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Augsburg

10.04.2019

Bei Premium Aerotec sind hunderte Arbeitsplätze in Gefahr

Bei Premium Aerotec findet am Donnerstag eine Betriebsversammlung statt. Dort sollen die Mitarbeiter erfahren, wie viele Stellen abgebaut werden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die Geschäftsleitung des Airbus-Zulieferers Premium Aerotec hat eine "Restrukturierung" angekündigt. Es droht der Abbau von hunderten Arbeitsplätzen in Augsburg.

Die Geduld der Beschäftigten des Augsburger Luftfahrtwerkes von Premium Aerotec ist erschöpft. Seit am Schwarzen Brett eine Mitteilung mit dem Datum 28. Februar 2019 unter dem Betreff „Restrukturierung Standort Augsburg“ aushing, wollen sie zum wiederholten Mal genauer wissen, was das für die noch 3600 Beschäftigten des Zulieferwerkes bedeutet.

Premium Aerotec: Betriebsversammlung am Donnerstag

Wie diese Redaktion aus Mitarbeiterkreisen erfahren hat, könnten Vertreter der Geschäftsleitung am Donnerstag bei einer um 11 Uhr beginnenden Betriebsversammlung Zahlen nennen, wie viele Arbeitsplätze wegfallen sollen. Hinter den Kulissen wird „ein massiver Schritt“ erwartet.

Zuletzt war indes noch unklar, wie viele Jobs langfristig bedroht sein können. Doch Arbeitnehmervertreter pochen nun darauf: „Wir wollen endlich konkret wissen, welches Ausmaß der Arbeitsplatzabbau hat.“ Die schon lange andauernde Ungewissheit sei für die Beschäftigten unerträglich. Um ihren Unmut über die Lage kundzutun, könnte es heute seitens der Mitarbeiter von Premium Aerotec zu Protesten kommen, wurde spekuliert.

Der Beschäftigungsabbau droht sich in dem Werk jedenfalls fortzusetzen. Nach Darstellung von Arbeitnehmer-Vertretern ist die Zahl der Leiharbeiter von zu Spitzenzeiten rund 500 schon auf nur noch gut 220 gesunken. Für die Stammbeschäftigten gilt aber ein Kündigungsschutz bis Ende 2020. Danach, so befürchten Mitarbeiter, könnten ab 2021 aber hunderte Arbeitsplätze wegfallen, wenn die Geschäftsleitung und Verantwortliche des Mutterkonzerns Airbus nicht endlich zusätzliche Produktionspakete nach Augsburg vergeben. Ansonsten, heißt es warnend, bestehe die Gefahr, dass der Standort langfristig ausblute.

Die Situation aus Sicht der Beschäftigten ist paradox: Einerseits rühmt sich Airbus eines Rekordauftragsbuches, andererseits stehen dem Augsburger Standort weitere schmerzhafte Einschnitte bevor. Wenn Mitarbeiter dann noch lesen, dass der jetzt ausgeschiedene Airbus-Chef Tom Enders nach einem Bericht der französischen Zeitung Le Monde mit einem goldenen Fallschirm von 36,8 Millionen Euro in den Ruhestand geht, „schwillt einigen der Kamm“, wie in Augsburg zu erfahren ist.

Viele Teile werden im Ausland günstiger produziert

Doch dass die Airbus-Fabriken zumindest rechnerisch bis zu zehn Jahre ausgelastet sind und trotzdem auf Augsburg Ungemach zukommen könnte, lässt sich erklären: Natürlich wirkt sich das Aus für das Airbus-Riesenflugzeug A380 auch negativ in Augsburg aus, werden dort doch etwa Flügelvorderkanten und andere wichtige Teile für den dicken Brummer produziert. Das Ende dieses Luftfahrttraums allein reicht aber bei weitem nicht aus, um die befürchteten massiven Job-Verluste zu erklären.

Hier kommt der enorme Kostendruck ins Spiel, dem sich Premium Aerotec seitens des Auftraggebers und Eigentümers Airbus ausgesetzt sieht. So wurde die Produktion von immer mehr Teilen etwa in das kostengünstigere rumänische Premium-Aerotec-Werk verlagert. Obwohl die kleinen und auch in Augsburg hergestellten Airbus-Flugzeuge ein Kassenschlager sind, schlägt das nicht auf den Standort durch. Denn immer mehr Teile für die kleineren Airbus-Flieger werden auch in der billiger produzierenden Türkei gefertigt.

Hält der Trend an und bekommt Augsburg nicht die von Beschäftigtenseite geforderten zusätzlichen Arbeitspakete, ist ein heftiger Personalabbau aus Sicht von Experten unausweichlich. Um aber doch stärker als bisher von der hohen Nachfrage an den kleineren Fliegern zu profitieren, müsste in das Augsburger Werk kräftig investiert werden. Dadurch ließe sich die Fertigung intensiver automatisieren.

Beschäftigte von Premium Aerotec in Augsburg hoffen auf Perspektive

Ursprünglich hegten die Premium-Aerotec-Manager die Hoffnung, dass sich Airbus aus dem Tochter-Unternehmen über einen Börsengang oder einen Verkauf voll oder zumindest teilweise zurückzieht. Dann hätten die Augsburger für Konkurrenten wie Boeing Aufträge erledigen und Jobs sichern können. Das hätte zur finanziellen Stärkung des Werkes beigetragen. Einst hatte Premium Aerotec dicke rote Zahlen geschrieben. Doch diese Zeiten sind zumindest vorbei.

Ein Verkauf oder Börsengang des Zulieferers scheint nach Informationen unserer Redaktion vom Tisch zu sein. In Industriekreisen wird vielmehr spekuliert, die norddeutschen Werke in Varel und Nordenham könnten wieder voll in den Airbus-Konzern integriert werden, während der Augsburger Standort „verselbstständigt“ würde.

Arbeitnehmer-Vertreter hoffen nun, der neue französische Airbus-Chef Guillaume Faury wolle den Job nicht gleich mit einem Arbeitsplatz-Kahlschlag in Augsburg beginnen. Sie fordern ihn entschieden auf, den Beschäftigten eine Perspektive aufzuzeigen. Sein Vorgänger Enders muss sich auf alle Fälle mit dem sensiblen Thema, wie die Zukunft von Premium Aerotec aussieht, nicht mehr befassen. Er wird froh sein.

Ein Landsmann könnte indes die Interessen der heimischen Standorte künftig vertreten. Denn Ex-Telekom-Chef René Obermann soll einmal an die Spitze des Airbus-Kontrollgremiums rücken. Und die Hoffnungen der Augsburger Beschäftigten ruhen auch auf dem Deutschen Michael Schöllhorn, der zu einem der Chefs von Airbus bestimmt wurde.

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