaben: Automobilindustrie und Maschinenbau schwächeln - Baum boomt weiter

Automobilindustrie und Maschinenbau waren über gut neun Jahre verlässliche Wachstumstreiber für die Wirtschaft in der Region. Nun zeigen beide Branchen deutliche Schwächetendenzen und ziehen die Konjunktur insgesamt trotz eines nach wie vor boomenden Baubereichs nach unten. Das ist die Haupterkenntnis der am Montag vorgestellten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Schwaben. Nach der Befragung von Verantwortlichen aus knapp 900 Unternehmen ergab sich ein interessantes Bild: Demnach leiden viele exportstarke Industriebetriebe unter einem spürbaren Auftragsrückgang. Doch eine große Zahl der Firmen verfügt noch über eine hohe Zahl an Bestellungen aus der Vergangenheit, die abgearbeitet werden und so die Kapazitäten auslasten.

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Insofern halten – und das bestätigt die IHK-Umfrage – die meisten Betriebsinhaber an ihren Fachkräften fest. In der Industrie wollen sogar viele Firmen nach wie vor Stellen neu besetzen, nur finden sie oft nicht die entsprechenden Fachkräfte. Gleichzeitig bauen aber einige Unternehmen Arbeitsplätze ab.

Konjunktur: Davon profitieren Betriebe in Schwaben

Gerade internationale Faktoren wie die protektionistische Politik von US-Präsident Donald Trump und die Brexit-Diskussionen setzen exportstarken schwäbischen Firmen immer mehr zu. Sie verzeichnen gerade auf dem wichtigen chinesischen Markt deutlich weniger Aufträge. Hier wirkt sich natürlich der das asiatische Land wirtschaftlich schwächende Handelskrieg mit den USA auch für heimische Unternehmen zunehmend negativ aus. Der Effekt lässt sich nicht durch zum Teil bessere Geschäfte mit den USA ausgleichen. Aber immerhin profitieren auch einige regionale Betriebe davon, dass amerikanische Kunden jetzt zum Teil verstärkt deutsche Waren kaufen, weil sie befürchten, dass sie teurer werden könnten, wenn Trump weiter an der Zollschraube dreht. Es handelt sich also um einen klassischen Vorzieheffekt.

Kopton analysiert die aktuelle Lage wie ein Arzt: Die Industrie als lebenswichtiges Organ für die regionale Wirtschaft sei von einem Virus befallen. Nun gelte es zu verhindern, dass der Virus auf noch gesunde Wirtschaftszweige wie etwa die nach wie vor boomende Baubranche und den stabilen Handel übergreift.

Dafür hat der IHK-Chef sich eine fordernde Strategie zurechtgelegt. Er will als Vertreter von Industrie und Handel wieder wie früher mehr Druck auf die Politik ausüben, Betrieben durch Reformen das Leben leichter zu machen. Die kritische Selbstdiagnose des IHK-Chefs lautet: „Wir waren jahrelang viel zu ruhig. Es ging allen zu gut.“ Kopton wartet angesichts des Abschwungs nun mit lauteren Tönen auf. Der Verbandsvertreter wünscht sich von der Bundesregierung eine Sache, die viele andere Unternehmens-Fürsprecher über Jahrzehnte hinweg vergeblich eingefordert haben: einen wirklich beherzten Abbau von Bürokratie. Doch das neueste diesbezügliche Gesetzesvorhaben aus Berlin scheint Kopton nicht das Papier wert zu sein, auf dem es gedruckt werde.

IHK-Präsident nennt China als Vorbild für Genehmigungsverfahren

Der IHK-Präsident verlangt daher weitergehende Schritte, etwa die Abschaffung der Regel, dass bestimmte Akten zehn Jahre aufbewahrt werden müssten. Seiner Ansicht nach reichen fünf Jahre. Kopton versteht es auch nicht, warum der Staat Unternehmern misstrauisch begegnet. Er hat den Eindruck gewonnen, dass Betriebsinhaber, die Geld verdienen, geschröpft werden sollen. Was ihm außerdem missfällt, sind die langen Genehmigungsverfahren in Deutschland: Es könne doch nicht sein, dass der Ausbau einer Bahnstrecke bis zu 20 Jahre dauere. In China gehe das alles viel rascher.

Derart kritische Unternehmer-Stimmen werden mit dem wirtschaftlichen Einbruch sicher häufiger zu hören sein. Die Verbandsvertreter laufen sich schon warm für eine neue Diskussion um den Zustand des Standortes Deutschland. Die Politik wird also bald deutlich mehr Reform-Druck verspüren.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Konjunktur: Die Krise bietet große Chancen

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22.10.2019

Betriebsinhaber werden geschröpft.. ja da ist was dran. Aber irgendwoher muss das Geld für unsere hochqualifizierten Neubürger ja auch kommen!

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