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Chinesen begehen bei Kuka den nächsten großen Fehler

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Kommentar Von Stefan Stahl
26.11.2018

Plus Die Asiaten hätten die Finger von Kuka lassen sollen. Sie haben nur Vorbehalte provoziert. Dass Konzern-Chef Reuter geht, beschädigt weiter das Vertrauen.

Der Abgang von Till Reuter an der Kuka-Spitze beschert den chinesischen Eigentümern ein gewaltiges Problem. Denn nun brodelt es endgültig bei dem von ihnen übernommenen Roboterbauer. Jetzt ist die Symbolfigur, ja aus Sicht der Beschäftigten der Schutzwall gegen ein stärkeres Durchregieren der Asiaten in Augsburg, weg. Die rund 4000 in der Stadt bei dem Konzern beschäftigten Frauen und Männer dürften zutiefst verunsichert sein, auch wenn der angesehene und sympathische Finanzvorstand Peter Mohnen (hier ein Porträt) zunächst das Ruder übernimmt.

Doch Reuter ist eine Symbolfigur für die Mitarbeiter: Er hat den Konzern 2009 vor dem Abgrund bewahrt, die Banken zu einer weiteren Finanzierung überredet und den Automatisierungs-Spezialisten strategisch geschickt zu immer neuen Höhen geführt. Bald galt Kuka als technologisches Aushängeschild Deutschlands, als Firma, die wie wenige andere für Industrie 4.0, eben die Hochzeit von Automatisierung und Digitalisierung, stehen. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel suchte die Nähe zu Kuka. Sie zollte den Augsburgern und Reuter auch durch ihren Besuch im schwäbischen Stammwerk Respekt. Die Firma wurde wie Siemens im Großen eine Art technologisches Kronjuwel Deutschlands.

Griff der Chinesen nach Kuka ging nach hinten los

Wer politisch geschickt agiert, vergreift sich nicht an diesem Allerheiligsten, auch wenn er wie der chinesische Haushaltsgeräte-Hersteller Midea die immense Summe von mehr als 4,5 Milliarden Euro für Kuka aufgebracht hat. Selbst für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass der chinesische Konzern als vom Staat gänzlich unabhängiger Investor gehandelt hat, wäre es für Peking klug gewesen, die Midea-Eroberer zurückzupfeifen. Doch es ist ohnehin der Eindruck entstanden, die Kuka-Übernahme sei gezielt auch auf politischen Druck aus China ausgeheckt und durchgezogen worden. Schließlich gehört die Robotik zu den Branchen, die der Staat stark ausbauen will – und das geht nicht ohne Übernahmen.

Die Midea-Manager haben Kuka-Chef Till Reuter verärgert. Das ist der zweite Fehler der Chinesen, kommentiert Stefan Stahl.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Der Griff nach Kuka ging aber schon bald nach hinten los. Die Bundesregierung ist nach langem Schlaf aufgewacht und knüpft aufgrund des Kuka-Schocks Übernahmen an strengere Bedingungen. Wenn der Kauf-Hunger der Asiaten nicht nachlässt, drohen sicher weitere Restriktionen. So wäre es für Peking insgesamt vernünftiger gewesen, auf Kuka zu verzichten.

Kuka in Augsburg: Sind die Jobs weiterhin sicher?

Die Asiaten konnten dennoch nicht widerstehen und haben den nächsten großen Fehler begangen. Denn durch die Vertreibung Reuters werden Gerüchte noch lauter, nach denen die Midea-Männer die Macht bei Kuka ganz an sich reißen und damit nach China ziehen wollen. Dann werden trotz aller aktuellen Beteuerungen weitere Zweifel aufkommen, ob die bis 2023 geschlossene Investorenvereinbarung wirklich konsequent eingehalten wird. Nach dem Vertrag sind der Standort Augsburg und die Jobs eigentlich viele weitere Jahre garantiert. Und es war ja Reuter, der das einst gefeierte Abkommen mit den Chinesen ausgehandelt hat. Es galt stets als Faustpfand gegenüber allen asiatischen Begehrlichkeiten. Insofern hätten die Midea-Manager alles daran setzten müssen, Reuter zu hegen und zu pflegen. Das haben sie offenbar nicht getan und "Mister Kuka", den Mann mit der orangenen Krawatte, verärgert. Das ist der zweite Fehler der Chinesen.

Am Ende stellt sich die Frage, ob es auch aus Sicht der Strategen in Peking nicht klüger wäre, die Kuka-Macht zu teilen und einen zweiten, europäischen Investor an Bord zu holen. Denn wenn es so weiter geht, werden deutsche Kunden aus der Autoindustrie hellhöriger. Sie setzen dann wohl verstärkt auch auf andere Roboterhersteller, um nicht zu sehr von dem chinesischen Produzenten abhängig zu sein.

Wie stark sind die Unternehmen in der Region? Unser Schwaben-Check gibt die Antwort: Zum Artikel.

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9 Bilder
Autos bauen und Bier einschenken: So vielseitig sind Kuka-Roboter
Bild: Ulrich Wagner

 

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Die Diskussion ist geschlossen.

26.11.2018

Mir ist nicht bekannt, ob die deutsche Politik geostrategische Analysen erstellt, in denen ein Streben Chinas nach wirtschaftlicher Vormacht Eingang findet.

So oder so: Das Engagement chinesischer Investoren oder gar die Übernahme deutscher Industrieperlen sollte nicht nur als Ausdruck ganz "normaler" wirtschaftlicher Verflechtungen gesehen werden.
China steht für einen konsequenten Staatskapitalismus mit einer strategisch-langfristigen Ausrichtung.

Bertolt Brecht, der große Sohn Augsburgs, hat bereits erkannt:
Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber selber.

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26.11.2018

Vielleicht sollten sich unser "deutschen Strategen" etwas mehr mit der chin. Mentalität und Philosophie beschäftigen. Eigentlich hätte man aus vorherigen Bespielen lernen sollen (wie u.a. Osram/Ledvance, usw.). Zusagen haben einen sehr kurzen Haltbarkeitswert. Wichtig sind das Know How einer Firma. Geld spielt meist keine Rolle, auch wenn kurzfristig investiert wird. Langfristig gesehen (3-5 Jahre) wird die Produktion nach China verlagert, da man dann alle Prozessabläufe in der Entwicklung und Produktion genau studiert und übernommen hat. Alle Investitionen, die man da vorher am Standort noch tätigt, zahlen sich trotzdem langfristig für Midea aus.

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